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es scheint sich >schon wieder/immer noch< alles um die Frage zu drehen, die
uns keine Ruhe lässt: was, in Drei-Teufels-Namen, sollen die Begriffe
“Netzkunst” und “Netzkultur” überhaupt bedeuten?
Timan Baumgärtel hat sich vor einigen Jahren die Mühe gemacht, diese
Diskurse zu beschreiben. In den “Materialen zur Netzkunst” [1] finden sich 6
Kriterien, die da wären:
- Konnektivität
- Globalität
- Multimedialität
- Interaktivität
- Immaterialität
- Egalität
Stefan Lutschinger Fre Mai 27 12:03:58 CEST 2005
64 Comments so far
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“Man denkt, mit dem Alter wird man labil. Aber in den letzten 15 Jahren
verspüre ich in mir die wachsende Notwendigkeit, mich gegen den
Kapitalismus zu wenden”, sagt der heute 79jaehrige kuenstler Gustav
Metzger, der mit seinem ersten manifest “Autodestruktive Kunst” (1959) eine
art “aesthetik des verschwindens” propagiert hat, was Paul Virilio unter
diesem begriff erst in den 8oern in bezug auf digitale produktion gepraegt hat.
eine empfehlung: wer den widerspruch aushaelt, gehe in die Generali
Foundation (sic!), um sich ueber die arbeit von Metzger zu informieren.
was aber vor einem halben jahrhundert in der kunst ´radikal´ war, moechte
ich heute nicht als klapprige klone bei soho, update, aber auch nicht auf
der documenta sehen. denn um den - hegemonial besetzten - (neuen) umwelten
etwas entgegen zu setzen, erfordert entsprechende strategien.
* dafuer gibts medien- und netzkulturen, die sich seit ca 20 jahren als
neue soziokulturen formiert haben.
…
ohne hier weiter auf unhaltbare begriffe wie ´Immaterialität´ einzugehen -
oder bei ´Egalität´ gleich die frage zu stellen: - fuer wen? (egalitaet
existiert bei netznetz-net sicher NICHT!) - WERDEN diese 6 punkte erst in
einem ´entsprechenden sinnzusammenhang´ zu einer netzkultur.
FER f.e.r at sil.at
Mit Jun 1 14:23:14 CEST 2005
Ich schrieb von NETZKUNST und nicht von NETZKULTUR!
Bei Serious Pop habe ich mir die Mühe gemacht, diese Differenz zumindest
provisorisch (und es gibt ja in Wien nichts dauerhafteres als ein
Provisorium) an T. S. Eliots Unterscheidung von
>Cultureculture
Comment by kanonmedia 12.06.06 @ 3:28 pmdie concept-art wie auch die medienkunst haben den begriff
´Immaterialitaet´ vor allem in abgrenzung zu traditionellen kunstwerken,
sprich: posthistorische positionen, ins treffen gefuehrt. aber selbst im
falle digitaler produktion, ist der begriff physikalisch verstanden unhaltbar.
womit wir bei ´naive realisten´ vers. ´radikale konstruktivisten´ gelandet
sind.
im zweiten, den von mir empfohlenen falle, wird mensch statt
´Immaterialitaet´ besser von ´Virtualitaet´ reden. diese laesst sich aber
keinesfalls auf digital produziertes zeug/ kunst einschraenken - sondern
bedeutet viel mehr, dass wir uns insgesamt nur in virtualitaeten bewegen.
nach einem gewissen konsens in den betreffenden diskursen schaut das so aus:
virtualitaet 1. ordnung: das, was wir gemeinhin als ´die natur´ bezeichnen.
virtualitaet 2. ordnung: soziale organisation, die industrielle technosphaere.
virtualitaet 3. ordnung: die elektronischen kybernetischen raeume, netz,
VR, cyborgisierung der gesellschaft.
FER f.e.r at sil.at
Sam Jun 4 00:08:07 CEST 2005
amazon.dein diesem zusammenhang sei auch das buch install.exe vom baumgärtel
empfohlen
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3856161848
north north at pixelshit.net
Die Jun 7 13:03:47 CEST 2005
tate.org.uktate.org.uktate.org.uk> >Egalitätbeispielsweise Jodi: “Weil es im Netz keine Etiketten gibt, ist das, was der
>kleine Stefan macht, vielleicht auch Kunst. Mit unserer Arbeit ist es
>dasselbe. Da ist kein Kunstlabel dran. Bei dem Medium, in dem unsere Arbeit
>betrachtet wird, kümmern sich die Leute nicht um solche Ettiketten.” (Jodi)
das meinen menschen, die bloed genug sind zu glauben, dass die bedeutung eines
(auch virtuellen) objekts im objekt selbst - also substanziell - zugrunde
liegt. Die beteiligten meinen dies, haben dies ´im sinn´. aber die
KM-medien sind nicht diese sachverhalte selbst - ansonst sie ja nicht als
medium funktionieren koennten. das basale problem der kombination von
selektion und motivation im umgang mit diesen medien laeuft ueber
´realitaetsgebundene semantiken´: wahrheit, liebe, geld, macht usw. das
alles wiederum existiert auch nicht substanziell, sondern wird via
kultureller codes und ihrer implikationen wirksam.
“… Bei dem Medium, in dem unsere Arbeit
>betrachtet wird, kümmern sich die Leute nicht um solche Ettiketten.” (Jodi)
na und - was weiss schon Jodi, worum sich ´die leute´ kuemmern. vollends
unreflektiertes gelabber - rein aus distinktionsgruenden: schaut her, wir
sind anders! lachhaft.
…
auch die weitere beschwoerung von IMMATERIALITAET aendert nichts daran,
dass das schnee von gestern ist. da ist auch beim Baumgaertel nix zu holen.
selbst ein gedanke ist untrennbar mit materialitaet verbunden. dazu auch
gleich der sachverhalt, dass kein KM-system ganz davon abstrahieren kann,
dass menschen leiblich daran beteiligt sind (auch wenn maschinen
miteinander ´kommunizieren´). jede medien-semantik impliziert eine
mitsymbolisierung des koerperbezugs - man nennt das die ´symbiotischen
mechanismen´. ansonst ja das ganze als schnittstelle nicht funktionieren
koennte. das wuerde auch noch fuer cyborgs gelten.
>Sieh’s dir mal an -
>http://listen.esel.at/pipermail/liste/2005-June/001366.html,
>http://www.tate.org.uk/modern/eventseducation/symposia/curatingimmaterialitysystems3325.htm
>
>Online Panel Discussion ab morgen
>http://www.tate.org.uk/onlineevents/live/CuratingImmaterialitySystems/
lieber Stefan - das sind die verzweiflungsaktionen angesichts wachsender
komplexitaet. die vermeintlichen loesungsvorschlaege entspringen kranken
programmierergehirnen, die absolut nichts ueber das funktionieren sozialer
zusammenhange wissen. und voll ultrakrank ist es, wenn eben politiker auf
so etwas hereinfallen, in dem anspruch, wir sind ja so hip.
FER f.e.r at sil.at
Die Jun 14 21:36:08 CEST 2005
es geht mir nun aber explizit um Aktionismus im gegensatz
zum gaengigen Aktivismus oder Hacktivism (Activism). die
hauptunterscheidung ist das motiv, beim aktionismus
meiner definition besteht weder ideologische noch
politische motivation, sondern es handelt sich um rein
experimentelle settings (nicht wissenschaftlicher natur,
sondern reiner freestyle), kommunikations-situationen
extremer natur ohne zielsetzungen.
bei den beiden o.a. projekten 0rf.at und BL00MBERG.com
wurde eine weitere wichtige komponente des digitalen
aktionismus meiner definition nicht eingeloest:
das bis an und ueber die grenzen des ertraeglichen und
machbaren (juristischer, persoenlicher, finanzieller natur
gehens).
Hans Bernhard hans at ubermorgen.com
Mon Aug 29 14:25:43 CEST 2005
>Hm, “Kunst” stammt ja von der “Religion” ab und ist daher natürlich auch
>Glaubenssache, dass sie etwas besonderes, über dem normalen weltlichen
>dasein stehendes sei.
grundsaetzlich gilt fuer alles, was ist - oder sein will und soll -, dass
daran wer glauben muss; je mehr menschen an X glauben, um so besser. das
allein genuegt schon mehrheitlich, um existenz behaupten zu koennen.
>Als Milderungsgrund für die Kritik möchte ich aber auch anmerken, dass
>mittlerweile es kaum noch möglich ist - es wohl auch nie war - sich
>völlig aus der vorherrschenden “Gesellschaft” heraus zu emanzipieren.
richtig. dass die kunst oder die kuenstlerschaft je irgendwie ´ausserhalb
der gesellschaft gestanden waere´ ist ein mythos der buergerlichen
gesellschaft. faktum ist, dass alles, was ausserhalb von gesellschaft ist -
oder sein soll - nur innerhalb der gesellschaft ´auf ein aussen´ projiziert
werden kann; ´wissen´ tun wir von ´einem aussen´ rein gar nichts.
was jetzt die kunst anlangt, ist sie - seit sie die externen referenzen
einer abbildung von etwas aufgegeben hat - ein medium 2. ordnung. sie ist
also spaetestens seit dem beginn des 19. jh. ein komplex-dynamisches
system, dass sich autopoietisch immer weiter reproduziert. dieses system
ist muehelos in der lage, seine internen referenzen (diskurs) und externen
(kunstmarkt usw.) selbst zu regulieren. freilich geht das alles nicht ohne
dass kommunikation stattfindet. das besorgen psychische systeme (menschen)
und technische (medien), die so - quasi als tandem - zirkulaer eine
multifaktorielle wirklichkeit formieren: die so genannte kunstwelt
(vereinfacht dargestellt, versteht sich).
deine betrachtungen - wenn du mir erlaubst Martin - brauchen entsprechende
(laengst existierende) denk/theorie-modelle, um die ´phaenomene´ einordnen
und verstehen zu koennen.
