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Wie ich immer sage, die
Kulturindustrie ist eine Industrie wie die Holzindustrie, die
Bergbauindustrie, Auto- oder die Wellnessindustrie.
Es gibt ja in der Tat auch nichts, was nicht kulturell vermittelt ist:
begebe ich mich “in die Natur” (als Gegenbegriff) dann doch mit einem Auto!
Und wenn ich zu Fuss gehe, dann mit Wanderschuhen! Oder: barfuss an einer
Waldquelle angekommen, schöpfe ich mir das Wasser vermutlich mit einem
Plastikbecher. Also, keine Angst vor kulturellen Defiziten und
Terminologie-Disput!
Wem die letzten Sätze ein unangenehmes Sodbrennen verursacht haben oder
leichte Wadenkrämpfe, don’t worry: klar gibt’s immer noch Menschen, die sich
kritisch mit dem Kulturbegriff auseinandersetzen oder sich auch bemüssigt
sehen, den Kunst- und KünstlerInnenbegriff neu zu definieren (meist
Avantgarden oder so, aber die wissen eh alleine, was sie tun wollen):
Ein Beispiel wären die VisualistInnen, die an einer diskursgeschichtlichen
Grundlegung der Kunst und Kultur der österreichischen VisualistInnen
arbeiten, übrigens aus ganz pragmatischen Gründen: da geht’s letztlich
darum, eine neue Kunstform (VJing) - und ihr ökonomisches Backing - zu
etablieren, die gerade eine ähnliche Phylogenese durchmacht wie das DJing
vor 20 Jahren.
In meiner Keynote-Speech am 1. VisualistInnen-Kongress/MQ (der auch F.E. und
Christoph Nebel beigewoht haben) habe ich Hinweise gegeben, wie sowas
bewerkstelligt wird: “zeitlose Handlungsanweisungen” gibt Joseph Kosuth in
“Art after Philosophy”, siehe auch Andreas Tragwögers Blogeintrag hierzu.
AW: [netznetz.net] sektor3/kultur
Stefan Lutschinger Don Nov 4 11:49:10 CET 2004
42 Comments so far
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Schön gesagt, vor allem die letzte Passage zum Ökosystem: antworten
Adorno/Horkheimer doch mit dem deutschen Terminus “Kulturindustrie”
(Dialektik der Aufklärung) im amerikanischen Exil auf einen Text Martin
Heideggers - Rektor der 1. Führeruniversität, Der Ursprung des Kunstwerks:
“Die Werke werden verschickt wie die Kohlen aus dem Ruhrgebiet und die
Baumstämme aus dem Schwarzwald. [...] In solchen Vorstellungen vom Kunstwerk
mag sich die Güterbestätterei oder die Putzfrau im Museum bewegen.” M.
Heidegger, Der Ursprung des Kunstwerks, p. 9
AW: AW: [netznetz.net] sektor3/kultur
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.org
Don Nov 4 17:55:42 CET 2004
die
fokusierung auf kunst als “marktware” (sosehr das halt auch notwendig
sein mag) hat aber , meiner meinung nach einfach auch ihre
schattenseiten, die eben darin bestehen, dass jene die das spiel um die
erhaltung bzw. anhebung des eigenen “marktwertes” weniger gut
beherrschen, schlicht durch den rost fallen koennen. ist das netznetz
mit seiner prinzipiell fuer alle gleichen moeglichkeit zur partizipation
nicht ein etwas “menschlicheres” konzept? meine reflexe bei den
begriffen “creative industries” oder “kulturindustrie” etc. gehen
jedenfalls irgendwie in die richtung brechreiz …
AW: AW: [netznetz.net] sektor3/kultur
Stefan Nussbaumer stefan at dieelektrischenuss.com
Don Nov 4 18:34:58 CET 2004
Seit Warhol, Mühl oder Koons (von mir aus, nein paradigmatisch, auch Etoy u.
a.) dürfen Kunst und Geld doch kein Widerspruch mehr sein, das hat sich doch
schon längst erledigt, oder?
Partizipation ist dann menschlich, wenn sie auch was zu geben hat.
AW: AW: AW: [netznetz.net] sektor3/kultur
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.org
Don Nov 4 23:27:14 CET 2004
“Die Vernichtung des schoenen Scheins und gleichzeitig die Entfaltung der
sozialen und politischen Funktionen der Kunst scheinen nur erreichbar zu
sein durch eine Neubestimmung des gesellschaftlichen Auftrags und eine
Neu-Definition der kuenstlerischen Freiheit als reale Antwort auf die Frage
der Gesellschaft. Eine Kunst, die ihren sozialen Bezug wiedergewinnt, wird
in dieser Zeit eine umweltschaffende Kunst sein. Sie wird als
´Umwelt-Kunst´ angewandte Kunst sein … so wird die zukuenftige Kunst eine
auf Lebensbereiche, Umwelt, Funktionsbereiche angewandter aestehtischer
Prozess sein muessen.”
obiges zitat stammt nicht aus den 90er jahren, sondern aus einer
publikation von 1972. Konrad Pfaff: “Kunst fuer die Zukunft. Eine
soziologische Untersuchung der Produktiv- und Emanzipationskraft Kunst.”
und alles in allem gehen diese ansprueche bis zur klassischen avantgarde am
beginn des 20. jh. zurueck. waren es da die kunstansprueche fuer eine neue
´kommunistische gesellschaft´, so bezieht sich der autor des obigen zitats
auf eine ´egalitaere und fraternitaere wohlstandsgesellschaft´, also einer
´radikal demokratierten gesellschaft´
na da haben wir schon die scheisse! - diese gesellschaft, an der die
aufbaubewegte kuenstlerschjaft zukuenftig mitarbeiten sollte, ist weit und
breit NICHT in sicht. vielmehr erleben wir gerade den tiefgreifendsten
abbau der ´wohlstandsgesellschaft´ in europa durch die neoliberale politik.
die geforderte kunst (angewandte kunst) gibts aber schon - denkt etwa an
club culture und eventkulturspektakel usw.. und je ´schoener´ sie ist, umso
mehr ´feiert sie den bestehenden wahnsinn´. womit “eine neue Kunstform
(VJing)” in einem uralten dilemma der kunst gelandet ist.
[netznetz.net] aufbruch/umbruch/einbruch
FER f.e.r at sil.at
Mon Nov 8 21:51:32 CET 2004
mal langsam: wenn es wahr ist, dass der kunstbegriff, wie wir ihn heute
kennen und verwenden, der des marcel duchamps ist (nach der beschreibung
durch joseph >KOSUTH
Übrigens, wieso kann man das Kunst-Kultur Klientel kaum mit Klein- und
Mittelbetrieben vergleichen? Die Kunst- und Kulturindustrie ist eine
Industrie wie die Autoindustrie, Waffenindustrie, Lebensmittelindustrie oder
Holzindustrie auch, da waren wir doch schon mal …
AW: AW: [netznetz.net] graz
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.org
Fre Dez 10 18:57:24 CET 2004
ja wir arbeiten gerne gratis zu
allen themen, die ansonsten teure beuaftragungen von werbeagenturen und
sonstigen einrichtungen/firmen zur unterstuetzung bei der entwicklung von
kommunalen/politischen strategien und einem mainstreaming gewuenschter
tendenzen braeuchten - und ueberhaupt, wenns um die struktur eines
foerdervergabesystems geht.
kanonmedia office at kanonmedia.com
Mon Apr 18 11:02:15 CEST 2005
>- ich wuerd ja echt mal einen schritt zurueck machen, und das ganze
>nochmals von aussen anschauen, bevor ich mich da so schnell in
>systemimmanenz verliere …
irgendwie bin ich grad zu faul all meine comments dazu hier reinzuklopfen.
deswegen mehr gedankenmaterial meinerseits bei den naechsten personalmeetings.
ich denke jedenfalls, das wir auf kurs sind.
das ende der nahrungskette jg at monochrom.at
Mon Apr 18 13:19:37 CEST 2005
was sich diese durchaus auch lieben menschen jetzt im
taeglichen reputations-workout aus der birne schwitzen, war schon mal eine
heisse diskussion in der aufbruchsphase um die sog. Utopian Entrepreneurs
(Brenda Laurels) - und muss, was sonst, von jeder generation neu aufgerollt
werden.
nach dem platzen der dotcom-blase ging die diskussion erst recht los - und
ohne auf die vielen verschiedenen sachverhalte, die prominenten beispiele
und aspekte hier eingehen zu koennen, vielleicht nur eine zentrale
einsicht danach: dotcoms waren von den kapitalmaerkten abhaengig und nicht
von ihrer kundschaft. und in konsequenz dessen stell ich mir die frage, was
soll denn bitte das besondere an dieser
netznetz.net-foerdersystem-geschichte sein, wenn sich menschen - wie bisher
im kunstbereich in form von zuwendungen (ankauefe, subventionen),
koerberlgeld eben - wiedermal bei der politik um geld anstellen, ohne nach
ihrer kundschaft zu fragen. die netznetz.net-veranstaltung war eine nette
familienfeier - aber so gut wie ohne publikum, ohne kundschaft, ohne
oeffentlichkeit in einem heute verstanden sinn.
FER f.e.r at sil.at
Fre Apr 29 02:48:10 CEST 2005
Wie ja auch schon über die Liste kam, werden ambitioniertere Projekte mit
der angedachten kleinteiligen Förderung der MA7 nicht komplet
durchfinanzierbar sein. Ich denke, die Förderdiskussion in Richtung BKA
sollte demnächst aufgenommen werden. Es wäre wohl auch kulturpolitisch
töricht, den Bund aus seiner Pflicht der subsidiären Leistung zu
entlassen. Darüberhinaus sind natürlich Gelder aus den EU-Fördertöpfen
anzugehen.
Wo sollten wir bei BKA ansetzten? Bzw. noch Grundsätzlicher: Wer, hat wo,
welche Erfahrungen gemacht?
Ich habe dazu eine WikiSite gemacht. Bitte input-ten:
http://netznetz.net/wiki/index.php/BKA-Foerderung
Thomas Thurner thomas at teichenberg.at
Son Mai 1 10:13:27 CEST 2005
Wenn es etwas gibt, was die derzeitige Diskussion rund um das NetzNetz
Fördermodell so mühsam macht, dann ist es der Druck sich unbedingt einigen
zu müssen. Irgendwie hängt das Ziel und der Anspruch in der Luft, wir als
NetzNetz Kollektiv müssten uns als Kollektiv auf ein einheitliches,
eindeitiges und allgemeingültiges Bewertungssystem für Netzkunst zu
einigen. Inkl. der Gefahr dieses System würde zum unantasbaren
Bewertungsdogma für die nächsten paar Jahre werden.
Dadurch entsteht, zusammen mit der Deathlinie im November und der relativ
hohen Geldsumme um die es geht, ein enormer Druck, der dazu führt, dass
Dissenz meist niedergebügelt und nicht wirklich ausdiskutiert wird. Wenn
man dann noch anfangt, sich persönlich anzugreifen und zu beflegeln,
können wir gleich einen Beleidigungs & Untergriffsmarathon starten und die
Überlebenden zu Netzkunst Kuratoren auf Lebenszeit ernennen (Wobei alle
Nichtkuratoren danach trachen werden, diese Lebenszeit durch aktives
Denunzieren möglichst kurz zu halten).
Andreas.Trawoeger at wgkk.sozvers.at Andreas.Trawoeger at wgkk.sozvers.at
Don Aug 4 13:32:35 CEST 2005
welche art von
praktiken verdient die bezeichnung ´netzkultur´?
ich sehe weithin hier nur creative industries und neoliberale ideologien,
vollends ohne hinterfragt zu werden, und den - berechtigten - willen zum
ueberleben.
ueberleben wollen - aber gerne! der begruendungszusammenhang ´einer
netzkultur´, die mit einem ´totalen´ kniefall vor der hegemonie beginnt und
ehest zur etablierung von
kulturwirtschaftlich orientierten unternehmen fuehren kann, wird aber ueber
netzneTT nie hinauskommen.
FER f.e.r at sil.at
Mon Okt 3 22:08:08 CEST 2005
imaginaryfutures.netFür die ‘Bildungsfreaks’ ((C) Leo Findeisen) unter euch sei angemerkt, dass
die ‘kalifornische’ Ideologie und Zitate anderer Texte von Richard Barbrook
schon öfter über diese Liste gingen. Das war letztlich auch die Motivation,
Richard zum Symposium einzuladen, was er gegenüber meinem Kollegen Leo
bereits vor einigen Wochen zugesagt hat.
Sein neues Buch ‘Imaginary Futures” unter http://www.imaginaryfutures.net
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.net
Mon Nov 14 00:14:21 CET 2005
>> Demokratischer Legitimationszwang bedeutet den Tod der Kunst.
…ich hab das eher so gelesen, das die kunst in ihrer ausformung
unabhängig von
gesellschaftlicher gefälligkeit (welche durch ein
voting-systhem-forsiert wird) agieren soll.
in unserer gesellschaft werden oft demokratische entscheidungen unter
berücksichtigung
auf kommerzielle verwertung getroffen und dann letztendlich als
reform verkauft.
—//–machfeld–//— contact at machfeld.net
Mon Dez 5 14:06:02 CET 2005 in Antwort an Johannes Gees
Ich denke letztlich geht es nicht zuletzt auch in der netznetz-debatte
wesentlich um untige fragen,
lgs
—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: Monika Mokre [mailto:Monika.Mokre at oeaw.ac.at]
Gesendet: Donnerstag, 26. Januar 2006 15:20
An: Monika Mokre
Betreff: Depot: 31.1.: Kunst und Wirtschaft: Wer macht die Kunst?
Dienstag, 31. Jänner, 19.00
Kunst und Wirtschaft
Wer macht die Kunst?
Wirtschaft und Kunst scheinen in den Augen vieler das Dream-Team der
Zukunft
zu sein. Spezialisierte Netzwerker versuchen, das Verhältnis der beiden
Partnerinnen zu optimieren, um den Austausch von ökonomischem und
kulturellem Kapital möglichst reibungslos zu gestalten. In den
Entwicklungsplänen der Kunstuniversitäten wird eine verstärkte
Vernetzung
zwischen Hochschulen, Kunstmärkten, Wirtschaft und Gesellschaft
anvisiert –
Vernetzungen, die dialogisch funktionieren und zur wechselseitigen
Stimulierung dieser Bereiche führen sollen.
Angesichts dieser Entwicklung stellt sich die Frage, in welcher Weise
die
Betriebssysteme Wirtschaft und Kunst einander beeinflussen und welche
Szenarien für ihre Verquickung wünschenswert wären.
Christina Haupt-Stummer, section.a
Brigitte Kössner, Initiativen Wirtschaft für Kunst
Ulf Wuggenig, Soziologe, Lüneburg
Moderation: Anne Katrin Feßler, derStandard.at
kanonmedia office at kanonmedia.com
Don Jan 26 15:48:53 CET 2006
contentconference.atcontentconference.atcontentconference.at> On Sat, 11 Feb 2006 01:31:11 +0100
> “Or-Om” wrote:
>
>> Aus der Sicht von Or-Om gehört auch die Position der
>>
> bisherigen
>
>> Lenkungsriege zum internen Identitätsfeld von netznetz
>> (…)
>> Davon abgesehen bildet eben auch die Frage des Umgangs
>>
> mit
>
>> dem Hegemon ein wichtiges INTERNES Identitätselement.
>>
>
Armin Wagner armin at medien.akbild.ac.at
Mon Feb 13 01:30:48 CET 2006:
> Diese Frage (und das zugehörige Feindbild - das eines
> elterlichen Geldgebers), hat sich schon viel zu lange
> konkurrenzlos in diesem “Identitätsfeld” halten können.
> Natürlich bestehen bei jedem Aufbau von (Vergabe-)
> Strukturen - auch durchaus berechtigt - Befürchtungen um
> Vermachtung, diverse Kastrationsängste, usw. usf. Alles
> aber doch ein Kampf gegen Windmühlen, schafft es die
> Netzkunst nicht endlich in ihren eigenen Hintern hinein,
> und wieder beim Kopf rauszukriechen (nach Schlingensief),
> um dabei auch noch ein paar alternative
> “Identitätselemente” aufzufinden.
Konkurrenz belebt das Geschäft.
> Das “Ende” der Netzkunst wurde ja schon mehrfach in dieser
> Mailingliste angesprochen, dessen Diskussion aber scheinbar
> erstmal der späteren Selbstregulierung durch das dann
> endlich installierte Vergabespiel übergeben - anstatt hier
> parallel weitergeführt zu werden.
Bei mir rennst du damit offenen Türen ein.
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.net
Mon Feb 13 16:08:37 CET 2006 in Antwort an Armin Wagner
Da die MA 7 jedenfalls zu Transparenz verpflichtet ist und da ich aus
der Perspektive einer Kunst- und Kulturschaffenden davon ausgehe, dass
es auf Seiten der BetreiberInnen dieser Voting Systeme nur darum gehen
kann, dass einfacherer, nicht komplizierterer Zugang zu Fördermitteln
und eine Erhöhung von Transparenz im Kontext der Bearbeitung von
Antragstellungen und der Vergabe von Fördermitteln gehen kann, so stellt
sich jedenfalls die Problematik, wie mit der Relation der Bearbeitung
von Einreichungen ausserhalb des Votings und innerhalb des Votings –
sowohl seitens der MA 7 wie seitens EinreicherInnen – umgegangen wird.
Hier haben wir nach wie vor mit einer völlig unbearbeiteten Problemzone
zu tun. Wie geht man damit um, wenn sich Personen/Initiativen, die sich
in einer Öffentlichkeit als Befürworter/EntwicklerInnen des Votings
darstellen, diesem nicht stellen? Die Vermutung liegt nahe, dass diese
Situation mehrfach auftreten kann und ja auch schon aufgetreten ist. Die
freie Vergabe für manche zu rechtfertigen und für die anderen nicht
bleibt eine schwierige Übergangsphase, für die es wohl noch eine gute
Argumentation brauchen wird und von der man sich fragen muss, wie lange
sie zu halten ist.
Obgleich ich dafür bin, dass ein Experiment wie dieses mit einer
definierten Summe, sicher nicht mit dem gesamten Budget der MA 7 für
Neue Medien, gefördert wird und den experimentellen Versuch eines
Community Games zumindest aus dem Grunde, dass eine relativ grosse
Anzahl von Initiativen dieses über einen längeren Zeitraum befürworten
und erproben will, zulässt, so muss ich für mich wieder und wieder
feststellen, dass ich das Voten an sich für hochproblematisch – nämlich
im Sinne einer Schlammschlacht – halte, und dass ich nach wie vor nicht
glaube, dass das System auf seriösem, funktionstüchtiger Grundlage
angesiedelt ist - vor allem wenn es keine Differenz zwischen
ModellentwicklerInnen, BetreiberInnen, AntragstellerInnen und
WählerInnen gibt. (Inzwischen werden ja AntragstellerInnen und Wählende,
die nicht zur e21 zählen, ja bereits als Publikum bezeichnet; schon
interessant).
Ich denke, dass die Freiheit bestehen muss, das Experiment bei
entsprechend angesiedelter Budgetierung erproben zu können, und
gleichzeitig die Chance auf davon unabhängige Förderung zu haben. Hier
braucht es wohl noch mehr Transparenz. Und letztlich sicher
Budgetmittel.
Als Einreicherin sehe ich mich gezwungen, an diesem Voting teilzunehmen,
da eine Einreichung ja ansonsten sowieso nur als Scherz aufgefasst
werden kann. Votet und präsentiert man nicht, so war die Einreichung –
hat sie erstmal die Bewilligung durch die Validierung geschafft –
verlorene Liebesmüh.
Reicht man angesichts der aktuellen Tendenzen nicht ein, so kann man nur
den in Abschaffung befindlichen Weg der direkten Vergabe durch die MA 7
gehen, dort gibt’s aber kein Geld mehr.
Bevor man also gar nicht mehr einreichen braucht, weil am Schluss doch
nur mehr die EntwicklerInnen des Systems einreichen – und sei es
indirekt durch Allianzenbildungen, so ist man eigentlich gezwungen zu
voten, selbst wenn man nicht voten möchte, sondern ausschliesslich
einreichen.
Zu vermerken bleibt auch der derzeitige Hypereffekt, dass die
EntwicklerInnen, die gerade sehr fleissig wählen, zu rd. 50% zur e21
plus nahe Konsorten zählen, von diesen beiden Gruppierungen sind
natürlich jene die reputationsstärksten, die ohnehin schon Förderung
haben – logisch, das war schon immer so. In einem Vernetzungsprozess
gewinnen natürlich jene, die sich als Fans anhängen, da sie in einer –
im Urheberrecht als Trittbrettfahrerei definiert – Anhängerschaft von
der Reputation anderer profitieren. Sie sind also sicher gezwungen, sich
unabhängig von ihren Inhalten auszuliefern.
Ich vermute, dass bei einem Voting alle anderen – denn es geht ja
offensichtlich ausschliesslich um Reputation und nicht um Inhalte -
sowieso oder jedenfalls sehr sehr leicht ausgesiebt werden, da sie eben
nicht über entsprechende Fanclubs bzw. Absprachen verfügen (in
Wirtschaftsdeutsch heisst das heute Lobbyingkraft oder Grad an
Vernetztheit).
Können bei Backbone noch VoterInnen, die nicht selbst EinreicherInnen
sind, teilnehmen – es angesichts extrem kurzer, unöffentlicher und durch
Infooverload Verwirrung erzeugender allerdings wiederum nur ein
bestimmter Kreis an VoterInnen zu erwarten ist -, so können bei CG, und
das in auch nur mehr wenigen Tagen, überhaupt nur mehr die
EinreicherInnen voten.
Dies schliesst die Kreise einfach und deutlich.
In den Wahlsystemen sind keinerlei Richtlinien eingezogen, die solchen
Vorabsprachen entgegenwirken, im Gegenteil, sie werden explizit
forciert, z.B. durch Wahlvorgänge, die einer Anonymität deutlich
entgegenstehen. Das ist Schlammschlacht und Klüngelei schlimmster Sorte,
und jene, die sich diesem inszenierten Spiel der Aussiebung zum Zwecke
der Definition einer netbase-Nachfolge für, sagen wir mal 2-5 sauber
unterdotierte laufende Initiativen mit Infrastruktur nicht nur
ausliefern, sondern dieses aktiv betreiben, sind natürlich genau jene,
die die eigentlichen Chancen auf diese 2-5x neolieberal-opportune,
unterdotierte und mit sauberer Reputation versehene Förderung haben.
Ich frage mich, ob und welche Chancen für andere Initiativen und
Personen aus dem Feld der Medienproduktion bestehen, und ich kann für
Montag eigentlich nur davon ausgehen, dass dieser Hypereffekt nur dann
verhindert werden kann, wenn eine grosse Anzahl an Personen wählt, die
nicht so direkt an dem Entwicklungsprozess dran sind. Angesichts der
unübersichtlichen Informationssituation sicherlich schwierig, aber
vielleicht trotz grosser Umstrittenheit von Voting an sich wohl aktuell
der einzige Weg, um dieses geschlossene Schlamassel in eine offenere
Entwicklung zu geleiten. Vielleicht stellt sich ja dann heraus, ob das
ein Begräbnis oder ein demokratischer Weg ist.
Und um das noch klarer zu kriegen – ich vermute überhaupt, dass die, die
eingereicht haben, nicht wählen dürften – ist aber wohl für Montag und
für das erste Siebverfahren BB nicht mehr abzuwenden, so wie ich das
sehe.
Voten dann bei CG überhaupt nur mehr die Einreichenden, so schliesst
sich der Kreis ja noch besser.
Ich plädiere dafür, dass ab sofort auch bei CG nicht nur Einreichende
voten dürfen, sondern ein erweiterter Kreis an
Personen/InteressentInnen/Tätigen.
Insofern also die aktuellen „Wahlen“ als Betatest bis Juni 06 gelten –
und damit auch eine neue Einreichmöglichkeit für das zweite Halbjahr
besteht – dies würde ich bedingen -, so besteht zumindest nach diesem
Betatest die Möglichkeit festzustellen, wie geschlossen oder wie offen
sich das System verhält.
Für das gerade neu begonnene Quartal wie für den Rest des Jahres und der
kommenden Jahre besteht weiters und nach wie vor die Frage nach der
adäquaten Dimensionierung der 4 Segmente:
5.000,– für EinsteigerInnen mögen als adäquat erscheinen,
berücksichtigt ist aber nicht, dass aufgrund des Hahnenkampfwahlsystems,
das sich sowohl bei:
- Community Game (dzt. 125.000,–) (schön hoch bzw. begrüsse ich
die Reduzierung auf niedrigere Summen, wobei diese Definition dzt.
offenbar noch intransparent und flexibel gehalten wird – bis hin zu:
wenn das Voting nicht abgehalten wird, dann gibt es kein Geld (????);
- Backbone System (50.000,–) (ist ja nicht ernstzunehmen,
bedeutet in einer Transparenz ja letztlich nur, dass es bei der MA7
derzeit keine Förderung für Infrastruktur gibt und dass Kunst- und
Kulturschaffende deutlich dazu eingeladen sind, entsprechende
Förderungen unter anderen Programmen, vgl. departure o.ä. zu
beantragen);
- Annual Convention (100.000,–) (schön hoch; dass Interessenten
für eine Betreiberschaft die Summe nicht als hoch bezeichnen, wundert
nicht)
auswirkt, nun auch Personen und Initiativen, die schon lange tätig sind
und die aufgrund technologischer Innovations- oder auch sonstig zu
bezeichnender inhaltlicher Interessen, die entsprechende
Produktionsmittel erfordern, nicht mit 5.000,– Euro auskommen können
bzw. jedenfalls auch all jene, die gegen Votings sind, nun nichts
anderes mehr übrig bleibt, als als Anfänger einzureichen (???? Das ist
moderne Medienpolitik, kann man sagen). Das ist echte newby-schaft.
Argumentationen unter jeder Gürtellinie.
Jedenfalls stellt solche Dimensionierung deutlich keinen breiteren
Zugang zu Fördermitteln im Bereich Neue Medien dar, im Gegenteil. Das
von so vielen geäusserte Argument, dass endlich Personen und
Initiativen, die noch nie Zugang zu Förderung hatten, leichteren Zugang
bekommen, ist Fiktion. Gleichzeitig entsteht deutlich und wieder einmal
die Frage danach, wie sich eine ehrenamtliche Partizipation so vieler
über so einen langen Zeitraum in der Hinsicht rechtfertigen würde, dass
interessante Veränderung erzielt wird – z.B. Argument: das Geld muss von
den Produzierenden selbst vergeben werden, o.ä. - —-
Gleichzeitig kann aber auch in keinster Weise von der Ermöglichung
qualitätsvoller Produktion gesprochen werden. Somit bleibt aktuell nur
der Schluss, dass sich das Ressort darauf vorbereitet, geschlossen zu
werden – nun ja, nicht geschlossen, aber wohl so runterbudgetiert zu
werden, dass es keine wirklich adäquate Förderung von Neuen
Medienproduktionen bei der MA 7 mehr gibt, sondern dass solche
ausgelagert werden. Dies entspricht ja nicht zuletzt auch allen
öffentlichen Äusserungen aus dem Büro Mailath-Pokorny wie auch Morak und
dem Schwerpunkt der EU-Präsidentschaft.
Vgl. http://www.contentconference.at <http://www.contentconference.at/>
Die Debatte creative industries berücksichtigt nach wie vor in völlig
inadäquatem Masse eine freie, unkommerzielle, künstlerische Produktion.
Hier fehlt es an Diskurs und demokratischem Mut wie Offenheit. Sich ohne
Zweifel und ohne die Entwicklung nationaler Alternativen einfach an
Dienstleistungsrichtlinien wie unter GATTS definiert anzuschliessen und
eine freie Szene als Versuchskaninchen für e-government systems und die
Verwirtschaftlichung von Kunst heranzuziehen, lässt nach politischer
Sozialverantwortlichkeit fragen.
Will man solchen Tendenzen aktuell entgegenwirken, so müsste eine
aktuelle Schlussfolgerung für das Ressort Neue Medien bei der Stadt Wien
hier eigentlich bedeuten, dass jene Gelder, die in einem Übermass bei CG
und AC verspekuliert werden, jedenfalls für 2006 bei Micro Grants
rückangesiedelt werden müssten – hier allerdings fehlt eindeutig eine
Stellungnahme.
kanonmedia
Son Apr 2 13:03:16 CEST 2006
Creative Class made in Austria
Kolumne von Elisabeth Mayerhofer und Monika Mokre Das Schlagwort der “Creative Industries” boomt nunmehr seit gut einem Jahrzehnt von den USA bis Indien. Will man den Jubelschriften zu diesem Thema glauben, so handelt es sich hier um eine wirtschafts- wie kulturpolitische eierlegende Wollmilchsau: Arbeitsplätze werden geschaffen, Wirtschaftsstandorte boomen und die Kreativen können ihre Fähigkeiten in klingende Münze umwandeln.
Der US-amerikanische Bestsellerautor Richard Florida spricht gar von einer “Creative Class”, von deren Aktivitäten die Zukunft urbaner Ökonomien abhängt. Eine solche soll nun auch in Österreich gefördert werden.