>Da gesellschaftliche Prozesse tendenziell eher Kreislaufprozesse als
>linear Ursache-Wirkung-Kausalitäten sind bzw. von “doppelter Kontingenz”
>geprägt sind, vermag ich auf die schnelle aber nicht “die Schuld” “einer
>Seite”(oder was auch immer) alleine zuzuweisen.
da haben wir ja schon deinen theorieverweis: “doppelte kontingenz”. und mit
schuldzuweisungen ist da echt nichts zu holen, weil unterschiedliche
positionen in einem gemeinsamen sachverhalt eben ihre je eigene sichtweise
(”sachzwang”, genauer: selbstreferenz) hat.
so gesehen ist es auch ein totaler schwachsinn, wenn hier irgendwer
irgendwem glauben machen will, dass “ein neues System zur Vergabe von
Fördergeldern” die prozesse der selektion von komplexitaet ausser kraft
setzen koennte. ob ein fachbeirat von 5 personen mit mehrheitsbeschluss
einen sog. foerderantrag positiv oder negativ entscheidet oder ob das ueber
´ein vertracktes punktesystem - mit de facto hierarchischer strukturierung
der teilnehmerInnen - via voting entschieden wird, weist basal verstanden
wenig unterschied auf.
auch da: es gibt wenige gewinner und viele verlierer.
und uebrigens nochmals Maertin! - netzkultur hat ehest in form von
´interferenzen´ mit der kunstkultur/dem kunstsystem zu tun. kriterien fuer
kunst sind fuer netzkultur irrelevant. wer das noch immer nicht begriffen
hat, soll sich endlich mal ein gut durchgebratenes rindsfilet um die birne
klatschen.
…
ein satz wie
“Mana mag man eben”
hat uebrigens genau diesen sozialdemokratischen charme, der jedewede
verbindung zu “Netzavantgarde” schon im ansatz erstickt.
F.E. Rakuschan in Antwort an Martin Mair,
FER f.e.r at sil.at
Mit Okt 5 21:21:24 CEST 2005
aus einem Brief von Edmund Husserl an Hugo von Hofmannsthal vom 12.
Jänner 1907:
“Ich denke, Lob wie Tadel und weises Gerede jeder Art ist Ihnen schon
hinreichend gleichgiltig. Und die drei goldenen Regeln des Künstlers (im
weitesten Sinn), zugleich die offenen Geheimnisse aller wahrer Größe,
sind ihnen sicherlich und sichtbarlich bekannt: 1) er habe Genie - das
hat er ohnehin, sonst ist der kein Künstler. 2) Er folge rein und einzig
seinem Daimonion, wie es ihn von innen her zu schauend-blindem Wirken
antreibt. 3) Alle Anderen wissen es ohnehin besser, also betrachte er
sie alle - bloss äshtetisch oder phänomenologisch. ”
… kann man doch nur bloss ästhetisch oder phänomenologisch betrachten
… diese in ihrer verdeckten überheblichkeit kaum zu überbietende
selbstgenügsamkeit, dass mir die hier, durch die netznetz-liste auf den
computer schwappt, das hätte ich kaum für möglich gehalten … worin
besteht hier die verbindung zu kommunikation/ netzkunst und dergleichen?
Christoph Theiler in Antwort an Stefan Lutschinger
wechselstrom - christoph theiler wechselstrom at machfeld.net
Mit Okt 12 22:46:25 CEST 2005
weiters werde ich in zukunft fuer eine trennung von netzkunst und
netzkultur eintreten, ich moechte keines der beiden gebiete bevorzugen
oder benachteiligen, jedes hat seine berechtigung und ich bin in beiden
bereichen taetig, sehe aber dadurch auch die diskrepanz.
eine trennung wird mehr klarheit in die schwammige situation bringen.
Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Don Nov 24 10:33:56 CET 2005
netzkunst vs netzkultur
Warum funktioniert die Kultur im Internet derzeit auch ohne Kunst?
In unserem anlogen Kontext sind ja Kunst und Kultur eng ineinander
verwoben. Meist war die Kunst Vordenkerin und brachte Uptopien, die
dann
frueher oder spaeter in eine Kultur muendeten. Die Netzkultur ist eines
der wichtigsten Dinge, die unser alltaegliches Leben bestimmt. Diese
Netzkultur ist in den sogenannten RFCs (Internet Request for Comments)
geregelt. Danach halten sich alle Leute, die sich aktiv mit dem Internet
beschaeftigen. Die Netzkunst, vor allem im Kontext zur Medienkunst,
erzeugt
schon lange keine Wechselwirkung mehr. Einzig der Begriff State-of-the-
art,
den ich mal mit dem Stand der Technik uebersetze, taucht immer wieder in
diesem Zusammenhang auf. Da aber die Kunst nicht tot zu kriegen ist, fehlt
hier ein Dialog, eine Wechselwirkung. Kunst im, auf und rund ums Internet
muss auf jeden Fall einen eigenen Blickwinkel, eine eigene Position
beziehen. Aber wie ist das moeglich wenn relativ
wenig Kunstschaffende die RFCs des Internets ueberhaupt kennen und
sich
damit auseinandersetzen? Wir haben gelernt: Kunst darf nicht gefaellig
sein, sie muss dem Bestehenden immer was entgegensetzen koennen. Die
Latte
liegt hoch, und ich bin auf die Zukunft der Netzkunst gespannt. Das
Gespann Kuenstler-Techniker koennte auch als Gespann Kunst-Kultur
bezeichnet werden. Haben frueher die Kuenstler den kreativen Teil
vertreten, so ist es inzwischen schon umgekehrt. Nur mehr
fundiertes Wissen um die Internetkultur ermoeglicht, das Potential dieser
Materie zu nutzen.
Da es ein oeffentlicher Auftrag ist, Kunst und Kultur im Land zu foerdern,
werden die Definitionen und Bewertungen (Foerderkriterien) in diesem
Bereich sehr schwierig. Vorallem dann, wenn die oben genannten Bereiche
ueberhaupt noch nicht getrennt sind.
Als ersten Schritt schlage ich deshalb die Trennung der Netzkultur und
Netzkunst vor. Damit kann eine genauere Analyse beider Bereiche
durchgefuehrt werden. Das bedeutet dass beide Bereiche zu gleichen
Teilen unterstuetzt und gefoerdert gehoeren.
conclusio: Unsere Aufgabe ist es eine Trennung der Internetkunst von der
Internetkultur zu erwirken.
Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Don Nov 24 15:34:54 CET 2005
Ja, die Herumschluderei zwischen den Begrifflichkeiten ist z.T. schon
ziemlich hinderlich einen sinnvollen Diskurs über Ästetik, Inhalte und
Wechselwirkungen von im Netz stattfindendem Ausdruck zu finden.
Bloß bezweifle ich, dass Netzkultur und/oder Netzkunst als Begriffe, bzw.
die von Dir verlangte definitorische Klarheit darüber irgendeinen
Sinngewinn bringt. Da sind doch längst die Grenzen eingerissen zwischen
diesen Sphären. Man kann doch eigentlich nur mehr die Praktiken, die
PraktikerInnen und die Ankoppelungen an andere Prozesse anschauen. Und das
kann man dann auch gut finden oder auch nicht, hilfreich finden oder auch
nicht, fortschrittlich finden oder auch nicht, etc. etc.
Was ich sagen will, wir können uns doch höchstens die Produkte und
Prozesse von sogn. netzkulturellem bzw. netzkünstelerischem Schaffen
anschauen, aber sie doch nicht verbindlich einordnen. Oder kannst Du so
aus dem Stand einmal 5 klare zeitgen. österr. Beispiele jeweils für
Netzkunst und Netzkultur aufzählen. Schwierig gell! Genauso schwierig wie
die künstliche Grenze zwischen Netzkunst und Netzkultur.
Thomas Thurner thomas at teichenberg.at
Don Nov 24 17:39:19 CET 2005
(Netz)Kunst ist “natürlich” als menschlicher Ausdruck ein Teil der
(Netz)Kultur. T. S. Eliot hat davon gesprochen, dass Culture einer der
kompliziertesten Begriffe in der englischen Sprache ist, und das lässt sich
auch für die deutsche “Kultur” behaupten. Eliot unterscheidet wie später
auch Terry Eagleton “Culture” und “culture” (”Notes towards a definition of
Culture”), selbt wenn er diese Differenzierung nicht durch Kapitalisierung
vornimmt: “Culture” als die Kultur als alle jene Habitualisierungen,
Mentalitäten und und Gefühle, die uns großteils unbewusst an eine Form des
Lebens bindet. “culture” hat vornehmlich zwei Bedeutungen: zum einen als ein
spezialisiertes, ausdifferenziertes Subsystem die Kunst und intellektuellen
Werke, zum anderen aber repräsentiert sie eine bewusst(er)e Form von Kultur,
die eine Selbstreflexion der “Culture” ermöglicht. Die Funktion der
“culture” besteht darin, die “Culture” mit den Mitteln der Kunst zu
beleuchten und ins Bewusstsein zu rufen und einen höheren Standard von
Kultur zu gewährleisten.
Netzkultur (”NetCulture”) und Netzkunst (”net.art”) sind zum aktuellen
Ausdifferenzierungsstand in Linz als spezifische Teile von “Culture” und
“culture” (Cyberculture und Electronic Arts) durch zwei unterschiedliche
Kategorien repräsentiert, “Digital Communities” und “Net Vision”:
“Digital Communities” berücksichtigt die weit reichenden gesellschaftlichen
Wirkungen des Internet ebenso wie die aktuellsten Entwicklungen im Bereich
von Social Software, mobiler Kommunikation und drahtloser Netzwerke. Bei
“Digital Communities” geht es um mutige und inspirierte Innovation im
menschlichen Zusammenleben, um die Überbrückung des geografisch, aber auch
gender-bedingten “Digital Divide” sowie um herausragende soziale Software
und die Verbesserung der Zugänglichkeit technologisch-sozialer
Infrastrukturen. “Digital Communities” würdigt das politische Potenzial
digitaler und vernetzter Systeme und spricht damit ein breites Spektrum von
Projekten, Programmen, Initiativen und Phänomenen an, in denen soziale
Innovation gewissermaßen in Echtzeit stattfindet.
In der Kategorie “Net Vision” werden künstlerische Internet-Projekte
ausgezeichnet, die sich durch Machart, Design und - vor allem -
Ideenreichtum auszeichnen, sowie Werke, die durch Innovation,
Interfacedesign und Originalität des Inhalts hervorstechen. Der Integration
des Online-Mediums durch das netzbasierte Kunstwerk wird in dieser Kategorie
große Bedeutung beigemessen.
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.net
Fre Nov 25 00:19:28 CET 2005
wach auf!
willst du ich immer daran orientieren was die medienkunst, spaeter
netzkunst entwickelt hat, alles hatte ihre zeit. aber die realitaet sieht
leider anders aus. darin sehe ich aber auch neue chancen dinge neu zu
positionieren.
Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Fre Nov 25 01:18:08 CET 2005
die letzten beiden Absätze “Digital Communities” und “Net Vision” sind
Quotes von der AEC-Site, darum kommen die Begriff Social Software und
Echtzeit in mein Mail. Bin übrigens wach. Nochmals mein Argument - die
Differenzierung, die du forderst, hat längst stattgefunden. Die Linzer
Kategorien als Ausdruck dieser Differenzierung sind nur ein Beispiel.
Drum geb ich dir ja Recht. Mit dem Hinweis drauf, dass das nicht Neues ist.
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.net
Fre Nov 25 10:44:31 CET 2005
es gibt immer leute die sich nach themen und kategorien richten - und
versuchen sich dort einzuordnen und moeglichst gut auszusehen, sich
dadurch anpassen uns smart sind. aber du darfst nicht vergessen dadurch
bist du im system gefangen und davon abhaengig.
haben sich netzkuenstler wirklich in kategorien zu bewegen? ist das nicht
ein armutszeugnis?
wie ich am _AW:_ sehe bist du grosser wahrscheinlichkeit ein
windowsbenutzer, das ist kein vorwurf zeigt aber deine situation in der du
steckst deutlich auf - abhaengigkeit.
abhaengigkeit nicht nur von deinem softwareentwickler sondern auch von den
themenvorgaben der ars.
ich weis aus meiner erfahrung dass nur neue sachen entstehen koennen wenn
man keine regeln, keine vorgaben und kategorien einhaelt. diese aber auch
nicht negiert.
Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Fre Nov 25 17:05:53 CET 2005
regeln einhalten ist schon nicht schlecht und grundvoraussetzung für
“kultiviertheit” bzw netzkultur.
neue sachen entstehen meist innerhalb des systems und nicht im
regelfreien, beliebigen raum ohne kontext.
Reini Urban rurban at x-ray.at
Fre Nov 25 17:28:34 CET 2005
Auch das Ausrufen von Regelfreiheit beruehrt mich peinlich
(vor allem im Gegenüber einer Rechenmaschine - aber auch
abseits dieser). Den “regelfreien, beliebigen raum ohne
kontext” (Reini Urban) gibts es ja ausserhalb mythischer
Vorstellungen ohnehin nicht, den hat man weder in der
wissenschaftlichen Laborsituation, noch im White Cube
gefunden und schon gar nicht in der
68er-Revoluzer-Befreiung von der fadenscheinigen
“Höflichkeit”
Armin Wagner armin at medien.akbild.ac.at
Fre Nov 25 19:03:59 CET 2005
Die Leitdifferenz “culture”/”Culture” oder “Netzkunst vs. Netzkultur” ist
eine analytische Krücke für unterschiedliche Aussagesysteme oder
Differenzierung der je im vergleichenden Diskurs gemeinten symbolischen Form
und keine Empfehlung für die Spezifikation von Produktionsvorgaben für
KünstlerInnen oder Kulturschaffende, die über dem Schreibtisch hängen soll.
Auch der Disput über “KünstlerInnen und ProgrammiererInnen” ist eigentlich
bereits vor einem halben Jahrhundert von Donald Knuth und Jack Burnham
befriedigend gelöst worden. Während Knuth mit “The Art of Computer
Programming” nicht nur Programmieren (vgl. p. v), sondern auch Debuggen
(vgl. p. 192) als Kunstform nobilitiert hat, ist umgekehrt für Burnham Kunst
eine Art “Software”.
http://marianosardon.com.ar/archivos_cursos/archivos_referencias/jack.pdf
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.net
Fre Nov 25 19:33:01 CET 2005
1. netzkultur von heute ist nicht mit der situation vor 30 jahren
vergleichbar. das muss ich wahl nicht naeher erlaeutern
2. ob software eine kunstform sein kann oder nicht, spielt keine rolle.
wichtig fuer mich momentan die position der netzkulturschaffenden im
soziokulturellen umfeld. da sehe ich einen handlungsbedarf der
kulturfoerderung.
3. es gibt wenig, wenig, sehr wenig, netzkuenstler die aktiv in der
netzkultur mitarbeiten.
4. auch die ars eletronica macht keine netzkultur.
Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Fre Nov 25 21:35:12 CET 2005
hier der versuch weiteren these:
1. gemeinsam gegenüber netzkunst und netzkultur stehen nicht
die kunstinstitutionen
diese haben, wie in diesem jahr sehr deutlich, beiden kategorien hohe preise
verliehen: “processing” - für eine malerei-relevante programmiersprache,
“bittorrent” - für ein kultur- und medienrelevantes sw-python-gelöt
2. gemeinsam gegenüber netzkunst und netzkultur steht der kunstmarkt
dass die videokunst, dann medienkunst, dann netzkunst, dann
softwarekunst trendgeburten von künsterInnen, dann
kunstinstitutionen, dann kunstgeschichtlern sind,
die die eigenen gesellschaftlichen und technischen möglichkeiten einiger
jahre in ihren angestammten formen wiederspiegeln (performances, festivals,
symposien, ausstellungen, kataloge usf.), das finde ich weder neu noch
grundsätzlich beklagenswert.
doch könnte es sein, dass bei netznetz / mana der KUNSTMARKT fehlen wird, um
an ihm ein entscheidendes kriterium der evaluation zu jurieren? und ist
dieser kunstmarkt z.Zt. nicht vielleicht von der netzkunst ähnlich weit
entfernt wie von der netzkultur, einfach weil websites oder
p2p-applikationen sich schwer in einer galerie ausstellen lassen?
ich weiß, es gibt einige damen und herren vonkunst, die hier mischkonzepte
anbieten, was ich völlig legitim finde - nur zeigt deren schleppender
erfolg eben doch, dass man wasser nicht erfinden und websites weder am
kunstmarkt handeln noch später im museum ausstellen kann - bisher nicht,
jedenfalls. und auch wenn es einzelpositionen gelingt - für markt effekte
muss es immer ein FELD an öffentlichen angeboten geben, welches in
materiellerer kunst zwischen sammler, kuratorin, großausstellung, galerie,
kunstpresse, theorieabteilung, usf. entsteht.
ja, und bei mana werden eben nur unsere interessen an den projekten der
anderen (weil die vielleicht besser sehen, weiter werfen, schneller rennen,
mehr wissen, schöner reden, schicker segeln, ehrlicher stinken oder was
immer) und unsere interessen an unseren projekten ziemlich allein
miteinander sein, nicht? ich wage jetzt schon zu behaupten, dass weniger als
5% aller geförderten projekte irgendwie direkt mit dem kunstmarkt in kontakt
kommen werden.
das würde bedeuten: das mediale problem (netzkultur ist immer und überall
und alle immer schwerer zu beindrucken) führt zu einem wirtschaftlichen,
denn nur das liebe steuergeld erhält über förderungen und lehranstalten
die produktion. Mir tut das persönlich manchmal leid, weil ich mir die
zukunft unserer studierenden zu schlecht vorstellen kann, erhole mich dann
allerdings auch schnell wieder, wenn dieser oder jene auftanzen.
was mich als nächsten denkschritt hier für netznetz interessiert:
wollen oder können wir das mit vereinten kräften ändern? z.B.: netznetz hat
erfolg, wenn möglichst viele unserer player möglichst bald auf den
großen festivals gewinnen und in institutionen unterkommen?
oder, im gegenteil,: gibt das interessanten vorhaben jetzt einige goldene
jahre, in denen ähnliche interessen sich schnell finden und dann effektiv
verwirklicht werden können, mit der gesichterten grundfinanzierung im rücken
und den realraum vor den flackernden augen?
–
fx - was genau stört dich an den netzkunst- betreibern? beuten die immer
noch programmierer aus? ich dachte, das war in den 90ern? aber etwas habe
ich glaube ich aus deinen früheren mails schon verstanden - du ortest hier
und da mogelpackungen, oder?
und reini - wenn du findest, die netzkünsterInnen sollten sich
verhaltensmäßig etwas feiner rausputzen, bevor sie das parkett des
congrès digital zu betreten wagen, wäre das nicht ein schönes kleines
projekt, um diesen kulturformen das denkmal eines programmierers zu setzen?
ich fände das für beide seiten erfrischend
was für mich einer der hauptgründe ist und bleibt, in dem haufen hier
mitbeobachtet zu werden : erfrischung. netznetz, mana, das ist,
grundsätzlich, frisch, das ist mentaler frühling.
und soll ich jetzt noch dazutippen : … äh, für MICH jedenfalls!
gut, bleiben wir demokratisch, auf dem boden, seien wir ehrlich:
ich sitze hier im licht einer 80-watt-lampe, draußen schneit es,
netznetz weiß nicht, wer oder was es ist, meine kräfte für das allgemeine
kehren langsam zurück, zuviel cola getrunken, die thermohose hätte ich
schon vor tagen anziehen sollen, nur der da, auf den das zutrifft
Andreas Leo Findeisen a.findeisen at akbild.ac.at
Fre Nov 25 22:26:50 CET 2005
ich finde die netzkünstler sollen sich etwas
weniger herausputzen und etwas mehr “netzkultur” zeigen.
mehr kultur im netz.
weniger kultur mit dem netz als transportmechanismus, als stichwortgeber,
als medium.
ansonsten spricht mir xav aus der seele.