Kulturpolitische Moden sind international erstaunlich gleichförmig, wie sich an dem Schlagwort der “Creative Industries” zeigt.
Hypes dieser Art sind immer mit Misstrauen zu betrachten: Oftmals zeigt sich, dass es doch recht selten und recht karg in den Geldbeuteln der Kreativen klingelt, die geschaffenen Arbeitsplätze zeichnen sich durch Prekarität und soziale Unsicherheit aus. Beim Standortwettbewerb sind zumindest ernsthafte Zweifel angebracht, wenn sich alle Regionen mit dem gleichen Konzept profilieren wollen. Nationale Umsetzung internationaler Politkonzepte
Jedenfalls aber sind die Creative Industries als politisches Konzept wie auch als realer Wirtschaftsfaktor (welcher Bedeutung auch immer) eine internationale Realität, die sich zwar kritisieren, nicht aber wegleugnen lässt. Wobei die jeweiligen nationalen Ausgangsbedingungen die Entwicklung dieses Sektors entscheidend prägen.
In Österreich etwa sind die Creative Industries mit einer politischen Kultur konfrontiert, die sich durch ein einstmals umfassendes sozialstaatliches Modell und durch eine kulturpolitische Fokussierung auf das kulturelle Erbe auszeichnet.
Die Creative Industries stellen einen Bruch mit beiden Traditionen dar, sodass es wenig erstaunt, dass die politischen Maßnahmen zur Förderung dieses Bereichs eher durch Hilflosigkeit als durch klare Ziele gekennzeichnet sind. Inhalte und Struktur des kreativen Sektors, der durch öffentliche Finanzen geschaffen oder entwickelt werden soll, bleiben weitgehend verschwommen.
Was genau sind die Creative Industries? Wie unterscheiden sie sich von anderen Wirtschaftssektoren? Und wie kann eine einigermaßen nachhaltige Förderung dieses Sektors aussehen? Welche Arten von Finanzierung benötigen die Kreativen, damit sie irgendwann zu wirtschaftlichem Erfolg kommen? Welche sozialen Absicherungen sollte es für die kreativen Ich-AGs geben? Und, nicht zuletzt: Welche Schwerpunkte sollen sinnvollerweise unter Nutzung vorhandener Strukturen in Österreich gesetzt werden?
Die derzeitigen Förderungen auf Bundes- und regionaler Ebene fördern in erster Linie einmalige Projekte verschiedenster Ausrichtung. Projektförderung führt aber bekanntlich nicht zum Aufbau einer Infrastruktur und nicht zu einigermaßen stabilen Arbeits- und Lebensbedingungen.
Und je punktueller gefördert wird, desto geringer ist auch die Chance, dass sich eine lokale Szene bildet, sondern es bleibt bei der kurzfristigen Besserstellung von Einzelkämpfern. Dabei kommt es zur Wiederbelebung des Gießkannenprinzips, das möglichst breitflächig relativ geringe Förderungen ohne sichtbare Akzentuierungen verteilt. Ähnlich wie in der Kunstförderung wird dadurch statt Professionalität das “Weiterwurschteln” gefördert. Zum Leben zuwenig …
Die Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen, die sich gesamtgesellschaftlich zu einem der wichtigsten sozialen Probleme unserer Zeit entwickelt, ist im Bereich der Creative Industries ein fast Flächen deckendens Phänomen, auf das die Fördermaßnahmen nicht adäquat reagieren und das weder durch Kammern noch durch Gewerkschaften adäquat bearbeitet wird.
Damit aber bleiben diejenigen, die sich eine österreichische Creative Class à la Florida wünschen, deutlich hinter ihren eigenen Zielsetzungen zurück. Daher: Wenn in den Aufbau kreative Milieus investiert wird, sollte die Schaffung nachhaltiger Strukturen angestrebt werden. Elisabeth Mayerhofer ist Kulturwissenschaftlerin, Gründungsmitglied von FOKUS, der Forschungsgesellschaft für kulturökonomische und kulturpolitische Studien, und Geschäftsführerin der IG Kultur.
Monika Mokre ist Politikwissenschaftlerin, Vorsitzende von FOKUS und stellvertretende Direktorin des EIF, Institut für europäische Integrationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 2. Juli 2006, 22:30 Uhr
http://oe1.orf.at/highlights/60597.html, eingesehen am 10.12.2006
Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 6:33 pmdepot.or.atdepot.or.atdepot.or.atdepot.or.atDienstag, 30. Mai, 19.00
Was wird aus der „Medienstadt“ Wien?
Podiumsdiskussion
Um das Potenzial der Stadt zu nutzen, bedarf es einer Vielfalt
lebendiger Freiräume. Insbesondere Orte selbstbestimmter
Medienaneignung sind zunehmend marginalisiert. Den politischen
Bekenntnissen zur Förderung von Institutionen freier Medienarbeit
folgte Ernüchterung. Wo kann Medienkultur jenseits von Konzern- und
staatlichen Interessen Platz finden? Wie konstituiert sich eine
“Information City” Wien?
Konrad Becker, t0, Institut für neue Kulturtechnologien
Katharina Gsöllpointner, Medientheoretikerin
Felix Stalder, Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich
Beat Weber, MALMOE
Jürgen Wutzlhofer, SPÖ Gemeinderat Wien
Moderation: Sylvia Riedmann, Journalistin
…
die diskurshoheiten parlieren entre eux im:
http://www.depot.or.at/programm.html
eSeL
Mon Apr 24 22:51:58 CEST 2006
Naja, nicht nur Kritiker. Aber es sollte ja auch nicht alles und jedes
durch die Netznetzbrille angeguckt werden. Da würden wir ja eh Angst
bekommen.
Thomas Thurner
Mon Apr 24 23:00:02 CEST 2006
Vielleicht empfiehlt sich ja auch ein 34. rot-gruener punkt.
Das muessten sich die zustaendigen PolitikerInnen wohl aber auch selbst
ausmachen.
Allerdings: eine öffentliche Veranstaltung mit Stellungnahme zu den
aktuellen kulturpolitischen Strategien in Stadt Wien, ja und natürlich
auf Bundes- und transnationaler Ebene, jedenfalls unter Einbeziehung der
Betroffenen und in einer wirklichen Gesprächsführung (denn mit autonomer
Selbstverwaltung hat dieses Big-Brother-Superwahnsinns-Mörder-cooles
Game (iiiih - ein Kunstwort)alles wohl gar nichts zu tun, es sei denn es
wäre wirkliche Autonomie zweifellos organisatorisch wie budgetär
klargestellt - und das Stichwort Pseudo-Partizipation drängt sich ja
schon seit längerem auf, besonders wenn man der Verschwiegenheit wie
Sachlichkeit des aktiven BetreiberInnenteams so folgt) - solch
transparenter Mut, die eigene Position klar zu äussern, hat einem
sachlichen statt verlurkinstrumentschwejkschem (iiih - ein Kunstwort)
Diskurs wohl noch nie wirklich geschadet.
Überhaupt wenn’s im Konstruktivanteil tatsächlich um eine interessante
Medienmetropole gehen soll, in der jene, die Zeit entwickeln, und das
waren doch meist ForscherInnen und solche Avantgarde, die sich nicht auf
bestehende Kommerzgebundenheiten zurückgezogen haben, auch Raum und
Position finden können statt kurzsichtigen und naiven
Outcastingverfahren “auf der Strecke zu Gewinn und Erfolg” (iiiih - ein
Kunstwort) zum Opfer fallen, um nichts anderes zu erreichen, als dass
ein vorprogrammierter Misserfolg dann halt einfach wieder vergessen
wird, weil man sich’s ja leisten konnte. Sehr innovativ.
Ein strukturierter regelmässiger Diskurs unter Teilnahme von Delegierten
aus den verschiedenen, nicht nur künstlerischen, jedenfalls aber unter
Vertretung künstlerischer Medienproduktion ebenso wie
Technologieentwicklung auf Open Source Basis ist sicher ein
empfehlenswerter Ansatz.
Und sicher nachhaltiger als kurzzeitiges Erregen von Aufmerksamkeit.
Schnell geschossene Massnahmen zur Effizienzsteigerung unter voller
Auslastung des Risikos auf Betroffene sind nicht nur im Zeitalter eines
Individualismus der 80er Jahre schon lange veraltet, sondern sogar in
der EU samt ihres Bedarfs an “innovativer” PR.
Ps. Nach langem Nachdenken über die Implikationen des
zeitgenössisch-verbreiteten Wortes innovativ und dessen skeptischer
Betrachtung habe ich mich für den Ausdruck “zeitentwickelnd” entschieden
- auch wenn solcher Ausdruck natürlich nicht die Schlagkraft von
stimmgewinnenden Parolen hat.
kanonmedia
Die Apr 25 16:38:56 CEST 2006
Vom Ernst und vom Witz eines Spiels
unzeitgemäße und unausgegorene Gedanken von Franz Nahrada
Daß das Spiel meine Solidarität hat hab ich gerade bekundet. Es ist der
Form nach ein gewaltiger Fortschritt gegenüber allen anderen Formen der
staatlichen Reglementierung von Kunst und schon als Experiment und
praktische Übung von ungeheurem Wert. Dennoch und auf die Gefahr hin die
Mailflut hier noch zu vergrößern, die auch bei mir jenseits des
erträglichen und technisch machbaren ging, möchte ich ein paar Gedanken
prinzipieller Natur loswerden. Es geht mir nicht um die Prozedur der Wahl
selbst und um die Bandbus-Mechanismen oder um die Verteilung von
Sympathien zwischen Medienkünstler- und Hackertum, es geht mir vielmehr um
die Kriterien die ich als sinnvoll empfinde (und hoffentlich auch andere)
und eine Grundlage für das nachhaltige Resultat des ganzen Prozesses. Und
hier empfinde ich doch eine gewisse Leerstelle in der Diskussion, die ich
mal thesenhaft füllen möchte. Ich kann mich ja total irren, aber für mich
sind die Dinge logisch konsistent und die praktischen Konsequenzen
eindeutig. Wir dürfen uns nichts darüber vormachen vor welchem Hintergrund
wir agieren und sollten uns der Konsequenzen bewußt sein.
1. Der Community Grant ist nicht nur das Resultat individuellen
Verhandlungsgeschicks (obwohl es das auch gebraucht hat, das soll die
Leistung der Netznetz Leute den Politikern diese Form der Entscheidung
überhaupt abgerungen zu haben nicht schmälern) sondern auch Ausdruck eines
spürbar nachlassenden staatlichen Interesses an Kunstförderung.
Die gewagteste These zuerst. Aber eigentlich nicht so gewagt, wenn man
sich die generelle Budgetentwicklung anschaut und auch mit Menschen aus
dem Kunstbetrieb spricht, die allenthalben Kürzungen vermelden wo nicht
ein kurzfristiger ökonomischer Nutzen versprochen wird. Es hat schon etwas
von einer Abwicklung eines ganzen Standes an sich, wenn das was bisher
Angelegenheit einer Standespolitik war, in ein Lotteriespiel mit
festgelegter Gewinnsumme und wechselseitiger (und es muß auch so
ausgesprochen werden) Kannibalisierung verwandelt wird.
Warum diese Abwicklung, sprich die ökonomische Austrocknung eines bis dato
zwar nicht üppig, aber doch geförderten Kunstwesens?
Das staatliche Interesse an Kunst ist ein sehr abgeleitetes, es läßt sich
vielleicht in dem Satz zusammenfassen, daß der ganze gesellschaftliche
Apparat einer freiwilligen Unterwerfung unter ein System von eindeutigen
Rechten und Pflichten dadurch seine besondere Würze erhält, daß einer
ganze Gruppe von Menschen explizit die freie Gestaltung dessen was sie für
persönlich wichtig erachten erlaubt und ermöglicht wird - freilich nicht
als praktische Tat, aber als permanente Produktion von Denkmälern der
Freiheit in allen möglichen Materialien.
Es gilt also tatsächlich das Prinzip der Freiheit iun unserer Gesellschaft
und alle begreifen sich als freie Menschen. Da aber für die meisten
Menschen Freiheit nichts anderes heißt als sich mit ihren ökonomischen
Mitteln durchzuschlagen, wobei einem der Staat mehr oder weniger nichts
dreinredet aber auch nur sehr bedingt unterstützt, sind sehr viele
Menschen eben eher passive Genießer des Prinzips der Freiheit. Dieses
Bedürfnis bedient oder besser bediente der Künstlerstand.
Es ist also sehr naiv zu glauben, daß die Eigenschaft ein “Künstler” zu
sein einem Menschen qua Natur zukomme. Es ist eine bewußt hergestellte
gesellschaftliche Differenz, deren Nutznießer in den seltensten Fällen die
dadurch zu Künstlern erklärten Personen sind. Die machen freilich mit und
nehmen die ihnen gesellschaftlich attribuierte Bestimmung als ureigenstes
Anliegen, und so ist es ja auch gedacht. Die ihnen eingeräumten Freiheiten
nehmen sie als positives Handlungsfeld, obwohl ihre Produktivität auf
einen lächerlich geringen Handlungsspielraum festgelegt ist. Dafür dürfen
sie sich mit einem Publikum die grundlose Wertschätzung von Denkmälern
eines mehr oder weniger subjektiv bestimmten Umgengs mit ihrem Material
teilen.
Eine Diskussion über die praktischen Nutzanwendungen dieser Denkmäler
grenzt an Banausentum - es geht eindeutig um Höheres. Diese immer schon
von den nicht dem Kunstbetrieb angehörigen Mitgliedern der Gesellschaft
als Luxusveranstaltung beargwöhnte Sphäre wird relativ zu anderen
budgetären Spielräumen der Staatsgewalt zwar prinzipiell als höchst
notwendig erachtet, aber im Einzelfall sehr wohl den Konjunkturen des
Verhältnisses von Ökonomie und Polittik untergeordnet. Und das ist seit
geraumer Zeit bekanntlich sehr problematisch aka globalisiert, weswegen
der Staat - und sogar ein Kunst und Kulturstaat par excellence wie
Österreich - sich lieber für seine Fortexistenz als Wirtschaftsstandort
(ja, Kulturtourismus und creative industries inklusive!) verschuldet als
für Sozialleistungen und Kultur sans phrase. Frithjof Bergmann hat dafür
den treffenden Ausdruck vom “Verbrennen der Geigen” geprägt.
2. Die Künstler leiden durchaus an der Differenz zwischen ihrer Freiheit
und den gesellschaftlichen Notwendigkeiten. Aber leider ziehen sie daraus
immer nur den einen Schluß, daß Kunst prinzipiell wichtig ist.
Was einer so als Kunst treibt, ob er dabei die Gesetzmäßigkeiten seines
Materials kennt oder sich einfach in seiner freien Individualität
herumtreibt, stets fällt auf daß er oder sie noch zumindest einen
selbstgesetzten Zweck verfolgt. Damit ist eine prinzipielle Differenz zu
anderen Mitgliedern der Gesellschaft unvermeidlich, sei es zu denen die
sich mit der Mehrung ihres Eigentums beschäftigen oder den anderen die
eben einfach arbeiten gehen müssen. Leider wird als Grund dieser Differenz
allzuoft behauptet, die Leute seien eben zuwenig kreativ. Damit wird die
Ideologie von der Trennung in Künsller und Nichtkünstler zementiert, die
ihre Grundlage aber einzig und alleine in einer Fähigkeit und
Zielsicherheit hat, sich der staatlichen oder marktlichen Ressourcen für
Kunst zu versichern. Manche Künstler wollen zurecht diese Ideologie
durchbrechen, aber ohne sich als Künstler infrage zu stellen.
Die Scheinmilitanz der netbase - um auch einmal ad personam konkret zu
werden - bestand also auch ganz folgerichtig darin, ganz prinzipiell von
einem Dienstverhältnis des Staates an der Freiheit zu einer wie immer
gearteten Subversion auszugehen. Jedem Inhalt, den sie aufgegriffen hat,
nahm sie die Spitze indem sie ihn in einer ganz besonderen Form, der
künstlerischen nämlich, präsentierte, wobei es ziemlich egal war ob ihre
Flugblätter und Zeitungen lesbar und ihre Anliegen nachvollziehbar waren.
Letztlich hat sich das ganze dann wirklich auf Fragen des persönlichen
geschmacks reduziert und so auch noch ganz gut hineingepaßt in den
Kunstbetrieb.
3. Die Umwälzungen in der Produktion und die
Mikroelektronik/Kommunikatationstechnologie entziehen den bisherigen
gesellschaftlichen Formen die Grundlagen und schaffen ein neues Feld
menschlicher Produktivität mit verblüffenden Eigenschaften.
Zur Ehrenrettung der Netbase muß aber auch gesagt werden daß es sich bei
der Medienkunst tatsächlich um eine Sphäre handelt, die sich der üblichen
Festlegung von gesellschaftlicher Kreativität auf das einzelne
Künstler-Individuum entzieht und daß sich diese Ahnung auch schon immer
durchzog.
Auf der einen Seite bricht durch die beständige Senkung der
gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit in der Produktion das ganze
bisherige auf der Konkurrenz um den Wert von Waren aufgebaute
Wirtschaftssystem zusammen. Wir erleben in rasanter Geschwindigkeit wie
unser traditioneller System von Wirtschaft und Politik durchdreht und
wider besseres Wissen diese Wahrheit nicht wahr haben will. Wie die
Lemminge kommandieren sie uns in sinnlose Produktions- und
Absatzzschlachten, deren Resultate immer weniger den Ansprüchen auf
Wachstum von Kapital und Einkommen genügen, simulieren dieses Wachstum
daher leiber fiktiv durch finanzielle Spekulationen und immer neue
Verschuldungstricks, und bedienen die Zinsen indem sie jegliche Substanz
unseres Lebens vor der endgültigen Abrechnung zu verhökern suchen. Mit dem
tatsächlich enorm gestiegegen Potential menschlicher Kreativität und
Selbstorganisation können sie wenig anfangen, denn es produziert nur
Reichtum aber verdient kein Geld. Weil es aber nur auf dieses ankommt,
werden auch die elementaren sozialen Absicherungsmechanismen demontiert,
geplündert, in Geschäftsfelder verwandelt.
Auf der anderen Seite hat eben diese Verallgemeinerung menschlicher
Produktivität, die eine Konkurrenzökonomie letal und ins Herz trifft, die
materiellen Voraussetzungen einer neuen Wirtschaftsform geschaffen, in der
die Arbeit das Kapital tatsächlich nicht mehr bräuchte. Während die
populäre Weisheit ist “uns geht die Arbeit aus” ist die Wahrheit, daß die
menschliche Produktivität in nie dagewesenem Umfang umgestaltet und
dezentralisierbar geworden ist. Die Produktionsmittel sind miniaturisiert
und stellen mir zunehmend die gesamte Intelligenz der Welt auf den
Schreibtisch oder in die Werkstatt. Unter diesen Bedingungen macht es
immer mehr Sinn, sich am Entwicklungsprozeß dieser Intelligenz zu
beteiligen als gegen sie zu konkurrieren. Unter diesen Bedingungen ist die
kreative Besonderheit der Einzelnen, ihr originaler Beitrag zur
gesellschaftlichen Intelligenz, tatsächlich zur wichtigsten Produktivkraft
geworden.
Wenn die Abwicklung der Künstler-Existenz bewußt als Chance wahrgenommen
wird, eine neue Existenz gemeinschaftlich aufzubauen, in der es immer
weniger aufs Geld ankommt, dann hätte sie ihren bedrohlichen Charakter
verloren. Dann wäre sie tatsächlich zum Spiel geworden, das wir gerne
spielen. Vielleicht sind wir ja doch schon mittendrinnen.
Franz Nahrada f.nahrada at reflex.at
Tue Apr 25 08:05:52 CEST 2006 mond-discuss
Für mich erstaunlich ist nach wie vor weniger, wie viele gegen die
anwendung von direktem voting, sondern wie viele dafür sind, und –
abgesehen von den manifestierten eigeninteressen – und abgesehen von
steuernden planungen, die ich nicht für erfolgsträchtig halte, komme ich
auf den faktor selbstverwaltung, der im netznetz-kontext so herumspukt
und für einiges an verflechtungen sorgt, die näherer untersuchung
anbieten, in diesem sinne für die, die muse zum lesen haben ein artikel
aus der wirtschaft, der doch einige interessante parallelen zu netznetz
beschreibt, und infolge die aktuelle eicp-aussendung; damit klinke ich
mich nachdenkend eine zeitlang aus der diskussion aus, ich hoffe zu
grosse eklatanzen verführen mich nicht zu schnell wieder zu unkenrufen,
die ohnehin gegen windmühlen anzulaufen scheinen; denke es sind jetzt
mal andere dran; lgskm
Aus: Harvard Business manager, Harvard Business Review – erweitere
deutsche Ausgabe, Hamburg, Heft Mai 2006, S. 104-109.
Alle Macht der Avantgarde
ESSAY: Um Innovationen in ihrem Unternehmen anzustoßen, müssen
Führungskräfte ausgetretene Pfade verlassen. Doch welchen Weg sollen sie
einschlagen? Lassen Sie sich von den Avantgarden in Kunst und Literatur
inspirieren.
Von Karl Ulrich
[Karl Ulrich ist promovierter Ökonom und Partner bei Roland Berger
Strategy Consultants. Er berät insbesondere Medien- und
Kommunikationsunternehmen sowie Verleger bei der Entwicklung neuer
Produkte, Formate, Geschäfte.]
Die Klage über die Schärfe des Wettbewerbs sei in Wirklichkeit nur eine
Klage über den
wie ´radikal neu´ sind heute sogenannte netzkulturen ueberhaupt noch? die
in aussicht gestellte subvention als innovation zu verkaufen kommt zirka 15
jahre zu spaet, habe ich letzthin gepostet. laengst laufen
konsolidierungs-prozesse in richtung mainstream. netznet ist also
gefordert, alle aufmerksamkeit auf ´distinktion´ zu setzen - so wie das auf
allen maerkten verlangt wird.
…
vieles an dem netznet-pr-gebrabbel war einfach laecherlich - und
kontraproduktiv, weil nur ´dem auftrag des subventionsgebers nachgebetet´.
stattdessen gelte es jene vorzuege hervor zu heben, die einer orientierung
im hinblick auf community-bildung foerderlich ist. die gibt es - muessen
aber als solche erkannt und diskursiv gemacht werden.
…
die ´anrufung von fachleuten´ in entscheidungsfragen ist ein
schwerwiegender rueckschritt. wer immer sich oder etwas als ´vernuenftig´
postuliert, wird ´gnadenlos´ dekonstruiert - weil unglaubwuerdig.
…
an dieser stelle an jene, die “rueden ton” und “unfreundlichkeit” beklagen:
sollen derartige soziale zusammenhaenge den anspruch auf laborcharakter
erheben, dann geht es dabei eben nicht um ´schoengeistige teekraenzchen´
oder neohippieneske “semi-g’stettiges-picknick-plauder-festlN”. der
ausdruck “netzkultivierend” ist in diesem kontext schlichtweg hirn-rissiges
bildungsbuergerliches vokabular; auch wenn es moeglicherweise als koeder
fuer willige - aber bloede - politiker/innen im
subventionsvergabebereich etwas taugt.
>
Abstrakter technischer Fachjargon dient de facto als Bollwerk: Strukturen ,
Prozesse und System bilden den Grundwortschatz all das sind Ausdrucksformen
eines intellektuellen Sicherheitsdenkens, das Innovation und Kreativität
unendlich behindert.
>
in dem falle muss ich dem Karl Ulrich heftig widersprechen. moeglicherweise
hat er von der unterscheidung in ´kybernetik erster- und zweiter ordnung´
nix mitbekommen. in komplex-dynamischen systemen ist alles untrennbar mit
´temporalisierter komplexitaet´ verbunden, wo alles im auftauchen schon
wieder zerfaellt, und kontingenz da als eigenwert verstanden werden muss.
im zuge dessen gibt es heute - gluecklicherweise - keine verbindliche
repraesentation der gesellschaft in der gesellschaft mehr. auch der wunsch
nach ´nachhaltigkeit´ ist da nur grotesk. laengst gilt, dass die ´heutigen´
schon morgen von gestern sein werden: meine gratulation an die gewinner -
ich goenne es euch! (wie heisst´s: von herzen)
>
Wer nach den Regeln der Avantgarde gestaltet, muss sich bewusst sein, dass
er lediglich Impulse setzen kann, die im besten Fall eine Eigendynamik
entfalten. Das verlangt Unternehmern, die bislang glaubten, Projekterfolge
durch Planung programmieren zu können, eine gehörige Portion Demut und
Geduld ab.
>
und ernuechterung. habe ich hier so manchem techie nicht gesagt, er solle
gefaelligst zwischen einem technischen und sozialen system unterscheiden -
von wegen ´projektplanung´. mittels ersterem laesst sich viel simulieren
und prognostizieren - waehrend etwas ganz anderes evoluiert (!). ´die
politik´ leidet derzeit am meisten darunter - weil einfach nicht in der
lage, der schnellen folge der gesellschaftlichen komplexitaetsschuebe
gerecht werden zu koennen. und steht zudem permanent ´unter beobachtung
zweiter ordnung´ - politiker/innen sind echt arme schweine. das
funktionssystem politik besitzt aber ´fuer alle´ relevanz und so ist das
unterm strich schon beunruhigend.
FER f.e.r at sil.at
Sam Apr 29 22:35:12 CEST 2006
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ganz wunderbar - tnx Sascha. in dem essay von Karl Ulrich
>Alle Macht der Avantgarde
(Aus: Harvard Business manager, Harvard Business Review erweitere deutsche
Ausgabe, Hamburg, Heft Mai 2006, S. 104-109.)
FER f.e.r at sil.at
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ganz wunderbar - tnx Sascha. in dem essay von Karl Ulrich
>Alle Macht der Avantgarde
(Aus: Harvard Business manager, Harvard Business Review erweitere deutsche
Ausgabe, Hamburg, Heft Mai 2006, S. 104-109.)
FER f.e.r at sil.at
Sam Apr 29 22:35:12 CEST 2006
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ganz wunderbar - tnx Sascha. in dem essay von Karl Ulrich
>Alle Macht der Avantgarde
(Aus: Harvard Business manager, Harvard Business Review erweitere deutsche
Ausgabe, Hamburg, Heft Mai 2006, S. 104-109.)
FER f.e.r at sil.at
Sam Apr 29 22:35:12 CEST 2006 in Replik an den von kanonmedia geposteten Artikel von Ulrich
„wenn armin medosch weiter schreibt: “Das [wenig desaströse ergebnis; anm.
von mir] ist aber letztlich nicht auf die “Intelligenz” des Spielmechanismus
zurueckzufuehren sondern auf die Intelligenz der Teilnehmerinnen”, kann ich
ihm insofern zustimmen, dass ein system, das selbst intelligent ist (bzw.
vorgibt zu sein), die intelligenz der teilnehmerinnen klarerweise
verhindert.
intelligente systeme sind im besten fall ein betrug, und im schlimmsten
fall ein terroranschlag gegen die freiheit des geistes.
das system selbst muss logischerweise wertneutral gehalten sein, um die
intelligenz der teilnehmerinnen erst zu ermöglichen.“
Ein, nein DAS wertneutral gehaltene System, das den Teilnehmern ermöglicht
ihre Intelligenz auszuspielen ist –tätarätätäää, ein Tusch- DER MARKT.
Du bist also offenbar ein hemmungslos Marktgläubiger quasi ein Neoliberaler
par excellance. Dann geh mal in Deckung, solche Leute kriegen üblicherweise
in der antineoliberalen, basisdemokratisch-feministisch und was weiss ich
noch politisch korrekten Künstlerszene schneller eine auf den Deckel als ich
„Marktversagen“ aussprechen kann. Ich kann nicht umher aufzurufen: ALLE
aufrechten Marktkritiker und Globalisierungsgegner, Christoph Theiler ist
euer Feind – der ist so was von pro Markt und das sogar in einem Umfeld von
dem jeder Ökonom sagen muss (auch die aus Chikago…): klarer Fall von
Marktversagen. Bitte entsprechende Schritte zu setzen, ATTAC zu informieren
und eine Demo mit Widerstandslesung etc. vorbereiten ;-). Spaß beiseite, die
Ursache des ganzen Problems (warum letztendlich die Szene überhaupt auf
Förderungen der öffentlichen Hand angewiesen ist) ist Marktversagen. Das du,
Christoph, eine Situation des Marktversagens durch Einführung eines Marktes
(Tauschmöglichkeit für Punkte) bekämpfen willst ist paradox (wie war das
noch mal mit Paradoxien entparadoxieren?)
Wolfgang Höchtl wolfgang.hoechtl at uibk.ac.at
Don Mai 4 15:19:26 CEST 2006
über das totschlagargument des neoliberalismus haben wir vor nicht
allzulanger zeit debattiert, da brauche ich hier nicht länger darauf
einzugehen.
deinen vergleich mit somalia, irak etc. verzeihe ich dir by the way,
auch deshalb, weil er sich selbst ad absurdum führt.
schön, dass du dein vorhaben ein lenkungstool (warum die
anführungszeichen?) zu kreieren in angriff nimmst, und ich wünsche dir
dabei viel spass.
leider wirst du (mit vielleicht ein paar wenigen sein) der einzige sein,
der dabei freude hat.
dir scheint nämlich immer noch nicht klar zu sein , dass es
1. einen unterschied zwischen somalia und österreich gib, und der ist
nicht nur irgendwie wischi-waschi-graduell.