Reini Urban rurban at x-ray.at
Sam Nov 26 16:08:24 CET 2005
es ist mir unbegreiflich wie man ueberhaupt darauf kommen kann die
schwammigen definitionen der kategorien des prix ars als grundlage
einer diskussion um netzkultur vs netzkunst zu nehmen. die wissen
doch selbst gar nicht was in welche kategorie gehoert und alles ist
ein brei, und es geht darum wer in der jury mehr einfluss hat, so
dass dann processing in net vision gewinnt, was doch sicher kein
kunstprojekt ist? gerade diese beliebigkeit des weltweit groessten
und aeltesten festivals hat ja die medienkunst zerstoert.
auch eine allgemeine diskussion um den unterschied zwischen
Culture und culture bringt uns nicht viel weiter. Was FX mit netzkultur
meint ist doch recht spezifisch, wenn man sich die liste anschaut.
vielleicht ist netzkultur nicht der ideale begriff dafuer, weil das zum
‘kulturellen’ missverstaendnis fuehrt, aber mir faellt im moment auch
nichts besseres ein.
tatsache ist, dass in den letzten 10 - 15 jahren die dynamik von der
netzkultur ausgegangen ist und dass FLOSS, hacken, freie netze
usw eine starke faszination auf viele junge leute ausuebt, die sich da
vorbehaltslos hineinwerfen, die sich das wissen um *x-basierte
betriebssysteme und internet aneignen und dinge entwickeln und
tun, diehaeufig von einer starken soziopolitischen ethik getragen
sind. deshalb gibt es betriebssysteme, server, cms, streaming tools,
etc. die persoenliche und kollektive ethik manifestiert sich da im
code.
da die meisten teilnehmenden aber keine kunsthochschulen besucht
haben, wuerden sie nie von selbst auf die idee kommen (manche
kommen dann spaeter schon auf die idee), das symbolische kapital
einzufordern, das ihnen eigentlich zusteht. das kunstsystem mit
seiner eingebauten egomanie und der fixiertheit auf geistiges
eigentum ist ihnen fremd.
was uebrigens noch ein anderes thema aufwirft, das der formalen
ausbildung. die hacker der netzkultur haben naemlich haeufig keine
und damit fallen sie automatisch aus gewissen
verwertungszusammenhaengen heraus. es ist z.B. schwierig als
hackerin professorin an der angewandten zu werden.
nun kommen also die netzkuenstler an, arbeiten mit dem material,
das die netzkultur produziert hat und eignen es sich an symbolisch,
diskursiv und praktisch. da gibt es dann also die beruehmten
kollaborationen, wobei die kuenstler ausstellungen machen, gefeiert
und gefoerdert werden, waehrend die programmierer als technische
gehilfen betrachtet werden. das ist natuerlich eine starke
generalisierung, deshalb muss ich hier nachhaken. es sind naemlich
meistens eh nicht die netzkuenstler, die die wahren ausbeuter sind -
von einzelfaellen abgesehen-, denn die netzkuenstlerinnen haben eh
ein hartes brot, sondern es sind bestimmte diskurs-athleten,
plattformen und vereinsmeier die in wirklichkeit alle zusammen
ausnutzen, den symbolischen mehrwert abschoepfen, die politischen
draehte haben, etc. derzeit will jeder plattform sein, ob in wien oder
london, und dann gibts fast keine kuenstler mehr auf diesen
plattformen, die fuer sie gedacht waeren.
eigentlich sind das aber alles fussnoten zu fx’s text. denn
zusammenfassend ist es so, dass die innovation und themensetzung
schon seit langem aus dieser spezifischen netzkultur kommt, von
der fx spricht. und eher kuenstlerisch oder auch philosophisch
theoretisch gestimmte leute sind naturgemaess sehr beeindruckt
davon und versuchen dann open source prinzipien auch in andere
gesellschaftliche bereiche zu uebertragen. was an sich kein fehler
ist, siehe z.B. WOS, was aber zu eklatanten fehlgriffen fuehren kann,
wenn undifferenziert mit begriffsmaterial umgegangen wird, das man
nicht wirklich verstanden hat. als bei der praesentation im depot z.B.
die phrase fiel, dass netznetz ‘open source demokratie’ betreibt, hat
es mich fast vopm stuhl gehauen.
was licht auf ein paradox wirft. die netzkulturleute, obwohl oder
vielleicht gerade weil sie der technik sehr nahe sind, wuerden sowas
nie sagen, weil sie die falche grundannahme hinter dem
technologischen determinismus verstanden haben -> technik als
blinde kraft des sozialen fortschritts. die diskurs-athleten und
festivalleiter hingegen operieren sehr wohl mit dieser formel und
haben diesen romantischen, mystifizierenden blick auf die technik.
nun muss ich aber dem ganzen noch einmal eine andere wendung
geben. wenn man einen erweiterten kunstbegriff hat, und den kann
man ja glaube ich voraussetzen, dann sind die werke der netzkultur
sehr wohl kunstwerke. ein werk wie das netz von funkfeuer ist weit
mehr als bloss technische infrastruktur, das kann man durchaus
auch als soziale skulptur, etc. blah blah begreifen. nur ist es
problematisch, wenn solche zuschreibungen von aussen kommen.
denn die da was zuschreiben haben meist wieder was eigenes im
sinn.
abschliessend moechte ich sagen, dass ich die groesste gefahr in
der spaltung sehe, nicht in der begrifflichen trennung von netzkultur
und netzkunst, die ich unterstuetze, sondern in der sehr realen
spaltung zwischen gruppen, personen, cliquen, die immer dann sehr
schnell eintritt, wenn geld ins spiel kommt. den herrschenden, also
der stadt wien, kann das nur recht sein, so nach dem alten motto
teile und herrsche. anstatt einer kritischen aufmuepfigen netzkultur
und -kunst haben sie es mit einem zerstrittenen haufen zu tun, von
denen die einen nur das geld wollen, waehrend sich die anderen
frustriert abwenden. lasst sowas bitte nicht zu.
Armin Medosch armin at easynet.co.uk
Sam Nov 26 11:34:55 CET 2005
Netzkunst/Netzkultur paperlapapp. Xav du schreibst Deine eMails über die
so dringend notwendige Klarheit zwischen Netzkunst und Netzkultur und
Deine Apelle, das sich die Künstler an den ProgrammiererInnen bedienen,
sozusagen die Netzkunst sozusagen am Nährzippfel der Netzkultur hängen,
direkt aus dem MedienKUNSTlabor, zuhause im KUNSThaus Graz.
Ich denke die wirklich großartigen Sachen die da in Deinem Kobel am
Grieskai stattfinden, finden deshalb statt weil genau das GEMEINSAM
stattfindet was Du eigenartigerweise irgendwie GETRENNT denken willst. Ich
versteh das nicht. Gerade die Praxis am Medienkunstlabor zeigt doch, dass
ProgrammiererInnen, Sysadmins, KünstlerInnen und (ja) auch
TheoretikerInnen hier eine gemiensame Praxis im und mit dem Netz und in
und mit den Netzen GEMEINSAM bzw. in BEZIEHUNG zueinander umsetzen.
Alles andere mag erlebte Geschichte sein - das klingt da durch - die man
erahnen kann - aber die doch keinesfalls als Brennglas für die Betrachtung
der Gegenwart dienen kann.
Thomas Thurner thomas at teichenberg.at
Son Nov 27 01:58:08 CET 2005
Auch schon w=C3=A4hrend der 90er erschien mir (und ich glaube ich bin da ni=
cht der=20
einzige) so ziemlich alles, was sich Netz- und Medienkunst nannte und vom=20
Hype unreflektiert mitziehen lies, grunds=C3=A4tzlich verd=C3=A4chtig, und =
es erzeugte=20
durchaus immer wieder Frust, den liebgewonnen Nostalgie-Demo-Szenen-Kitsch,=
=20
ASCII-Art, “Html-Kunst”, aufgedr=C3=B6selte Plattenspieler, Doom-Mods und p=
rotzige=20
Hacker-Inszenierungen in Gallerien und Grossausstellungen auffinden zu=20
m=C3=BCssen, wo sie sich derartiges dann auch gleich wieder sogut wie unver=
daut=20
wieder ausgespucken oder endlos reproduzieren liess. =20
In der jetzigen Stille nach dem Boom besteht allerdings, auch wenn das nun=
=20
aeusserst therapheutenschlau klingen mag, die M=C3=B6glichkeit das Ganze ne=
u=20
anzugehen. Gerade von einer kleinen Kybernetik-Tagung in Z=C3=BCrich zur=C3=
=BCck, f=C3=BChle=20
ich mich da ganz optimismusgeschw=C3=A4ngert - soweit mir das als Wiener e=
ben =20
m=C3=B6glich ist - denn nach den ganzen Cyber-Idiotien der fr=C3=BChen 90er=
Jahre,=20
jetzt zehn Jahre danach, fast 60 Jahre nach den Macy-Conferences, scheint=20
sich dort etwa eine Rezeption ganz anderer Art anzubahnen. Und in diesem=20
Sinne glauch ich ebenso, dass das gerade erst an der TU implementierte=20
Medieninformatik Studium sich erfolgreich aus dem Rotz des New Media Hypes=
=20
befreien kann (andererorts schliesst man derartige Studieng=C3=A4nge ja sch=
on=20
wieder), genauso wie die sogenannten Medienklassen der Kunstakademien.
Und vielleicht bekommt ja auch die Netzkunst ihren Arsch wieder hoch, ob mi=
t=20
CSS-Stylesheets oder ohne.
Armin B. Wagner armin at medien.akbild.ac.at
Mon Nov 28 13:26:17 CET 2005
kannst du das etwas genauer erklären? welcher art ist die rezeption
(konzeption?)? ich bin ja noch ganz verwirrt von diesem seltsamen
wiedererwachen der kyberneten nachdem dieses gebiet - zu recht wie
ich meine - ja duzende von jahren geschlafen hat bzw. nur von ewig
gestrigen weiterverfolgt wurde. kybernetische kreise machen mich noch
immer stutzig…
also: woher kommt dieser plötzliche aufwind der kybernese? ist es das
semantic web? und was ist dieses neue nun?
martin pichlmair pi at attacksyour.net
Mon Nov 28 15:07:15 CET 2005
paulgraham.comich bin ja der meinung die netzkunst hat sich wie jede
technologiebezogene kunst überlebt. es machen sicher noch einige
leute malerei die sich auf das malen bezieht und photos a la man ray.
aber der prozesskitsch ist halt immer nur von avantgardistischer
qualität und läuft sich dann irgendwann tod-. oder verkommt zur
reinen ästhetik.
zu der lustigen “wir müssen alles trennen und schubladisieren”-
debatte noch eines: allgemeine kategorien funktionieren nie
wahnsinnig gut (ist ein elektroauto ein pkw? ist eine
elektrogetriebenes kinderfahrzeug ein pkw? hybridautos? motorräder
mit 4 rädern?). daher hat auch der ansatz das von werk zu werk (bzw.
gruppe zu gruppe) zu machen viel besser funktioniert (x ist
netzkunst, y ist netzkultur). es wird so oft vergessen dass
kategorien immer zu einem bestimmten zweck geschaffen (zementiert)
werden - siehe etwa diesbezüglich die ars und ihre kategorien. sie
werden und können nur willkürlich definiert werden. also können wir
das einfach tun und versuchen mit gemeinsamer diskursgewalt den
begriff selbst nach notwendigkeit zu verschieben oder es sein lassen
generelle differenzen zwischen kunst und kultur zu suchen. oder wir
definieren eben nach belieben kriterien. die dann eben nicht _die_
wahrheit sondern _unsere_ wahrheit widerspiegeln - die reicht ja
auch. so allgemeine aussagen wie culture/Culture sind halt so schwach
und leer dass sie auch nicht wahnsinnig weit führen.
zum thema programmieren und kunst fällt mir auf dass der notorisch in
solchen diskussionen auftauchende verweis auf paul grahams “hackers
and painters” noch nicht gefallen ist. daher kommt der jetzt: http://
http://www.paulgraham.com/hp.html
martin pichlmair pi at attacksyour.net
Mon Nov 28 15:07:15 CET 2005
Weil die ´neue demokratische Kunst´ im Netz in all ihrer Vielfalt bis hin
zu zivilgesellschaftlichen Ansprüchen, Stichwort: Netzkulturen, eine
Widerrede gegen die kulturelle, wirtschaftliche und politische Hegemonie
ist - die ja ein Rationalitätsverständnis hochhält, das glauben machen
soll, dass es keine Divergenz zwischen Nutzenmaximierung und vernünftige
Verständigung gibt - wird diese neue demokratische Kunst im Netz von der
Hegemonie diskreditiert und in vielen Fällen kriminalisiert. Die Hegemonie
fürchtet ja seit jeher medienkompetente, so genannte “nicht-vermachtete
Akteure” (vgl. Schmid 1997).
den begriff “nicht-vermachtete Akteure” - quelle siehe unten.
(Schmid, Ulrich (1997): Medien - Innovation - Demokratie: Zu den
Entwicklungs- und Institutionalisierungsprozessen neuer Medien-Kulturen,
in: Barbara Becker/Michael Paetau (Hg.), Virtualisierung des Sozialen,
Frankfurt/M, New York.)
wer sich jetzt die muehe macht, obiges konzentriert zu lesen, wird leicht
nachvollziehen koennen, dass mit einer derartigen tiefenlage - was
grundsaetzliche fragestellungen anlangt - sich die diskussion darueber
eruebrigt, was welcher kategorie zuzurechnen sei - es bspw. keinen grund
dafuer gibt, dem kategorien-schema der ars electronica zu folgen - und
dass, wer ein/e protagonist/in dieser ´neuen demokratischen kunst´ sein
will, sich auch um keine institutionelle absegnung ihres/seines tuns zu
kuemmern braucht.
warum? weil diese ´neue demokratische kunst´ eine eindeutige rolle in der
aufloesung eines alteuropaeischen rationalitaetskontinuums einnimmt, und
endlich das tut, was avantgarden bisher immer gefordert und propagiert
haben. jetzt, wo es die entsprechenden technologien dafuer gibt, ist das
moeglich - und stoert die globale hegemonie gewaltig - siehe veranderungen
im internet.
mit dieser theorietechnischen tiefenlage - mit der fokussierung, dass diese
neue demokratische kunst obiger definition eine Widerrede gegen die
kulturelle, wirtschaftliche und politische Hegemonie ist - die ja ein
Rationalitätsverständnis hochhält, das glauben machen soll, dass es keine
Divergenz zwischen Nutzenmaximierung und vernünftige Verständigung gibt
(!!!), gaebe es gleich eine reihe von themen fuer eine veranstaltung, die
die bezeichnung symposium verdient, d.h. tatsaechlich reflexion zulaesst.
FER f.e.r at sil.at
Don Dez 1 22:10:15 CET 2005
“Es gibt also netzntetzler ,die stimmen nur ihrem Gewissen
verantwortlich in einem Modell mit, wo sie gewisse Kritrien in
demokratischen Votings akzeptiert haben und es gibt solche, die wollen
íhrem Gewissen gemäß nur abstimmen, wenn es KEINE “von außen” vorgebenen
Kriterien gibt, und sie nach ihren eigenen Kriterien entscheiden können.”
gut formuliert, und darin der lösungsansatz bereits enthalten: wenn die
anzahl der leute, die in einem system _mit_ fetgelegten kriterien leben
können eine teilmenge der leute von netznetz ist, sollten wir die
kriterien freistellen, wenn wir alle netz-künstlerInnen die chance geben
wollen dabeisein zu können.
das ist das sog. raucher/nichtraucher-problem.
wenn also jemand bei netznetz dabei ist, der von sich behauptet:”ich
kann überhaupt nicht entscheiden, wenn ich keinen verbindlichen
kriterienkatalog vor mir habe, den ich abarbeiten kann”, dann möge er
sich zwecks therapeutischer betreuung bei mir melden.
es gibt andrerseit genug leute bei netznetz, die den tabakqualm der,
sich um die richtigen kriterien zerbrechenden köpfe kaum aushalten.
wechselstrom - christoph theiler wechselstrom at machfeld.net
Sam Dez 10 20:28:32 CET 2005
Antwort der Gruppe Or-Om aufgrund des “Option Democrators”: Wir sind da noch nicht an dem entscheidenden Punkt.
Schrittfolge:
1)Die Community hat ein majority voting hinter sich, in dem mehrheitlich entschieden wurde: demokratisch hergestellte Mehrheitsverhältnisse in einer Frage (Inhalt) sind Gegenstand des Handelns für die Community. Die überstimmte Minderheit bildet eine Opposition und kann versuchen bei einem künftigen Voting (regelmäßig einzuleiten) selbst eine Mehrheit zu bekommen.
2) Aufgrund von 1) wird z.B. die Frage zur Abstimmung gestellt: Bist Du für diese Kriterien X bei der Beurteilung der Projektanträge zur Förderung (Option 1), oder bist Du dafür, dass man keine Kriterien anwendet (Option 2).
3) Ergebnis: eine Mehrheit nach 1) stimmt für Option 1. Daher wird bei der Vergabe der Förderungen der Kriterienkatalog X angewendet. Die überstimmte Minderheit kann zwar das Ergebnis für pathologisch halten, in einem demokratisch organisierten Konnex bleibt aber die Lösung nach Option 1 so lange für die Praxis relevant, bis die Minderheit beim nächsten Wahlgang zur selben Frage, nach der festgesetzten Zeit FÜR IHRE OPTION 2 EINE MEHRHEIT ERWIRBT.
Es geht also nicht um die Überlegung:”Ich kann überhaupt nicht entscheiden, wenn ich keinen verbindlichen kriterienkatalog vor mir habe, den ich abarbeiten kann”, sondern die Community stellt die Frage von sich aus zur Wahl. Die Frage nach den Kritierien ist nicht eine “innerpsychologische” eventuell sogar pathologische Zwangsvorstellung einiger Typen, sondern die Kriterienfrage ist im pragmatischen Zusammenhang bei der Vergabe von Preisen, Fördergeldern usw. eher eine derzeit “übliche Praxis”, wie man auch dazu stehen mag.
“Option Democrator” unter http://or-om.org/netzoptionen.pdf
English version: http://or-om.org/netzoptions.pdf
Or-Om or-om at chello.at
Son Dez 11 17:47:23 CET 2005
Es geht also nicht um die Überlegung:”Ich kann überhaupt nicht
entscheiden, wenn ich keinen verbindlichen kriterienkatalog vor mir
habe, den ich abarbeiten kann”, sondern die Community stellt die Frage
von sich aus zur Wahl. Die Frage nach den Kritierien ist nicht eine
“innerpsychologische” eventuell sogar pathologische Zwangsvorstellung
einiger Typen, sondern die Kriterienfrage ist im pragmatischen
Zusammenhang bei der Vergabe von Preisen, Fördergeldern usw. eher eine
derzeit “übliche Praxis”, wie man auch dazu stehen mag.”
danke für das mail.
inzwischen sind wir vom entscheidenden punkt noch mehr entfernt:
die frage ist: wird durch die bindung an einen auftrag, bzw an einen
kriterienkatalog die gewissensfreiheit eingeschränkt oder nicht. es geht
also um soetwas wie die abwägung von rechtsgütern; daher der vergleich
mit dem raucher/nichtraucher-problem.
die freiheit tabak zu qualmen steht nämlich hinter dem recht auf
gesundheitliche unversehrtheit, denn es ist rauchern durchaus temporär
zuzumuten auf den glimmstengel zu verzichten, zumal in öffentlichen
gebäuden. und deshalb lässt sich dieses problem zwar nach euerem schema
lösen, entfernt aber durch die ungenaue fragestellung das, um was es
eigentlich geht, nämlich um den schutz der persönlichen entscheidung
also um die gewissensfreiheit.
und das habt ihr auch erkannt, wenn ihr euch auf die “derzeit”übliche
Praxis”" bezieht.
wechselstrom - christoph theiler wechselstrom at machfeld.net
Mon Dez 12 00:13:06 CET 2005
Die Option (1) von Christoph scheint zu sein: “Wer Kriterien bei der Vergabe fordert (Kriterienkatalog oder Bindung an einen Auftrag) verletzt bereits den Schutz des Grundrechtes auf Gewissensfreiheit. Durch diese Verletzung der Gewissensfreiheit darf die Community die Frage nach der Einführung von Kriterien für die Vergabe von Fördergeldern ÜBERHAUPT GAR NICHT ZUR ABSTIMMUNG BRINGEN, WEIL SIE UNDEMOKRATISCH IST UND DIE GEWISSENSFREIHEIT EINSCHRÄNKT. Daher sollte diese Option mit Kriterien überhaupt nicht zur Abstimmung gelangen.”
Wenn man aber diese Option (1) vertritt, dann wird es umgekehrt auch problematisch. Denn: Wie sollte man dann von den Cummunity-Mitgliedern verlangen, dass sie für die Verteilung der Fördergelder den von Christoph geforderten Modus “Community the Game” legitimieren können. Durch die Vielzahl der Kriterien und Regeln des Spiels wird doch die Gewissenfreiheit sehr wohl und zwar in sehr komplizierter Weise eingeschränkt. Warum sollte der Kriterien- und Regelkatalog des Games nicht genauso als undemokratisch gelten müssen. Die Diskussion zwischen Christoph und anderen Mitgliedern in Netznetz belegt doch genau, dass viele andere dieses Game in vieler Hinsicht auch für problematisch halten, vor allem in der Frage, ob hierbei die Mitteln besser verteilt werden.