2. ein unterschied existiert zwischen dem vorhaben den strassenverkehr
zu regeln (verkehrsaufkommen zu kanalisieren etc.) und dem, was die
bedürfnisse frei handelnder politisch denkender menschen sind.
auch dieser unterschied ist nicht wischi-waschi-graduell sondern wesentlich
3. ein wesentlicher unterschied sogar (!) zwischen äpfel und birnen
besteht und dieser unterschied auch nicht durch die erzeugung von
obstler, mostprodukten u.ä. wegdiskudiert weden kann.
also nimm von solchen vergleichen abstand, sie entsprechen nicht den
kriterien eines wissenschaftlichen diskurses.
und wenn du schreibst: “Ich halte zB die Existenz des Staates und seiner
Institutionen für eine sehr schlaues System die Wohlfahrt zu erhöhen”,
so vergisst du zu erwähnen, dass die existenz des gleichen staates (ich
vermute, wir beide meinen den selben nämlich österreich) genauso dazu
benutzt werden kann, die wohlfahrt zu erniedrigen.
(politischer zusatz: was auf bundesebene in bestimmten bereichen ja
durchgeführt wird).
wohlfahrtserhöhung hängt im politischen feld allein von der intelligenz
der handelnden (gewählten) personen ab und eben nicht vom demokratischen
wahlsystem per se.
wenn du den staat als grosses vorbild hernimmst, dann ist es sinnvoll
vor entwicklung eies systems genau durchzurechnen (unter strengen
ökonomischen gesichtspunkten), wieviel institutionen sich netznetz (bei
einem gesamtfördervolumen von 500.000,– euro) leisten kann, ohne einen
wesentlichen teil des geldes darauf zu verschwenden, diese institutionen
zu schaffen und zu erhalten.
und daran anschliessend die frage knüpfen, wieviel politische
bevormundung du den künstlerinnen mit dem lenkungstool zumuten möchtest,
und dann mögest du gerne hemmungslos drauflosentwickeln. ![]()
wie du mir ja in der sektlaune des vergangenen freitags sagtest, sei für
dich netznetz ein wunderbares feld, auf dem man sehr leicht zu daten
kommen könne, was wohl auch der grund sei hier aktiv mitzuwirken.
und das ist der wesentliche unterschied zwischen dir und mir, den wir ja
schon bei unserer privatkorrespondenz herausgearbeitet haben.
dein primäres anliegen ist netznetz als ökonomisches experimentierfeld
zur datengewinnung.
ich sehe in netznetz primär eine sich selbstschaffende und -erhaltende
sturuktur, die fähig ist politische visionen zu entwickeln und umzusetzen.
wechselstrom christoph at wechsel-strom.net
Don Mai 4 18:11:09 CEST 2006
Den Neoliberalismus (Totschlagarument, ganz recht) werfe ich nicht dir vor. Mich
wundert nur, dass ein System wie das CG, das es zulässt, dass gut organisierte
Gruppen weniger gut organisierte Gruppen ausbeuten (das, denke ich, meinen
viele der Anti-Neoliberalen wenn sie denselbigen ismus kritisieren), nicht aus
dieser Richtung kritisiert wird. Das versteh ich einfach nicht. Ansonsten habe
ich mit Neoliberalismus (wenn darunter der Abbau von Handelschranken gemeint
ist) keine Problem und würde das deshalb auch nicht als Argument gegen
irgendwas verwenden.
Somalia - Österreich: mir ist nicht klar, warum dir nicht klar ist, das mir sehr
wohl klar ist, dass da mehr als ein wischi-waschi gradueller Unterschied
besteht. Genau deshalb habe ich das Beispiel angeführt.
…
Stimmt. Ich sehe nämlich keinen Widerspruch zwischen Auto zu fahren und ein frei
handelnder, mit Bedürfnissen behafteter, politisch denkender Mensch zu sein.
Autofahren kann eine Aktivität von ebensolchen Menschen sein und es verursacht
negative externe Effekte und muss deshalb zum Wohle der Allgemeinheit
reglementiert werden. Das zipft zwar die Autofahrer an, aber die verlieren
durch die adäquate Besteuerung weniger als der Rest der Gesellschaft gewinnt
(Wohlfahrtserhöhung). Ein ganz ähnliches Problem besteht bei euch mit der
Fördermittelvergabe - es sind Netz-Kunstprojekte (sind per Definition fast
reine öffentliche Güter) aus Steuermitteln zu finanzieren und es gibt keinen
Markt der das Regeleln kann, also braucht’s, erraten ein Lenkungstool denn
sonst kann (zumindest in meiner Ökonomenwelt) nix optimales dabei herauskommen.
Äpfel und Birnen: beides Obst. Da besteht wahrscheilnlich der Unterschied
zwischen uns. Die Community hat ein ÖKONOMISCHES Problem (Allokation von
knappen Mitteln auf sich gegenseitig ausschließende Zwecke) und daher überlege
ich mir wie es ökonomisch zu lösen sei. Und dabei möchte ich den Künstlern so
wenig wie möglich Bevormundung zumuten. Wenn das meine Lösungsvariante wäre
würde ich sagen: “zurück zur MA7 mit der Kompetenz, das soll ein
weisungsebundener Beamter im Auftrag der gewählten Repräsentanten der
Steuerzahler machen”.
…
Sehe keinen Widerspruch zwischen beiden. In meiner Welt existieren
Lenkungstools, Mechanismen, die laut theoretischer Prognose in der Lage sind
einen effizienten Ausgang solcher Probleme zu erreichen. Rationale Spieler,
sollten, wenn sie wählen, welche Spielregeln sie sich geben nie welche
adaptieren, die dieses Ziel nicht erreichen. Im Prinzip gehts darum: die
Mitgleider der Gesellschaft stehen vor der Wahl ein Gefangenendilemma zu
spielen (bei dem sie wissen, dass sie sich gegenseitig anscheißen werden - sie
sind ja rational) oder zuvor ein set von regeln zu beschleissen (einen Staat zu
gründen, dem sie sich unterwerfen) um es gar nicht zur Dilemmasituation zu
kommen lassen. Ich meine sie sollten zweiteres tun. Gerade von einer “sich
selbstschaffenden und -erhaltenden struktur, die fähig ist politische
visionen zu entwickeln und umzusetzen” würde ich erwarten, dass sie sich “gute”
Regeln gibt, obwohl die Leute eigentlich schlecht sind.
@ Kosten von Institutionen: hast völlig recht, die implementierung und erhaltung
einer Institution sollte den hervorgebrachten Benefit nicht überschreiten. so
what? ob mana insgesamt recht billig war (man denke alleine an die Zeit die in
dem ganzen trara aufzubringen war) - weiss nicht. Ökonomisch betrachtet gibt es
das Phänomen der “rent dissipation” bei rent seeking contests (lies mal nach
unter “all-pay auction”, genau sowas hat die community nämlich gerade hinter
oder auch wieder vor sich…) ist die Summe der Kosten die von allen
Beteiligten in einem Machtkampf aufgewendet größer als der zu gewinnende Preis.
@ Staat: ja der staat (und es muss kein demokratischer sein) kann durchaus
scheiße bauen. aber ohne Staat und seine Institutionen bräuchte man keine
Scheiße bauen, dann sitzt man nämlich drinnen - mangels Kanal (ein Kanal ist ja
auch ein öffentliches Gut, schon wieder Marktversagen). Ich meinte damit
klarerweise den NETTOeffekt (also Kosten für die Erhaltung und Schaffung der
Institutionen versus Nutzen durch gestiegene Wohlfahrt). Und außerdem bezog
sich diese Beispiel nicht auf das wirken der gegenwärtigen ö-bundesregierung,
sondern ganz monumental und fundamental auf die Frage, ob es einen Staat geben
sollte oder nicht. Antwort: ja, Welchen: nicht so klar…
> wohlfahrtserhöhung hängt im politischen feld allein von der intelligenz
> der handelnden (gewählten) personen ab und eben nicht vom demokratischen
> wahlsystem per se.
Klares nein. Die Art und Weise wie kollektive Entscheidungen getroffen werden
determiniert das Ergebnis massgeblich. Regeln zu haben ist besser als keine zu
haben (nur dort wo man welche braucht klarerweise) aber welche Regeln genau ist
schon etwas diffiziler. Von der Intelligenz der handelnden Personen hängt ab,
welche Regeln man sich gibt und die determinieren wiederum das Ergebnis.
Und ich war letzten Freitag gar nicht in Sektlaune und ich sehe netznetz auch
nicht als experimentierfeld. Ich sehe nur, dass es ein Problem gibt, für das
ich denke eine Lösung zu haben, die ich der community gerne unterbreiten
möchte. Das dabei Daten herausspringen ist für mich durchaus eine wichtige
Sache aber nicht notwendig für meine Motivation. Ich möchte mich einbringen,
weil ich glaube, dass die Ökonomie und ihre Erkenntnisse hilfreich sind. Mein
privater Nutzen deckt sich denkeich fast vollständig mit dem sozialen. Und
wenn’s nicht so ist, wird mich das die community sicherlich wissen lassen,
oder?
Wolfgang Hoechtl Wolfgang.Hoechtl at uibk.ac.at
Don Mai 4 23:01:31 CEST 2006
der unterschied zwischen einem autofahrer und einem frei handelnden
politisch denkenden menschen erschliesst sich schon aus der tatsache,
dass eine einschränkung des autoverkehrs eine zumutbare massnahme ist
(wie etwa auch die einschränkung des rauchbedürfnisses in öffentlichen
gebäuden), die einschränkung der _politischen _handlungsfähigkeit einen
eingriff in grundrechte bedeutet. zwar kann amn behaupten, dass der
autofahrer insofern politisch einfluss nimmt, indem er auto fährt und
damit die politik zum handeln bewegt, das wäre aber eine zu
philisterhafte auslegung des begriffs “politisches handeln”.
…
ich finde, dass alle lösungsansätze, die innerhalb einer demokratischen
wahl den minderheitenschutz verwirklichen, uns einen grossen schritt
vorwärts bringen werden.
vielleicht denkt der eine oder andere an eine schutzklausel für
minderheiten — das wird aber extrem schwierig (achtung: wir befinden
uns im kunst- und kulturbereich und nicht in bei volksgruppen; wieder
ein sehr wesentlicher unterschied) , denn allein die frage, wann sich
eine minderheit konstituiert hat, wird ein weiteres jahr diskussionszeit
beanspruchen. (wir sollten deshalb die anstrengung nicht scheuen, selbst
unter der annahme dass das nicht ganz billig wird).
und wenn wir all diese fragen gelöst haben, stehen wir nicht mehr vor
dem sogenannten bandbus-problem, sondern vor dem
“anwachsen-der-minderheitengruppen-problem”, denn jede
minderheiten-schutzklausel verschafft logischerweise der minderheit
einen vorteils-status, der wiederum attraktiv wirkt, sich als
minderheit zu deklarieren
wechselstrom christoph at wechsel-strom.net
Fre Mai 5 00:12:38 CEST 2006
Zum Marktversagen:
Es ist sehr offensichtlich, dass die Ergebnisse von Netzkunstschaffen beide
Kriterien eines öffentlichen Gutes zu einem gewissen Grad erfüllen:
nicht-Rivalität des Konsums und nicht-Auschließbarkeit von Konsumenten. Damit
ist so gut wie sichergestellt, dass Netzkunst nicht von gewinnorientierten
Institutionen finanziert werden wird. Bleibt noch die private Bereitstellung
(warm glow theorie etc..), die vermute ich passiert (durch Mäzene oder durch
anderweitig abgesicherte Künstler) aber wahrscheinlich nur zu einem kleinen
Teil.
Bleibt der Staat. Aus einer ökonomischen Sichtweise ist genau das die
Existenzursache des Staates - die Bereitstellung von öffentlichen Gütern und
internalisierung von externen Effekten. Also die Güter anzubieten, die der
Markt nicht anbieten kann, die aber aus Wohlfahrtsüberlegungen heraus dennoch
angeboten werden sollten (weil die Leute eine Präferenz dafür haben). Sieht man
von Imperfektheiten des politischen Prozesses ab (special interest groups,
principal agent probleme etc…) hat quasi die Gesellschaft gesagt: Netzkultur
ist uns was wert, lasst uns einen Teil unserer Steuerzahlungen dafür ausgeben,
denn wenn wir das nicht tun werden wir keine (oder zu wenig) Netzkultur
bekommen. Vom Wesen her verhält es sich so wie auch mit Grundlagenforschung,
Straßen, dem Rechtssystem, der Armee, Schulen etc… Alles (mehr oder weniger,
je nach eigener Präferenz) wichtige Dinge, die vom Staat finanziert werden,
weil es keine gute Marktlösung dafür gibt. Würde es einen Markt für Netzkultur
geben, könnten die Künstler ihre Kosten über die private Nachfrage finanzieren,
es gäbe Finanzinstitutionen, die Kredite bereitstellen würden usw. Das ist per
se nichts schlechtes, kann aber wenn die Struktur des Marktes gewisse
Eigenschaften hat zu üblen Folgen führen.
Wolfgang Hoechtl Wolfgang.Hoechtl at uibk.ac.at
Son Mai 21 12:55:02 CEST 2006
wir schnallen prinzipiell immer, besonders bei gruppendynamischen
prozessen und besonders bei fragen der ökonomie versus kunst – aber wir
denken und bewerten vorkommnisse mit unserem egalitären existenzrecht
eben anders und haben nach wie vor überhaupt nicht die absicht, das
ganze modell zugunsten von akademisch vielleicht für manche
interessanten teilaspekten aus den augen zu verlieren.
— es geht bei netztnetz und mana[?] um eine form der
selbstverwaltung von fördergeldern, deren widmung die noch immer
undefinierte netzkunst/-kultur ist. abgezweigt wurde dieses budget aus
dem subventionstopf für neue medien. ich gehe davon aus, dass wir in
letzter konsequenz unfreiwillig unsere so genannte
selbstorganisation/-verwaltung genau auch aus diesem budget noch selbst
finanzieren dürften! [wen?] mit dem nebeneffekt der arbeitsentlastung
einer bereits von der öffentlichkeit bezahlten beamtengruppe – oder
gibts aus deren besoldungsbudget verwaltungszuschuß für uns?