Christoph könnte noch sagen: “Ja, beim Game gibt es auch Kriterien und Regeln, aber das sind andere, demokrastischere, oder nicht auf die Inhalte der Projekte bezogene.” Das wäre aber eine Argumentation, nach der eine weitere Diskussion nur schwer zu führen wäre.
Das Problem geht aber noch tiefer: Auch die Forderung, KEINE Kriterien zu fordern, IST SELBST WIEDER EIN KRITERIUM, DAS MAN AUCH NOCH SEHR STRENG BEACHTEN UND ADMISTRIEREN MÜSSTE.
Or-Om or-om at chello.at
Mon Dez 12 13:58:40 CET 2005
Der Satz vom Rechts-Links-Schema bezieht sich nicht auf die Texte im “Option Democrator” sondern auf eine Zeile Stefan Lutschingers, wo er die Begriffe “Fundi-Realo” auf Andreas Kohl bezogen hat.
Die philosophischen, logischen und vor allem sozialtheoretischen Positionen der Gruppe Or-Om werden im Rahmen des papers für das Sprintosium (Option Democrator) *überhaupt nicht* thematisiert oder angedeutet. Diesbezüglich müsste jeder gebeten werden, sich die Webseite anzusehen.
Das Anliegen von Or-Om für das Sprintosium ist sehr viel eingeengter darauf gerichtet, NUR MIT DEN FORMULIERUNGEN DER JEWEILIGEN VERTRETER ALLE Optionen in den Konfliktzonen A bis D pragmatisch genau aufzulisten. Alle diese Positionen werden dabei als solche ausdrücklich respektiert. Dabei wird keinesfalls eine rechts/links Binärität benützt. Dazu sind die Optionen viel zu komplex. Die Gruppe Or-Om muss sich beim mapping der dargestellten Sachverhalte nicht an diesen Schematisierungen orientieren, sondern die Schematisierungen haben die jeweiligen actors *selbst erzeugt*. Man kommt sicher nie um Schematisierungen herum ( dies ist selbst eine sehr grundsätzliche erkenntnistheoretische Frage, die man bis jetzt in unterschiedlichster Weise zu lösen versuchte).
Die hier benützte Schematisierung der Optionen in den Konfliktfeldern A bis D hat aber folgende Absicht: Wenn Lösungen in der Optionenvielfalt und ihren Spannungen möglich sein sollen, dann muss man sich sehr pragmatisch mit den INHALTEN aller dieser Optionen auseinandersetzen. Aber nochmals: das Schema ist nicht rechts/links sondern wesentlich komplexer!
Or-Om or-om at chello.at
Son Dez 11 01:06:37 CET 2005
hier mein vorschlag für die definition eines netzkulturprojektes:
ein kulturprojekt ist dann ein _netz_kulturprojekt, wenn es folgende
bedingungen erfüllt:
a die handlung oder unternehmung, auf die das projekt aufbaut ist zu
einem überwiegenden teil im kulturkontext verankert.
im kulturkontext verankert ist eine unternehmung dann, wenn
gestalterische elemente klar erkennbar im vordergrund stehen.
b. ein netzkulturprojekt muss ein prozessualer charakter eigen sein;
d.h. es bezieht seinen kulturellen impuls aus der möglichkeit ständiger
veränderung.
c. in einem netzkulturprojekt ist die existenz von schnittstellen zwingend.
eine schnittstelle ist eine möglichkeit, die es personen oder
personengruppen erlaubt, während der projektdauer von ausserhalb
anzudocken, um gezielt einfluss auf das projekt und den projektverlauf
nehmen zu können.
d. eine tragende säule für ein netzkulturprojekt ist die kommunikation
im öffentlichen bzw teilöffentlichen raum (hierzu zählt auch die
virtuelle öffentlichkeit via internettechnologien)
projekte, die dieser definition genügen sind vor allem im bereichen wie
digitale kunst, digitale communities, net(work) art, coding culture,
cross media arts und net activism angesiedelt.
für die definition von netzkunst wäre zusätzlich zu a., b., c. und d.
noch erforderlich, dass:
e. ein netzkulturprojekt wird dann zu einem netzkunstprojekt, wenn es in
den ästhetischen diskurs eingang findet und sich dort verankert.
der eingang in den netzkulturellen ästhetischen diskurs ist dann
gewährleistet, wenn die bedingungen der netzkultur erfüllt, wenn
mindestens 3 leute von ausserhalb daran beteiligt sind und wenn davon
mindestens eine person das attribut “kunst” dem projekt beiordnet.
ob wir eine definition von netzkunst brauchen, glaube ich nicht, da bei
der entscheidung über den zugang zum mana community game nur darüber
befunden werden soll, ob sich das projekt, das zur diskussion steht im
netzkultur(en)-bereich befindet.
wie gesagt: eine zugangsbeschränkung müssen wir einführen, denn der
fördertopf ist für netzkulturen vorgesehen, und das müssen wir
berücksichtigen.
mein definitionsversuch lässt immer noch raum für beispiele, die einen
grenzfall darstellen, aber wie gesagt: im zweifelsfall plädiere ich für
den/die bewerberIn.
wechselstrom christoph at wechsel-strom.net
Sam Feb 25 20:58:08 CET 2006
1) Kunst? Die meisten Projekte die eingereicht wurden, haben meiner
Auffassung nach nicht wirklich etwas mit Kunst zu tun, sind auch
ausdrücklich nicht so gekennzeichnet. Ich finde es sehr fragwürdig,
solche Projekte mit Budget aus dem ehemaligen Medienkunst-Topf zu
fördern. (Siehe auch
http://listen.esel.at/pipermail/liste/2005-November/002123.html )
gloria dürnberger
Son Apr 2 01:19:59 CEST 2006
Es geht auch nicht nur um Netzkunst sondern auch NetzKULTUR. “netznetz
Backbone Projects
provide nessecary infrastructure for groups or
individuals working in the field of netculture and/or netart in
Vienna.” (Zitat aus dem Call) Mir fehlt viel eher bei manchen
Projekten der direkte Netz-Bezug.
Christoph Graf
Son Apr 2 17:59:08 CEST 2006
kunst ist ja nicht unbedingt nur ein »gruppaler« infekt und gewinnt an
qualität durch masse.
TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Tue Apr 25 10:35:20 CEST 2006 mond-discuss
nicht vergessen:
es ist ein foerdermodell fuer _netzkulturen_
das ende der nahrungskette jg at monochrom.at
Tue Apr 25 10:50:37 CEST 2006 mond-discuss
zur beurteilung künstlerischer qualität ist voting
einfach nicht geeignet.
Stefan Nussbaumer stefan at basislager.org
Don Apr 27 16:38:46 CEST 2006
> volle zustimmung. zur beurteilung künstlerischer qualität ist voting
> einfach nicht geeignet.
deswegen backbone grants auf ein vernünftiges maß ausbauen, und für die
projektgrants ein trustee modell einführen.
damit wären dann sowohl netzkunst (ein voting funktioniert hier ganz
klar nicht als qualitätsmaß), als auch netzkultur (hier scheint ein
voting besser als eine jury zu funktionieren) vernünftig förderbar.
denn wie wir es drehen und wenden, es waren mehrere verschiedene arten
von projekten beim CG interessant und förderungswürdig, und mir hat
dieses auffahren von fronten zwischen netzkultur und netzkunst überhaupt
nicht gefallen.
ich hab das gefühl, dass vielfalt eine der hochhaltenswertesten
eigenschaften dieses tätigkeitsfeldes ist, und wir uns nicht wegen
schlecht designten fördersystemen zerspalten lassen sollten.
in wirklichkeit sind die gruppen doch bunt durchgemischt. personen die
nicht in mehr als einem verein oder gruppe tätig sind, sind doch fast
die minderheit. gerade im metalab wollen wir insbesondere eine bunte
durchmischung verschiedenster bereiche und menschen an physischen orten
fördern, damit dadurch neues entstehen kann.
deshalb waren auch die hochrechnungen bullshit. viele von den leuten die
uns in den hochrechnungen zugeschrieben wurden, haben gar nicht oder nur
zu teilen
‘Kunst auf dem Netz’ ist keine Netzkunst. Sie nutzt das Netz wie beliebige
andere Medien. So werden im [WWW] - World Wide Web Projekte und Werke
analoger oder digitaler Kunst vorgestellt, die im Prinzip auch ohne Netz
möglich wären. Eine eigenständige künstlerische Auseinandersetzung mit Netz
oder Netzwerk nicht vor bei: Angewandter Kunst mit Webseiten (Applied
Webart) im Dienst der Werbung; Seiten für Künstlerkontakte; Verwendung des
Begriffs ‘Netzkunst’ aus Statusgründen, usw.
http://de.wikipedia.org/wiki/Netzkunst
“Gloria Dürnberger” gloria.duernberger at gmx.at
Fre Apr 21 23:19:12 CEST 2006
unsere anforderungen wären:
z.b. webspace einrichten, datenbanken anlegen und deren auswertungen
bzw. oberflächen fürs netz programmieren, perfekt gestaltete! foren und
mailinglisten bzw. mailings programmieren, webseiten entwerfen und
programmieren [webdesign], texte [fürs netz] schreiben [textdesign],
musik [fürs netz] komponieren und selbst produzieren,
experimenalvideos/flash-grafiken selbst erfinden, produzieren, streamen
und ins netz stellen. 3-D animationen erstellen, vielleicht noch
nebenbei spiele programmieren und zum schluß auch noch – nur so zum
drüberstreuen – soziale- oder kulturelle projekte anleiern. ach ja, was
ist mit interaktiv – da habe ich ja den kulturellen nutzen für dritte
ganz außer acht gelassen.
TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Mon Apr 24 12:58:09 CEST 2006
ich würd mal dringend ergänzen:
- über gezielte kooperationen gewährleisten, dass skills, die er oder
sie nicht selbst hat, einfliessen
- oeffentlichkeiten suchen bzw. schaffen, wo spezifische rezeption
jenseits konventioneller konsumverhaltens möglich ist
- dass die strukturellen möglichkeiten auch nachhaltig verfügbar bleiben.
und notwendige abgrenzungen und (paradox aber wichtig:) zugleich
schnittstellen zu bisherigen modellen von KUNST schaffen.
eSeL esel at esel.at
Mon Apr 24 13:14:04 CEST 2006
>Sollen mehr “geniale Einzelkämpfer” netznetz Projekte gefördert werden,
>
>Soll also ein demokratisches Wahlsystem erfunden werden, daß gute
>Einzelprojekte
>ohne eine Menge von Befürwortern (”der geniale Erfinder in der
Heimwerkstube”)
>auf Kosten von Großprojekten - vulgo Communityprojekten - vulgo
>Bandbus - diffamierend “Freunderlwirtschaft” bevorzugt? Bei Geld hört
>sich bekanntlich die Freundschaft auf.
doch, genau darum geht es.
einzel-künstler bzw künstlergruppen (die schon immer zusammen gearbeitet
haben) sollen mit den network-grants
eine sogenannte “spitzenförderung” bekommen.
damit ist nicht gemeint, dass sich leute zusammen tun und dann einen (pro
nase) mittelmässigen microgrant erwählen.
dafür sind eben die MICRO-GRANTS (bis 5000 Euro) da.
die gibt es, wie auch schon mehrmals erwähnt, bei der MA7 direkt.
wenn man anfängt mit den network grants wieder peanuts zu verteilen,
wirds echt mühsam.
abgesehn davon sollte wirklich auch geprüft werden WAS man fördert …. !
Judith jdth at jdth.net
Mit Mai 3 15:39:19 CEST 2006 in Antwort an Reini Urban
Die Grenzen des Feldes müssen gezogen werden, sonst stossen wir
auf das Inklusionsparadoxon. Ob bspw. Onlinejournalismus Netzkultur
ist, wäre eine interessante Frage. Eine Trennung der Sektoren Medien
und Kultur wird ja derzeit seitens vieler MedienherausgeberInnen
gefordert, gegen unreflektierte ‘Generalforderungen’, im Sinne einer
Medienhauptstadt Wien (!) - total ahnungslos - alle Bereiche, die mit
‘Medien’ zu tun haben, zusammenzudenken. Eine gelungene Definition
des Feldes Netzkultur würde jedenfalls für netznetz
Distinktionsgewinn bedeuten.
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.at
Fre Mai 5 17:29:00 CEST 2006
es muss einmal (und dann laufend) erfasst werden, welche
richtungen/sparten es im diesem gesamtspektrum gibt.
schon dabei muss augenmerk darauf gerichtet werden, dass später ein
gesundes verhältnis von förderung produzierender künstler einerseits und
förderung von projekten, die auf produzierte kunst aufsetzen - wie
kunsttheroretische/-analytische, interpretierende, vermittlungs- und
veranstaltungskonzepte - andererseits gewährleistet ist. ein gesundes
verhältnis wäre 75% für die schaffung von kunst und der rest für
verwertung und vermittlung.
TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Don Mai 18 18:42:31 CEST 2006
6
Wann, von wem und wo wurde umfassend und nachlesbar definiert, für
welche Kunst-/Kulturbereiche das neue System angewendet wird?
Wer entscheidet im einzelnen Fall nach welchen Richtlinien über die
Zuständigkeit und damit Zulassung oder Abweisung der Einreichungen?
[doch nicht das 3-köpfige Validationsgremium alleine ohne exakt in
seiner Anwendung überprüfbares Regelwerk?]
7
Wie wurde bei Projektbeginn die genaue Zusammensetzung der Community
erhoben, wo wurde das Ergebnis dieser Recherche überprüf- und
korrigierbar dokumentiert, gelistet? Welche Untergruppierungen wurden
bei der nachfolgenden Analyse der Zusammensetzung der Community
eingeführt?
8
Welche Gedanken hat sich das Personenkomitee darüber gemacht, ob und
welche Gruppen hier Vorrang oder Mehrgewicht beim Anspruch auf
Fördergelder haben sollen? [z.B.: sind gerade im Bereich der Netzkultur
die Produktion von Kunst und die Bildung von Realraum gleich wesentlich?
Ist die theoretische Analyse, die auf das Vorhandensein von produzierter
Kunst angewiesen ist, hier genauso förderungswürdig wie die
Kunstproduktion selbst, obwohl für wissenschaftliche Arbeit auch andere
Quellen angezapft werden können? etc.]
TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Don Jun 8 22:11:52 CEST 2006
ich bin sicher als Medienkünstlerin Einzelgängerin - Aussagen wie Deine
bedeuten, dass Du in einer Förderpolitik gegen oftmals die innersten
Kerninhalte und -prozesse eines Kunstschaffens sprichst, und ich möchte
mich an dieser Stelle zum dutzendsten Male nochmals deutlich dagegen
aussprechen, dass ein Grad an Vernetzung irgendetwas über die Qualität
von Kunst erzählt oder einfach generell auf ein Spektrum an
Kunstschaffen als kunstbeschreibendes Kriterium anwendbar wäre.
Solches Kriterium mag für manche Projekte gelten, für sehr, sehr viele
gilt es nicht.
Ein hoher Grad an Vernetzung ist meist dann möglich, wenn Budgets
vorliegen (so wie jetzt zum Beispiel gerade bei all jenen, die sich
durch die Gemeinsamkeit der Geldentnahme aus den Budgets CG und BB
kennzeichnen) oder auch eine räumliche Nähe wie in der q21 oder auch
vielleicht sogar Konkurrenz zu project spaces, die nicht im Zentrallager
Museumsquartier angesiedelt sind - das wird sich sicher noch weisen …
oder dieser Grad ist meist dann hoch, wenn es gar kein Geld gibt (auch
eine Methode; ob sie für eine Stadt wie Wien, die von einem glänzenden
und scheinenden Tourismus nicht ganz unabhängig ist, sich empfiehlt, sei
dahingestellt).
Weiters wird gerade ein Grad an Vernetzung und damit Kapazität des
Aussenauftritts und damit von Image und Reputation nicht zuletzt oftmals
gerade von VeranstalterInnen, die Teilnahme von KünstlerInnen benötigen,
um ihren Ruhm zu bauen, und solchen Leuten geschätzt, die sich gerne als
KuratorInnen sehen (würden) - u.a. auch in finanzieller Hinsicht -, um
sich gleichzeitig durch solche Tätigkeit sogar künstlerisch aufgewertet
sehen zu möchten.
Mit interessantem Kulturschaffen hat das ursächlich meist gar nichts zu
tun. So hat eine sogen. Intelligentsia oder Avantgarde noch nie
funktioniert - die Theoretiker, mit denen ich tlw. langjährige dbzgl.
Diskurse geführt habe, mögen nach wie vor versuchen, mir das Gegenteil
zu beweisen.
Mit PR-Wert hat das alles natürlich sehr viel zu tun.
Lieber Andreas,
Du weißt, dass ich gut verstehe, wenn ProgrammiererInnen sich natürlich
darüber freuen, wenn es nun auch für sie Förderung gibt. Du weißt auch,
dass ich das sehr befürworte, und ich war immer eine Vertreterin dafür,
dass neue Ressorts zur Förderung innovativer Technologieentwicklungen
geschaffen bzw. bestehende ausgebaut werden, durchaus in einem rein
experimentellen Ansatz.
Solcher Ansatz kommt ja letztlich auch einem - in einer freien
Marktwirtschaft angesiedelten und damit sehr teurem - weiteren Ausbau
einer technologisch-urbanen Infrastruktur sehr zugute.
Wenn Du aber sagst, dass man als ProgrammiererIn nur dann zu Förderung
kommt, wenn man sich als KünstlerIn per Berufsbezeichnung definiert, und
gleichzeitig dabei forderst, dass es mehr Wirtschaftsförderstellen für
Vernetzung braucht, dann vergisst Du dabei 2 wesentliche Dinge:
a. alle ProgrammiererInnen, die jetzt aus BB und CG Geld bekommen haben,
haben Fördergelder aus der Kunstförderung erhalten.
b. Übrigens durchgängig wesentlich besser als in der Kunst dotierte
Wirtschafts- und Technologieförderstellen gibt es, und ein Ausbau wie
eine - sicherlich jeweils individuell und operativ entschiedene
transdisziplinäre Vernetzung schadet sicher nicht, im Gegenteil;
In einer Vermischung jedoch genau von einem Ressort zu sprechen, das
eine öffentliche Verantwortung eben genau KünstlerInnen gegenüber hat,
bedeutet, eine Argumentation zu unterstützen, die sehr leicht dahin
führen könnte, dass KünstlerInnen gezwungen sind, genau unter solchen
Förderprogrammen produzieren zu müssen, ohne in irgendeiner Weise die
Voraussetzungen aufweisen zu können, die notwendig sind, um solche
Förderprogramme - im übrigen jedenfalls gewinnbringend - zu bedienen.
Das halte ich für fatal; und jede/r aus der “Szene”, die/der - vor allem
in einer Ausschliesslichkeit oder auch nur in einer Priorität - das
fordert, ohne Zielgruppen und ohne Ressorts ganz deutlich voneinander
abzugrenzen, sondern in einer unklaren Vermischtheit zu bedienen - und
das hat nichts mit Transdisziplinarität zu tun -, unterstützt aber
entsprechende kulturpolitische Entwicklungen. Insofern würde ich über
die Argumentationslinie nochmals genauer nachdenken.
Hallo Herbert, lieber Wolfgang, liebe Liste - etwas verspätet, aber
trotzdem (mir) wichtig:
natürlich kann Analyse nicht schaden, allerdings wird meines Wissens
nach bei netznetz keine Analyse unternommen, sondern ein System soll
implementiert werden, bevor eine Analyse unternommen wird. Insofern
dient hier eine “Szene” als Versuchskaninchen.
Oder: Wir können im Zusammenhang mit netznetz nicht von einer seriösen
Analyse oder einer Studie sprechen.
Dagegen hätte ich z.B. nichts einzuwenden gehabt, im Gegenteil - ich
denke, das wäre eine seriöse Budgetierung wert gewesen - wahrscheinlich
nicht so teuer wie netznetz - aber irgendwelche 50.000,– wäre wohl in
der Wissenschaft ein adäquater Preis gewesen.
In meiner Argumentation beziehe ich mich weiters in keinem Moment
darauf, ob es von Vorteil oder von Nachteil ist, ob jemand in einer
“Szene”, etwaig definierbar als Branche, anheim (was auch immer dies
heissen mag - angesiedelt, sich zugehörig fühlend, vorrangig in dem Feld
aktiv, etc.) ist - ich denke, jede dieser Positionierungen hat Vorteile
und Nachteile.