— netznetz und mana sind zwar als label werbewirksam im internet
an verschiedenen punkten gut platziert, aber statt konkreter information
findet man dort nur unausgegorene spieltheorien und bis heute kann
niemand verifizieren, wer diese »community« eigentlich wirklich ist,
denn auch diesbezüglich ist auf diesen sites nur verbalisierte heisse
luft.
— diese webauftritte spiegeln den zustand des gesamten
unterfangens wider – unausgegorenheit, unvollständigkeit. sie nähern
sich bezüglich aufbau, information, gestaltung und verwendbarkeit
ebenfalls dem absoluten nullpunkt. nur das runde logo fällt fast ungut
positiv auf. von einer sich als crème de la crème der netzkunst
selbstdefinierten ?? erwarten wir da in punkto information und
informationsdesign elitärere ergebnisse.
— ist das ganze vielleicht zu kompliziert oder aber ist das ganze
nur teil einer höheren strategie einiger, die vorgänge und
machtstrukturen so undurchschaubar und verdeckt wie’s geht zu lassen und
die kacke möglichst lang am dampfen zu halten, um zwischenzeitlich in
ruhe hintenherum an persönlichen karrieren zu basteln. denn 26. treffen
und kein brauchbares förderergebniss, das gibt es nur noch in
lobbyistisch-politischen entscheidungsprozessen.
— oder dienen diese vielen treffen nur dem bis zum erbrechen
widerlichen selbstdarstellungs- und profilierungsdrang einiger
selbsternannter alphamännchen, deren frechheit [siehe die bekannten
absichtlich ins positive verzerrten darstellungen von ereignissen
gegenüber medienvertretern und politik] nur noch von der perversität
ihrer mediengeilheit übertroffen wird.
— also persönliche interessen am system wohin das auge auch
blickt!
und nun zu deinem persönlichen strategischen interesse an der
organisation der mittelvergabe mit endzweck der optimierung deiner
universitätskarriere [genau das haben wir verstanden und eben
kritisiert].
dieses interesse, wäre es modellumgedreht unser interesse an deinem
institut, würdest du uns auch nicht zugestehen und nicht einmal beim
versuch, kunstuniversitäre gestaltung in eure 0815 webseiten bringen,
wärest du liberal.
so gestehen wir dir ebenfalls nicht zu – die anderen mögen es ja anders
halten – dass du dich in die belange der kunst- und kulturförderung so
massiv einbringst und ein durch und durch korruptionsanfälliges,
schwachsinniges teilsystem favorisierst und ohne jede umfassende
kenntnis der dynamik des gesamten kunst- und kulturbetriebs aus der
sicht der förderwerber künstlich am leben hältst.
wissen um ökonomie und sport zählen hier wahrlich nicht als
königsdisziplinen der qualifikation.
aber ein modell aus deiner welt könnte schon zum verständnis beitragen:
wir als künstler haben in der auf diese art zusammengesetzten
»zwangs-community« dieselbe position wie ein ruderer in einem boot beim
5.000 m lauf – während zwischenzeitlich im clubhaus auf kosten dieses
ruderers 10 funktionäre mit optimiererqualität in gesellschaft ihrer
kumpane beisammen sitzen, das buffet leerfressen, sich am ende noch über
dessen ruderstil beklagen und sich schulterklopfend aufs stockerl
stellen.
und weil der einzelne eben seine ganze energie ins rudern legt und weil
auch nur ein paar ruderer gute optimierer sind [proportional zur
gesamten gesellschaft – auch dort sind die verlierer in der überzahl]
wird die mehrheit der ruderer zu den verlierern zählen.
es gibt trotzdem einen unterschied, denn in der kunst kann man nichts
messen und auch jede quote spielt hier in qualitätsfragen keine rolle.
also sind auch statistische kenntnisse und methoden in diesem
zusammenhang entbehrlich.
— aber der künstler hat, zumindest theoretisch und auch faktisch
ein recht auf gelegentliche[!] förderung, allein dadurch, dass er eben
kunst macht. zusätzliche soziale sondertalente in anbiederung und
packelei dürfen in dieser zwangsgemeinschaft eben keine
fördervoraussetzung werden. wir werden uns nicht freiwillig einem modell
– das schon zweimal versagt hat – neuerlich als versuchskaninchen zur
verfügung stellen, nur weil ein paar betreiber davon nicht lassen
wollen, um damit ihre biografie zu zieren.
— wir müssen auch nicht zwanghaft progressiv in verwaltungsfragen
werden. fürs progressive haben wir ebenfalls die kunst. es reicht uns
schon, dass wir im gegensatz zu den angestellten berufgruppen unser
leben als »selbstständige unternehmer« in eigenverantwortlicher
ausbeutung unserer arbeitskraft mit allen wirtschaftlichen risiken in
bezug auf produktion und produktionsmittel selbst managen. das nennt man
dann im gegensatz zur theorethischen wohl praktische ökonomie.
— auch müssen wir, nur weil in den bereits total vertrottelten
massenmedien permanent gespielt, getrickst, betrogen und am schluß noch
mit der quote argumentiert wird, diese methoden nicht unbedingt kopieren
– wir haben wirklich besseres verdient als eine veranstaltung mit bloßem
eventcharakter.
— korrektheit, durchschaubarkeit und gerechtigkeit müssen drei der
wesentlichen punkte bei fördervergaben sein.
nachsatz:
es ist kein zufall, dass experimente dieser art ausgerechnet im bereich
der kunst stattfinden; in jedem anderen umfeld würden euch die
betroffenen, untereinander solidarisch, wortlos den vogel zeigen, stells
dir einfach beim vergabeprozess der forschungsgelder vor. künstler
dagegen sind prinzipiell höchstens pro forma organisiert, finden sich
leider nicht einmal zum raumsprung im würfelraumer solidarisch zusammen
und neigen dazu, sich aus hunger gegenseitig aufzufressen. daher auch
der durchaus sympathische, kollektive finanzielle misserfolg bei der
momentan praktizierten art der fördervergabe. genau aus unserem wissen
um die individualität der künstlerpersönlichkeit resultiert schon ein
teil unserer ablehnung gegen jede art von kollektivem spiel, abgesehen
von der zeitverschwendung.
minderheiten würden bei dieser kranken form kollektiver zwangsprozesse
immer benachteiligt bleiben und wenn es nicht eine einstimmige
zustimmung aller betroffenen zu einem solchen system gibt, darf es
einfach nicht praktiziert werden.
fazit:
wenn du dich also schon für ein bestimmtes mikroökonomisches system so
wahnsinnig stark machst, dann bitte als vorleistung in deiner freizeit
ärmel aufkrempeln, entweder zum üben in einen bereich wechseln, in dem
du dich auskennst, oder szene analysieren, problem definieren und
bescheidene, unspektakuläre aber brauchbare modelle ausarbeiten und
aufklären, wer dafür zuständig sein soll – alle oder einige – und wie.
da sich die machtverhältnisser zur zeit als undurchschaubar
präsentieren, ist als erstes bitte eine komplette internetdarstellung
des status quo gefragt. mit einer schonungslosen offenlegung des ganzen
apparats, den absichten, politischen verflechtungen und verpflichtungen
der front- und hintermänner.
aber wir sagen dir gleich, als simple bauernopfer lassen wir uns in
diesem prozeß nicht behandeln.
TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Fre Jun 2 12:50:39 CEST 2006 in Antwort an Wolfgang Höchtl
Gratuliere, abgesehen von einigen wenigen Details, denen ich inhaltlich
zustimme, ist das der mit Abstand absurdeste und blödeste Beitrag, den ich hier
bisher lesen durfte. Viel geschrieben, wenig verstanden.
…
Bitte was? Bitte erkläre mir welches System ich favorisiere und am Leben
erhalte. Am Leben erhalten impliziert, dass es eines sein muss, das bereits “am
Leben ist” also schon implementiert wurde. Da bleibt dann nur das Theilersche
Community Game über (oder dessen Variante, die im April abgewickelt wurde).
Wenn irgendetwas von mir in der Szene bekannt sein sollte, dann wohl dass ich
dieses System NICHT gut finde. Aber das habt ihr wohl nicht geschnallt.
Ach ja und, ob ich es euch zugestehen würde, dass ihr meine website auf
kunstuniversitären Stand bringt werdet ihr erst wissen, wenn ihr mich gefragt
habt. Aber Achtung, da könnte Arbeit auf euch zukommen…
Grüße an die schon seit 1980 umgedrehten xyz. Finde das beeindruckend, solch
eine Tradition, auf die muss wahrlich hingewiesen werden. Und keine Angst,
solltet ihr mal eure Namen preisgeben (wegen der persönlichen Verbundenheit
wär’s) ich schicke euch schon nicht die bulligen Typen von der
Weltbanktaskforce ins minderheitenfreundliche, antineoliberale Haus wie man’s
von einem Ökonomensack wie mir erwaten könnte.
So long,
Wolfgang
PS: Ruderer sind burgeoise Rückwährtsfahrer - ich war/bin ein Verfechter des
Kanusportes, historisch gesehen der Wassersport der Arbeiterklasse. Nur zur
Information
Wolfgang Hoechtl Wolfgang.Hoechtl at uibk.ac.at
Fre Jun 2 13:47:36 CEST 2006 in Atnwort an transmitter-x
die eine oder andere variante eines verfahrens, das grundsätzlich sehr
wohl und nach unserer einschätzung schon viel zu lange am leben ist,
‘nicht gut’ zu finden, ins komitee zu drängen und
modifikationsleistungen anzubieten, heisst, diese art von verfahren
gegenüber grundlegend ganz anderen zu favorisieren und am leben erhalten
zu wollen. was gibts da nicht zu verstehen?
als alternative erklärung bliebe nur der olympische gedanke um jeden
preis.
TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Fre Jun 2 17:32:43 CEST 2006 in Antwort an Wolfgang Höchtl
wh’s erste antwort auf pilsl, den wir übrigens auch nicht kennen, hat
sich uns ursprünglich durch die diskussionsMETHODE als haken angeboten,
an dem wir unsere kritik an der METHODE auch anderer in dieser liste im
umgang mit kritischen stimmen aufgehängt haben. nicht weniger und auch
nicht mehr, keine inhaltliche kritik, ist alles nachzulesen. diese
kritik ist noch immer aufrecht.
das argument, das du ansprichst, ist primär nur die antwort auf seine
feststellung, er favorisiere kein system, die wir mit dem zitat aus
seinem mail >> … dass ich mich zur (ökonomisch-spieltheoretischen)
„Begleitung“ … des Vergabeprozesses zur Verfügung stelle …
Per Definition ist jedes Vergabesystem außer einer Lotterie oder einer
1-Personen Jury ein Gebiet, auf das sich Spieltheorie anwenden lässt. Insofern
sind denke ich alle hier Verfechter eines Systems auf “spieltheoretischer
Basis”.
Bitte, bitte Spieltheorie ist nichts weiter als eine Methode “strategische
Interaktionen rationaler Beteiligter” zu analysieren. Und deshalb hilft sie
auch bei der Gestaltung von Regeln für solche. Ihr messt dem Attribut
spieltheoretisch, das in dieser community leider viel zu oft unpassend benutzt
wurde eine falsche Bedeutung zu.
…
Wo zum Teufel steht, dass ich meine Mitarbeit nur im PK anbiete!!!! Ich finde es
sinnvoll, dass jemand wie ich im PK ist, aber ich habe NIE für irgendwas eine
Bedingung gestellt. Und meine Diskussionsbeiträge habe ich auch geleistet bevor
ich ins PK ging. Ich habe auch mit Interessierten einen “Theorienachmittag”
durchgeführt - bevor ich im PK war. Wir werden uns morgen wieder treffen um
über akademische Details zu diskutieren und das hat nix damit zu tun, ob ich im
PK bin oder nicht herrschaftszeiten. Morgen, Depot 14:00, Eintritt frei.
,,,
Um faktisch die Macht auszuüben die ein Agendasetzer hat (und die ist in so
schlecht definierten und gelebten Strukturen wie hier eine beträchtliche) ist
es eine NOTWENDIGE Bedingung im PK zu sein. Aber im PK zu sein ist keine
HINREICHENDE Bedingung Einflussmöglichkeit zu haben.
…
notwendige und hinreichende Bedingungen sind 2 ziemlich verschiedene
Paar Schuhe. Meine Einflussmöglichkeiten sind durch die anderen PK Mitglieder
(ja, die echten checker), meine Unkenntnis der Szene mit folglich fehlender
Hausmacht und durch meine (in meinem eigenem Interesse sinnvolle)
Selbst-Beschränkung auf inhaltlich sachliche Arbeit begrenzt. Und obwohl ich
diese Grenzen noch nicht ausgelotet habe (und auch nicht tun werde) vermute
ich, dass sie recht eng sind.
Wolfgang Hoechtl Wolfgang.Hoechtl at uibk.ac.at
Sam Jun 3 14:32:13 CEST 2006
>> Per Definition ist jedes Vergabesystem außer einer Lotterie oder
einer
>> 1-Personen Jury ein Gebiet, auf das sich Spieltheorie anwenden lässt.
>> >> Insofern
>> sind denke ich alle hier Verfechter eines Systems auf
“spieltheoretischer
>> Basis”.
Das denke ich überhaupt nicht und ich bin sicher kein Verfechter eines
Systems auf spieltheoretischer Basis.
>> Bitte, bitte Spieltheorie ist nichts weiter als eine Methode
“strategische
Interaktionen rationaler Beteiligter” zu analysieren.
Aber eine Analyse ist etwas anderes als die Vergabe öffentlicher
Fördermittel.
>> Public Relations ist für mich als an einer Uni Beschäftigtem sowas
von
unwichtig. PR zählt vielleicht in der Kunst Szene, die PR, die ich durch
meine
Involvierung bei netznetz gewinnen könnte ist schlichtweg irrelevant.
Allerdings trägt die (ungefragte und einseitige) PR-Aktivität deutlich
dazu bei, ein voting system zur Vergabe von öffentlichen Fördermitteln
im Kunstbereich so quasi schon selbst verstanden, also so quasi
automatisch, also so quasi als selbstverständlich automatisch erfolgt zu
positionieren.
Insofern genügt es wohl nicht, diesem Faktor gleichgültig gegenüber zu
stehen.
Ebenso wenig, wie das Interesse an einer Analyse, die eben keine ist,
sondern ein Prozess zur Einrichtung eines Voting Systems, nicht
rechtfertigt, dass man mit der Teilnahme an diesem Prozess, vor allem so
wie er ununterbrochen läuft, nicht bekennen muss, dass man diesen
unterstützt.
Vgl. graf + zyx und vgl. Aaron: was will netznetz?
Alles darunter ist Rückzug auf operative Details, deren Entwicklung sich
eben einer Zielsetzung unterstellt.
kanonmedia office at kanonmedia.com
Sam Jun 3 15:59:54 CEST 2006 in Antwort an Wolfgang Höchtl
analyse kann m.e. in unserem fall nicht schaden und fuehrt per se ja
auch nicht zur einfuehrung irgendeines systems, sondern ermoeglicht erst
eine beurteilung, auf deren grundlage dann entscheidungen getroffen
werden koennen. eine analyse sollte natuerlich stets leidenschaftslos
und nie auf ein bestimmtes ergebnis hingerichtet durchgefuehrt werden.
um das sicherzustellen gibt es eine reihe formaler kriterien zu
beachten. die tatsache, dass wolfgang hoechtl in der kunstszene nicht
verwurzelt ist, erscheint mir in diesem zusammenhang durchaus positiv,
umso unvoreingenommener kann er an die sache herangehen.
die spieltheorie setzt sich mit der analyse menschlicher interaktion im
allgemeinen auseinander, keineswegs nur in oekonomischen
zusammenhaengen. auch soziologie, psychologie und eine lange lange reihe
weiterer wissenschaften, von denen viele durchaus eine gewisse
‘artverwandtschaft’ zu kuenstlerischen belangen aufweisen, greifen immer
oefter auf ihre methodiken zurueck.
dass wir es hier mit einer form menschlicher interaktion zu tun haben,
steht wohl ausser frage. daher finde ich die analyse (nicht nur kunst-
und kultur-) politischer entscheidungsprozesse mithilfe des
spieltheoretischen handwerks extrem interessant und wuenschenswert.
Herbert Gnauer hg at no-na.net
Sam Jun 3 16:57:09 CEST 2006
Was muss ich tun, um zu erreichen, dass hier verstanden wird, dass der
Spielcharakter eines Vergabesystems (mit Ausnahme einer Lotterie oder eines
Diktators) nichts ist, was man ablehnen oder befürworten kann. Egal, wie das
Fördersystem aussieht, wenn es eine Entscheidung auf Basis der Inputs mehrere
Individuen herbeiführt (und diese sich strategisch verhalten, was Menschen so
gut wie immer tun), dann ist man in der Welt der Spiele angelangt und da macht
es denke ich Sinn sich zu überlegen ob es in diesem Bereich gewisse
Regelmässigkeiten gibt bzw. was geht/was nicht…
Ein Vergleich: du kannst von der Physik, ihren Methoden etc. halten was du
willst, wenn du vom 10m Turm springst fällst du dennoch ins Wasser. Und wenn du
wissen möchtest warum du fällst und wie du den Fall zB verzögern kannst, dann
musst du dir was überlegen (anfangen Theorie und auch Empirie zu betreiben)
Der Begriff Spiel impliziert NICHT, dass das System irgendwelche ähnlichkeiten
zu Roulette, Poker, Monopoly, Schnapsen, Fussball oder so hat - mit Ausnahme
der ganz grundlegenden Eigenschaften, die alle Spiele gemein haben (Ergebnis
für einen Beteiligten hängt nicht nur davon ab, was er selbst tut, sondern auch
davon was die anderen tun)
Und nochmal: wenn ihr euch drauf einigt ein Jury System zu machen oder zu so
einem zurückzukehren, bitte.
Ich kann nicht sagen, ob ein dezentrales System besser oder schlechter ist. Klar
ist, dass ein dezentrales System vor und nachteile hat aber welche davon
überwiegen ist ganz stark von den Regeln abhängig und wenn man so was macht
gibt es Zugänge die (theoretisch) besser sind als andere - der Rest ist eine
Frage der Empirie.
…
> Alles darunter ist Rückzug auf operative Details, deren Entwicklung sich
> eben einer Zielsetzung unterstellt.
YEAH, operative Details. Meine Zielsetzung ist es die operativen Details eines
möglicherweise zu implementierenden dezentralen Verteilungssystems zu
durchleuchten.
Wolfgang Hoechtl Wolfgang.Hoechtl at uibk.ac.at
Sam Jun 3 16:58:55 CEST 2006 in Antwort an kanonmedia
Was will netznetz?
Ich persönlich bin nicht so naiv daran zu glauben, dass es hier jemals
um echte Selbstverwaltung gehen wird.
Ich denke, es geht um schon lange erprobte Kommunikationsstrategien bei
gleichzeitig unausformulierter und vager städtepolitischer Vision - und
eigentlich ginge es wohl darum, dort zu arbeiten, und nicht bei den
peanuts.
Es stellt sich mir leider nicht als besonders erfolgsträchtig dar, zu
glauben, eine Forcierung von Rahmenbedingungen, die aus PR-Strategien
von EU-Gremien stammen, die sich um einen Aussenauftritt einer EU Sorgen
machen, weil Wirtschaftsstandorte erhalten oder erwirtschaftet werden
sollen/müssen, dort anzusetzen, wo es vielleicht ein Mass an
technologischem Know How und an Kreativität und Ideenreichtum geben mag
- beides gibt es auch und auch gerade in grossen Institutionen oder
Firmen, hochanteiligerweise jedoch nicht bei KünstlerInnen, wo nämlich
nicht nur schlicht und einfach keine Ressourcen, sondern oftmals auch
nicht die inhaltlichen Ansprüche vorliegen, die gewährleisten würden,
dass solche PR-Strategien erfolgreich umgesetzt werden könnten.
Vgl. die hochbudgetierte und ganz schnell zensurierte Plakatkampagne, in
der dieser hervorragend fotografierte Bikinihöschen-Ausschnitt das
Signet der EU trug - man mag den Umgang mit dem weiblichen Körper in
dieser Form von sogar angewandter Kunst vertreten oder nicht - in jedem
Falle war dieses Plakat sicher ein Grenzgang zwischen experimenteller,
lokal-autonomer Kunst, Kulturpolitik und Werbung - und für die
AuftraggeberInnen sehr schnell wertlos.
Einfacher gesagt: Angewandte Kunst und Design sind etwas anderes als
bildende Kunst und experimentelle Forschung.
Zu glauben, dass man Forschung und Kunst für PR-Werte
instrumentalisieren kann, war immer schon ein Irrtum, hat noch nie
funktioniert, hat aber in einigen Zeiten Intellektuelle und
Wissenschafter ruiniert und vertrieben.
Insofern bin ich nach wie vor eine Verfechterin davon, weiter über die
Rolle der/des KünstlerIn wie auch der Forscherin und des Forschers
nachzudenken und über wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die ein
experimentelles Schaffen in möglichster Nicht-Beeinflussung durch
wirtschaftspolitische Interessen ermöglicht. Solche Zeiten gab’s in
diesem Lande schon mal.
Wer also recht einfache, offensichtlich vorab PR- und
wirtschaftsorientierte kulturpolitische Entwicklungen - vor allem als
KünstlerIn - auf Basis der aktuell gepflogenen Ansätze und Methoden
mittragen mag, der/dem sei dies natürlich unbenommen. Sie oder er wird
sicher dafür bekannt werden, vielleicht auch ganz schnell wieder von so
mancher, so manchem vergessen.
Fatal wird’s aber, Wolfgang, Andreas, wenn sich Angehörige aus anderen
Disziplinen Kopfzerbrechen über methodische Verfahren machen, die
(bildende, experimentelle, nicht-kommerziell und kommunal bzw. in
wirtschaftstechnisch über einen langen Zeitraum als defizitär
ausgewiesenen Feldern produzierende) KünstlerInnen betreffen und
Argumente, die in anderen Branchen funktionieren mögen, ohne Kenntnis
des Feldes Kunst, 1:1 übertragen möchten.
…
Aus reinem Interesse an einem Datenfeld dazu beizutragen,
kulturpolitische Entwicklungen zu transportieren, die de facto bis dato
Raum und Budget für KünstlerInnen letztlich minimiert, in einigen Fällen
bestenfalls gleichgehalten und nicht erhöht haben, und die langfristige
Veränderungen bewirken, die so leicht nicht mehr revidierbar sind, ist
vielleicht eine Sache, die man sich gut überlegen sollte.
Oder wo man zumindest gut darüber nachdenken könnte, auf welchen
Grundlagen so ein Prozess überhaupt beratbar ist.
Das Gegenteil - nämlich die Superbudgeterhöhung für KünstlerInnen im
Rahmen von Media Clusters, Creative Industries, 1.900 o0der wie viel m2
weiteren St. Marx teuren urbanen Flächenausbaus, Johannes, bräuchte
meiner Meinung nach konkretere Zusagen aus einem Kulturstadtratsbüro und
nicht vage Versprechungen ohne wirkliche Aussagen bei gleichzeitiger
Schönrede von sogenannten selbstverwalteten und sogenannten
partizipativen Prozessen, die sich bis dato als solche sicher nicht
bewiesen haben bzw. nicht von sich sagen können, dass sie eine
Verbesserung darstellen.
Unterstützt man solche Entwicklungen und möchte sich gleichzeitig dann
auch noch als Vertretung von KünstlerInnen definieren und vielleicht
sogar benennen, ohne tatsächliche Forderungen auszuarbeiten, die für ein
experimentelles, nicht-kommerzielles Schaffen unumgänglich sind, so
betritt man ein ziemlich fragwürdiges Terrain.
kanonmedia office at kanonmedia.com
Sam Jun 10 18:30:54 CEST 2006
Für meinen Teil: ich bin Ökonom,
das ist die Wissenschaft von der “Zuteilung knapper Resourcen auf sich
gegenseitig ausschließende Zwecke”. Trifft doch die zu Gruunde liegende
Situation recht gut, oder. Ich kann dir versichern, alles was ich zu dieser
Sache beitragen kann, könnte ich genau so gut oder schlecht, wenn es um einen
Fördertopf und Sportler/Infrastrukturprojekte oder sonst irgendwas geht. Für
die prinzipielle Fragestellung und deren Analyse ist Wissen um die spezielle
Kunstform(en) völlig irrelevant. Die Elemente des sets der möglichen
Förderungsziele sind die Elemente der Präferenzordnungen der bei einem
dezentralen System involvierten Entscheider. Mehr brauch ich nicht zu wissen,
damit die Theorien und Mechanismen der entsprechenden Teile der Mikroökonomik
anwendbar sind. Der Segen der Abstarktion. Ob du die die Methoden und Werkzeuge
der Ökonomie als geeignet ansiehst eine gute Analyse zu liefern bzw. sinnvolle
Wege für ein Fördersytem aufzuzeigen ist eine Frage, die durchaus legitim ist,
aber diese Frage mit nichts mehr als einem “in der Kunst funktioniert das
nicht” zu argumentieren ist finde ich sehr dürftig. Ich habe schon oft
geschrieben warum ich glaube, dass die Ökonomik/Spieltheorie
Werkzeuge besitzt die auf diese Fragestellung (wie können die verborgenen
Präferenzen der “Wähler” über Projekte elizitiert werden um eine möglichst
effiziente Zuteilung der knappen Mittel auf diese zu erreichen) aus gutem Grund
und sinnvollerweise angewandt werden können. Hier nochmal: weil diese Werkzeuge
für genau solche Fragen entwicklet wurden!
Wolfgang Hoechtl Wolfgang.Hoechtl at uibk.ac.at
Son Jun 11 11:02:22 CEST 2006 in Antwort an kanonmedia
Ich dachte, ich erinnere mich an Emails von Dir, in dem Du festgestellt hast, dass Spiele- bzw. Votingverfahren ungeeignet sind für die Zielsetzung der transparenteren Vergabe von öffentlichen Fördermitteln bzw. die Zielsetzung, Kunst- und Kulturprojekte in ihrer Qualität bzw. in ihrer Förderwürdigkeit möglichst objektiv zu beurteilen.
Insofern Du Dich ausschliesslich auf die Modellvariante CG bezogen hast, habe ich Dich dann offenbar missverstanden. Das ändert aber nichts an den Zielsetzungen von Mana.
…
Ich denke, an dieser Stelle kann ich punkto Evaluierung präziser werden, in dem was mich stört - abgesehen von den grundsätzlichen Zielsetzungen, denen in diesem Prozess von den netznetz- ooops – jetzt muss man ja sagen, Mana-BetreiberInnen, einem installierten PK, zugearbeitet wird:
- eine Evaluierung müsste nicht innerhalb des PKs durchgeführt werden, sondern genau ausserhalb
- eine Analyse sollte nicht nur von einem Tätigkeitsfeld – und wenn es nur eines ist, wieso dann genau jenes der Wirtschaftswissenschaft - durchgeführt werden, sondern von sagen wir mal mindestens 3 VertreterInnen aus 3 Disziplinen. Selbst solche Zusammensetzung wird noch genügend fachspezifische Eigenbetrachtung und damit Positionierung erzeugen.
In jedem Falle wären und waren vorab die Zielsetzungen zu definieren, auf die man hinarbeitet, danach wäre und war sinnvoll, die Auswahl der Disziplinen zu definieren.
Wäre ich Mailath-Pokorny, würde ich mich jedenfalls glucksend in meinem Bürostuhl zurücklehnen, die Hände reiben und mir ins Fäustchen lachen.
kanonmedia office at kanonmedia.com
Fre Jun 16 16:50:48 CEST 2006
kanonmedia.com>kanonmedia.comzit.co.atzit.co.atzit.co.atzit.co.atzit.co.atbezugnehmend auf
- die Frage der ehrenamtlichen Arbeit von KünstlerInnen und anderen
Personen, die kommunalen Mehrwert erzeugen,
- die Offenheit oder Legitimität zu Abgrenzung (Incasting/Outcasting für
AntragstellerInnen) eines Netzwerks, das möglichst alle VertreterInnen
einer oder auch noch mehrerer Branchen erfassen soll (vgl.
Förderempfehlungen untig),
- die Forderung nach Offenlegung aktueller Budgetplanungen für
Mana-EntwicklerInnen,
- die Meta-Zielsetzungen von Mana,
- die Fragestellung nach der juristischen Person, die befugt ist, die
Vertreterschaft für solch ein Netzwerk zu tragen
sende ich untig die Info des ZIT der Stadt Wien zur Förderung von
Technologienetzwerken und ergänzend jene des Wirtschaftsservice des
Bundes zur Förderung der Umsetzung von öffentlichen Dienstleistungen
durch Public-Private Partnerships. Vielleicht mag ja eine/r einreichen.
Ich möchte zwei Fragen stellen:
Bei der Förderung von Netzwerken wie untig, wie sollen die Einzelnen,
die sich so einem Netzwerk zuordnen, insofern sie nicht bereits über
Angestelltenverhältnisse in laufenden Betrieben finanziert sind, sich
solchen Netzwerken jemals zuordnen können?
Wie sollen solche Förderprogramme jemals jenen zugänglich sein, die
Förderung benötigen – im Unterschied zu jenen, die über Finanzierung
verfügen?
Wie können solche Konzepte überhaupt für bildnerische KünstlerInnen
gedacht werden, sie funktionieren ja schon kaum für kleine Labels und
DesignerInnen (als FreiberuflerInnen oder Einzelunternehmen hier
definiert), vgl. a. den transdisziplinären Ansatz bei Creative
Industries?
Für Forschungsmodule ist in diesen Programmen definiert, dass diese
teilnehmen können, insofern sie einem wirtschaftlichen Zweck Nutzen
bringen. Für KünstlerInnen heisst das in hohem Masse, dass sie nichts
vom Kuchen abbekommen ausser vielleicht den Kauf eines Bildes
(hoffentlich hat’s einen guten Marktwert in der schmalen
Kunstlandschaft) oder vielleicht den Ankauf einer DVD-Edition, denn
Kunst als Dienstleistung funktioniert nicht als KUNST, sondern höchstens
als Hilfsgeschäft.
Diese Programme sind genaue EU-Kopien von Förderprogrammen, die nur für
durchfinanzierte Institutionen zur Produktion von Projekten on top und
bereits gewinnbringende Firmen geeignet sind, und unter welchen in hohem
Masse in der Praxis neben abzulieferndem Papier ausschließlich laufender
Betrieb finanziert wird.
Allerdings muß man dazu sagen, dass bei EU-Programmen 50%
Finanzierungsanteil – über Stufen schwer, aber manchmal 75%-100% -
gewährleistet sind, und Österreich es mal wieder genauer nimmt: statt
sich dahingehend zu organisieren, dass möglichst viele dieser
EU-Prozentsätze nach Österreich rückfliessen und dies durch nationale
Zusagen zu EU-Fördereinreichungen sichergestellt wird, wird das ach so
tolle Eigeninvestment von Unternehmen aktiviert, und es werden tolle 25%
Co-Finanzierung zugesagt (macht bei einer maximalen Fördersumme und der
Verpflichtung eines Produktionsvolumens unter Leistungsvertrag von
100.000,– heisse 25.000,– aus: man muss wirklich sagen, Mana ist
derzeit tatsächlich besser budgetiert).
Völlig unberücksichtigt bleibt bei solchen Konzeptionen nicht nur auch
der massiv erhöhte Administrationsaufwand bis hin zur Offenlegung von
Geschäftsbüchern des gesamten Betriebs, sondern auch der massiv erhöhte
Kommunikationsaufwand, der nötig ist, damit meist 1 Träger, der den
Hauptanteil des Budgets hat, denn für alle geht sich’s ja ohnehin wieder
nicht aus, zumindest irgendetwas nachweisen kann, dass er mit diesen
vielen kleinen unter- und nicht budgetierten Satelliten im Netzwerk
veranstaltet hat.
Nicht einmal interessant für KMUs, wie sollen solche Konzepte für
KünstlerInnen funktionieren? Kein Problem, wir schaffen sie einfach ab.
Wen – diese Konzeptionen oder die KünstlerInnen?
Mhgs/ar
—
kanonmedia
ngo for new media
alexandra reill
richtergasse 12/24
1070 vienna
call: ++43[0]6991 820 70 03
mailto: office at kanonmedia.com
visit: http://www.kanonmedia.com
—
—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: kanonmedia [mailto:office at kanonmedia.com]
Gesendet: Mittwoch, 5. Juli 2006 17:03
An: ‘vorstand at igkulturwien.net’; ‘IG Kultur Wien’
Betreff: Förderung Technologienetzwerke bei ZIT
Förderprogramm des ZIT der Stadt Wien, vermute, wir reden wohl davon,
lgs
Technologienetzwerke
Kooperationen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und anderen
Akteuren in einem bestimmten Technologiebereich fördern die
wirtschaftliche Prosperität der GeschäftspartnerInnen und ermöglichen
besonders durch den Wissenstransfer positive Synergieeffekte.
Das ZIT unterstützt mit diesem Programm das Entstehen und erfolgreiche
Bestehen von Netzwerken in spezifischen Technologiefeldern oder an
örtlichen Schwerpunkten (z.B. lokale Technologiezentren). In die
Förderung der Aufbau- und Anlaufphase (drei Jahre) eingeschlossen sind
alle Netzwerkaktivitäten, die zum Erfolg des Innovationsnetzwerks
beitragen (z.B. Informationsdienste, Veranstaltungen, Publikationen).
Die Entscheidung darüber, welche Projekte unterstützt werden, erfolgt
vierteljährlich. Die eingereichten Projekte stehen dabei im Wettbewerb
zueinander.
Die Liste der im Rahmen des Programms Technologienetzwerke bereits
geförderten Projekte finden Sie hier
.
Antragsberechtigt
die/der InitiatorIn oder designierte NetzwerkmanagerIn
Förderbare Vorhaben
technologieorientierte Netzwerke möglichst aller Akteure eines
definierten Technologiefelds oder eines Technologiestandorts in Wien
Förderungsfähige Kosten
alle dem Projekt eindeutig zuordenbaren internen und externen
Personalkosten, Investitionskosten und/oder Reisekosten zum Aufbau und
Betrieb des Netzwerks über drei Jahre
Förderhöhe
max. 100.000 Euro pro Netzwerk innerhalb von drei Jahren
Förderintensität
im 1. Jahr 75 %, im 2. Jahr 50 % und im 3. Jahr 25 % der
förderungsfähigen Kosten
Mindestprojektgröße
20.000 Euro förderungsfähige Kosten
Projektdauer
max. drei Jahre
Einreichung
laufend
Elektronische Einreichung
Zur elektronischen Einreichung gelangen Sie hier.
Entscheidung
i.d.R. innerhalb von zwei Monaten ab Ende des Quartals, in dem die
Einreichung erfolgt ist (Bsp.: Einreichung zwischen 1.1. und 31.3.:
Entscheidung bis 31.5.)
Die Beurteilung erfolgt auf Grundlage eines festgelegten
Bewertungssystems, das Sie hier downloaden können:
Bewertungssystem_Technologienetzwerke
Weitere Informationen zum Bewertungssystem im Rahmen von ZIT05 plus
finden Sie hier .
Förderungsart
Barzuschuss, Förderung für Unternehmen unterliegt der
De-minimis-Verordnung
Auszahlung
Akonto; halbjährliche Teilzahlungen bei Nachweis der Kosten
Kontakt Bartik
Mag. Christian Bartik
T +43-1-96090-86935
E bartik at zit.co.at
Logo
Produkt/Leistung
Private Public Partnership
alternative Namen
PPP
Zielgruppe
kleine Unternehmen, KMU, Große Unternehmen, öffentliche Hand
Ziele
Umsetzung von öffentlichen Dienstleistungen durch private Partner im
Rahmen von Publi-Private-Partnership-Modellen
Art der Förderung
aws - Themenschwerpunkt
Projektgröße minimal
0
Projektgröße maximal
0
Förderkonditionen/Leistung
Die aws fördert und unterstützt aktiv die vermehrte Umsetzung von
Public-Private-Partnership-Modellen zur Erbringung öffentlicher
Dienstleistungen durch private Partner. Von besonderer Bedeutung ist
dabei die adäquate Risikoverteilung zwischen öffentlichen und privaten
Partnern. Die aws leistet einen wichtige Beitrag bei der
Risikoabschätzung und berät bei der fairen Verteilung der Risken und der
Modellstrukturierung. Darüber hinaus übernimmt die aws im Rahmen ihrer
Instrumente (Garantien, erp-Kredite,…) einen Anteil an den
Finanzierungen.
Einreichart
Laufende Einreichung
Einreichung
direkt bei der aws
Grundlage der Förderung
aws-Mehrjahresprogramm
Träger
aws - Themenschwerpunkt
Geschäftsbereich
Förderung & Finanzierung
Kontakt
Dr.
Wilhelm Hantsch-Linhart, MBA
Mag.
Gabriele Pammesberger
kanonmedia office at kanonmedia.com
Mit Jul 5 17:39:30 CEST 2006
er hat sich in seine aussagen auf den oekonomen Joseph Schumpeter bezogen -
der den begriff des entrepreneurs vom risikotragenden unternehmer auf den
quasi innovationstraeger ausgeweitet hat -, wenn er davo sprach, dass
“Entrepreneure erfolgreich sind, weil sie sich nicht unterordnen”.
und ihr wisst sicher schon, weshalb ich da im hinblick auf netznet gelacht
habe, als ich die ausfuehrungen des juristen und harvard-prof. fuer
internetrecht und -politik, Viktor Mayer-Schoenberger, gehoert habe. dazu
ist mir wiedermal der begruendungszusammenhang von netznet eingefallen: die
frustrierten Q21-mieter machen mit der MA7 den deal, fuer subventionskohle
mitzuhelfen, die wiener netzkultur ueber ein digitales controlling-tool zu
ueberwachen; das programm sollte nach dem urspruenglichen plan von einer
magistratsabteilung verwaltet werden. als draufgabe verspricht die Ma7 die
netbase zu
killen.
bingo! - seit beginn der netznet-geschichte wurden die PKs in der regel von
personen gestellt, die sich gerne unterordnen. noch schlimmer, die
unternehmung ´qunitessenz´
desavouierte sich als tummelplaz von parteisoldaten, wie bspw. Martin
Slunsky als spitzel in der szene und informant fuer ´die partei´, zusammen
mit diversen anderen Q21-mietern plus freundeskreis, die sich devot und mit
hingabe in den arsch von Fassler-Vogler und Straubinger arbeiteten - und
das heute noch immer tun (!).
auch ganz ohne einem simplen kausalbezug: von diesen leuten sind ergo keine
innovationen zu erwarten - gruenden aber keck, wie ich es schon seit langem
prophezeit habe, einen verein “quartier fuer digitale kultur”. warum? - ein
letzter versuch, um ihren arsch zu retten. wie ebenso der Q21-kurator Vitus
Weh, der in einem interview zum 5-jaehrigen bestand vor sich hin deliriert
(irrereden): “Waldner ist Schutzpatron fuer die Vielfalt”. das Q21 gilt in
der oeffentlichkeit definitiv als gescheitert, punktum.
die Q21-loser treten erneut ihre flucht nach vorne an und gruenden einen
verein - und setzen ihren abstieg als netznet-loser weiter fort. eigentlich
koennen sie einem leid tun; den netznet-begruendungsdeal mit der
stadtregierung will ich - menschenfreund hin oder her - ihnen allerdings
nicht durchgehen lassen.
und auf seite 15 der sommerMALMOE-ausgabe (wiedermal zur gaenze
lesenswert!!!) faellt ein mir vertrauter satz ins auge - unter dem titel
“Im Laufrad der Netzkulturfoerderung” schreibt der autor T.S. zu netznet
n.a.: “Intransparenz, Schweigekanzler-maessige Diskussionsverweigerung,
Jubel-Presseaussendungen und systematische Ausblendung von
Machtasymmetrien… (und jetzt kommts) oftmals gespickt mit der zynischen
Aufforderung an KritikerInnen, sich doch selbst ´einzubringen´… unter
erstaunlicher Missachtung anhaltender Reputationsverluste der beteiligten
Personen…”
die letzten satzteile gehen unuebersehbar an Leo Findeisen, bei dem ich
schon etwas zurueckliegend im hinblick auf reputationsverlust einen
gewissen hang zum oeffentlichen suizid konstatiert habe. der typ ist echt
ein elend.
waehrend Wolfgang Hoechtl frei heraus sagt, was ihm an netznet
interessiert, was einzuloesen er bereit ist, und wofuer er das tut - und so
sein wissenschaftliches interesse glaubhaft machen kann -, mimmt Leo den
´aufopfernden OSS-aktivisten´. und um ja alles falsch zu machen, pfeift er
auf seine (bislang noch moegliche) integritaet und stellt - nach Thurner -
auch ´seinen tisch´ zu den monochroms ins Q21. anstatt im anspruch auf
wissenschaftlichkeit eine gewisse distanz zu wahren und zu sagen, ok mein
tisch steht in der ak., weicht er dem sozialen druck der gruppe und
verliert jedewede glaubhaftigkeit. sorry Leo - du bist nicht nur
charakterlich ein schwacher mensch, du bist ein voller esel.
so war es nur eine frage der zeit, was letzthin hier passiert ist - und
zugleich
von symbolisch herausragender bedeutung ist: die young guns, die coder,
haben ihm einen ´sauberen schuss´ verpasst.
der Findeisen war so perplex, dass sein re
>
Subject: Re: [netznetz.net] aaron?! ich glaubs nicht … bitte nochmal
>
gelautet hat.
die ´young guns´ haben ihn cool auf ´seinen platz´ verwiesen . und so
nebenbei noch aufgedeckt, dass der grund ´fuer seine aufopferung´ lediglich
darin besteht, zu seinem angesammelten kram auch noch die
netznet-geschichte hinzufuegen zu koennen, um seine diss fertig zu basteln.
kein verwerfliches motiv - aber dann so ehrlich wie Hoechtl und nicht auf
wiener-netzkultur-schleim. KOTZ!
und was ist das herausragend symbolische an dem ereignis?
die tasaechliche elite und aufstrebende klasse einer ´creative bzw.
conceptual age´ sind die gut gebildeten coder mit ihrem wissen um
systemische intelligenz und nicht personen, die aus der akademischen
intelligenz hervorgehen - diese institutsdomaenen broeckeln rasant! dieses
segment der kreativen Klasse hat einen ungezwungenen zugang zum
hypermobilen kapital - kein wunder, dass metalab voll zugeschlagen hat -
gratulation!
und an die adresse der hier mitlesenden beamten/innen und politiker/innen:
die ´young guns´ dieser aufstrebenden kla
teichenberg.atEin kleines Cut’n'Copy eines Textes von Justin O Connor passt da doch
schön drauf:
[...] The term causes a few problems in translation –‘industry’ is often
difficult to avoid connotations of factories and manufacturing processes.
In the UK ‘industry’ is used (often very loosely) to designate a set of
interrelated production and service activities around a particular
product. This product could be cars – ‘the car industry’ – but it could
also be the ‘sex industry’, the ‘therapy industry’, the ‘football
industry’. It is sometimes better if the term is translated as ‘cultural
businesses’ or ‘enterprises’. However, what the term does do is focus
attention on ‘cultural industries’ as a complex sector (even ecosystem)
rather than a collection of individual businesses. [...]
(http://www.teichenberg.at/essentials/O_Connor2.pdf)
keep on rolling
AW: [netznetz.net] sektor3/kultur
Comment by kanonmedia 11.24.06 @ 8:25 pmthomas at teichenberg.at thomas at teichenberg.at
Don Nov 4 13:55:33 CET 2004