Jedoch abgesehen davon, dass die bisherig erprobten Voting Verfahren und
Social Reputation Systems (im Unterschied zu Games genannt) ja deutlich
schon bei einem Grundkriterium kläglichst gescheitert sind, nämlich bei
der Definition der Begriffe Medienkunst und dem neu eingeführten Begriff
Netzkultur - den ich - wie gesagt und schon wieder nochmals - von Anfang
an opponiert habe, weil ich nichts davon halte, Kunst an ihrem Grad an
Vernetzungskapazität zu beurteilen - man sieht, die Katze beisst sich
immer wieder in ihren eigenen Schwanz -, halte ich es auch für fatal,
wenn VertreterInnen von Kulturschaffenden - auf finanzierter Basis -
einen Duktus an verharmlosender Naivität pflegen, den ich für ebenso
riskant halte wie jenen der Diktatorschaft, der in Wirklichkeit
Eigeninteressen durchsetzen möchte, und sich dabei auf eine
Argumentation ideologischer Moralitäten im Kontext Kommune,
Partizipation und Selbstverwaltung - bei durchgängig prekären
Wirtschaftssituationen künstlerisch tätiger Personen - stützt.
Und dies unter Befürwortung und Weiterverfolgung von Argumentationen und
Erprobnissen, die sich deutlich als nicht funktionstüchtige Basis, und
dies bereits über einen sehr langen Zeitraum herausgestellt haben. Dies
lässt mich skeptisch bleiben gegenüber der Chance auf Entwicklung von
konstruktiv-funktionstauglichen Vorschlägen bzw. halte ich so manche
Fragen inhaltlich wirklich für viel einfacher und damit netznetz für
sehr teuer - es sei denn, dieser Prozess rechnet letztlich wirklich aus
völlig anderen Gründen, das mag leicht sein.
Ich schätze als ebenso fatal ein, wenn man sich auf die “reine
Wissenschaft” und “die Abgegrenztheit des operativen Einsatzes”
zurückzieht und damit glaubt argumentieren zu können, ob es
rechtfertigbar ist, an einem Prozess (wie war das mit der Gauge ? ….)
mitzuwirken und diesen weiterzutransportieren oder nicht.
Ich bin sicher keine Anhängerin davon, dass Existenzen von Betroffenen
ein interessantes Studienfeld für akademische (oder auch
nicht-akademische) (Medien-, Kunst-, Wirtschafts-) oder sonstige
WissenschafterInnen darstellen, wenn dabei gleichzeitig mit Existenzen
gespielt wird.
Die gleichzeitige Vergabe von Fördergeldern und die Durchführung eines
Experiments bleibt ein weiteres Grundkriterium, das grobe Probleme
stellt, die nicht umschiffbar oder auch lösbar sind, es sei denn, durch
eine klare politische Entscheidung.
(In diesem Sinne, Johannes, braucht es einfach eine gewisse Chuzpe zu
sagen, es ist nett, (bis dato offiziell nicht wirklich fixierte
500.000,– - danke an Einspielungen bei Radio Orange) als Budget für ein
Experiment zur Verfügung zu haben und dabei zu vergessen, dass man nicht
ein Budget für ein Projekt beansprucht, sondern den gesamten Fördertopf
eines Förderressorts, aus dem man als aktive BetreiberInnenorganisation
der Voting Entwicklungen selbst geschöpft hat und aus dem man weitere
100.000,– zu verwalten hat - von wegen, welcher Bandbus ist hier
integrer oder legitimierter als der andere …).
Alle weiteren Kriterien, die sicherlich in der Phase einer Definierung
der Zielsetzung, noch lange vor einem SW-Design, geschweige denn einer
Programmierung, zu definieren wären und waren, konnten bis dato nicht
festgelegt werden.
kanonmedia office at kanonmedia.com
Sam Jun 10 18:30:54 CEST 2006
wien.gv.atNennen wir es lieber “Kulturfoerderung”, so wie es jahrelang auf der
Website der Stadtverwaltung zu lesen war (s.u.). Nicht jedes kulturelle
Projekte muss den Kunstanspruch erheben, auch wenn es unter einem
solchen Schild wahrscheinlich leichter durchging. Schon klar, dass es
den Damen und Herren Kuenstlern lieber waere, wenn der Topf als reine
“Kunstfoerderung” zu betrachten waere.
Ich tue mir schwer mit der Abgrenzung, ist fuer mich persoenlich aber
keine essentielle Frage. Natuerlich soll die reine Technologie/
Innovationsfoerderung (im wirtschaftlichen Sinn) damit nicht auch noch
vermischt werden.
Peter Kuhm peter at null.priv.at
Sam Jun 10 21:15:58 CEST 2006
>> - Das Auswahlverfahren differenziert nicht ausreichend zwischen
>> Netzkultur und Netzkunst
>>
Kunst ist ein Teil der Kultur, somit ist diese Frage eher ein
mathematisches Problem aus der Mengenlehre; eine ‘Differenzierung’
stellt die falsche Epistemologie dar: eine kulturpolitische
Interessensvertretung (!) sollte, so möchte man doch annehmen, in
diesen Fragen ’sattelfest’ sein.
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.at
Mit Jun 21 18:14:26 CEST 2006 in Reaktion auf die Stellungnahme der IG Kultur Österreich vom 21.06.06
wir orten bei diesem modell einige grundsätzliche schwächen in
bezug auf den “spezialbereich kunstförderung”. so könnte man bei diesem
modell zum thema kunstförderung “besser würfeln” eintragen.
wer entscheidet in unserer zwangs-community mit welchem spezialwissen
über kunst, ob ein kunst-vorschlag innovativ oder ausreichend
individuell ist, ob es diese idee nicht schon viel besser ausgeführt von
einem anderen künstler gibt und ob aber das konzept nicht doch noch
einiges richtungsweisendes, avantgardistisches enthält.
wer aus dieser community kann reine geschmacksfragen aus diesen
entscheidungen heraushalten und fachspezifisch objektiv urteilen?
TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Son Jul 2 09:52:46 CEST 2006
> Netzkunst und -kultur ist ein sich ständig inhaltlich und formal wandelndes
> amorphes Gebilde. Was heute für viele scheinbar universelle kulturelle
> Gültigkeit besitzt, wird durch avantgardistische Unterströmungen oder die
> Einführung neuer Technologien bereits morgen ad absurdum geführt.
>
> ganz ähnlich steht das auch in den einleitenden worten zum community game
und
> zwar im faq-papier, wo eine definition von netznetz erreicht wurde. Ihr
> versucht eine definition von netzkultur, bzw. netzkunst ( netzkunst und
kultur
> ist … ), wobei die oft zitierte und oft eingeforderte unterscheidung von
> beginn an fehlt. die definition von netzkunst und kultur ist imho eine
> sache, die mit absicht bei netznetz offen ist das community game baut
> geradezu auf die freiheit, dass jede/r selbst entscheiden und definieren
> kann, was netzkunst und kultur ist. Das war in den anforderungen des
> validierungsgremiums auch verankert, wo jede/r selbst seine/ihre
> netzkulturtätigkeit darstellen und damit eben auch umreissen/definieren
> sollte.
>
> Lassen wir euere definition von netzkultur als einem sich ständig wandelnden
> inhaltlichen und formalen gebilde stehen (mir gefällt diese definition
sehr),
> dann sollten wir sie auch auf das soziales system netznetz spiegeln und vice
> versa. das bedeutet aber auch, dass feste strukturen diesem prozesshaften
> geschehen nicht unbedingt zuträglich sind.
>
> Date: Tue, 04 Jul 2006 19:18:31 +0200
> From: wechselstrom
> To: office at transmitter-x.org, x-x at grafzyx.at
> Subject: fragen von graf und zyx, die alle interessieren
Man könnte ja mal bei den wikipedia-definitionen ansetzen, und schaun ob|was
für mana dran passt und|oder was nicht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Netzkultur
http://de.wikipedia.org/wiki/Netzkunst
heidi hu heidihu at gmx.at
Son Jul 9 13:46:37 CEST 2006
und vor allem:
die wikipedia umschreiben, wenn die begriffe nach unserem konsens
noch nicht richtig definiert sind.
dann sehen wir gleich, ob unser verständnis der beiden begriffe
dem allgemeinen verständnis im deutschen sprachraum entspricht.
Franz Ablinger fra at monochrom.at
Son Jul 9 14:06:14 CEST 2006
Warum heißt es nicht mehr Netzkunst/Netzkulturen?
Was bedeutet dann künstlerischer Werdegang?
Die Bereitsteller von technischen Plattformen und die
Erzeuger von Werkzeugen, sind zwar Teil von Kultur,
nicht aber Teil von Kunst!
Jana Wisniewski e-motion at utanet.at
Mon Aug 7 09:32:27 CEST 2006
Ich erinnere an meine Definition Förderbereich:
Netzkunst/Netzkulturen finden im Netz/Web statt und beziehen sich auf Kreativität
beim Umgang mit vorhandenen Netzstrukturen und der Entwicklung von solchen.
Reflektion der Vorgänge in Netzkunst und Netzkultur in wissenschaftlicher,
narrativer oder ironischer Form ist Teil von Netzkultur, ebenso Entwicklung von
Software, Tools, Netzstrategien, sowie die Kunst mit ihren oft überraschenden
Zugriffen auf Transportmittel (Netz/Web) und Werkzeugen (Software) sowie
sich wandelnden Ästhetiken.
Jana Wisniewski e-motion at utanet.at
Sam Aug 12 16:59:24 CEST 2006
Ohne jetzt den Teppich, das Netz oder eine andere Arbeit verteidigen
oder kritisieren zu wollen möchte ich schon darauf hinweisen, dass es
nach meinem /unserem Verständnis bei Paraflows NICHT bloß – oder
vielleicht nicht einmal wesentlich – um den formalen Aspekt der
jeweiligen Arbeiten gegangen ist, sondern um eine Auseinandersetzung mit
dem nach meinem Dafürhalten sehr wesentlichen Thema des Netzes hinter
den Netzen, der Auseinandersetzung und Verständigung der einzelnen
Cluster und Netze untereinander und mit den größeren, mit anderen Netzen
– also damit auch um die berühmte Rakuschan’sche Differenz – die ja auch
in der sehr wesentlichen kritischen Diskussion danach zum Ausdruck kommt
– oder zum Ausdruck kommen sollte. Denn wenn die Diskussion nur formale
Aspekte oder persönliche Befindlichkeiten betrachtet, ist sie nicht mehr
als ein Ventil für Frustration.
Die Paraflows-Ausstellung als bloße Leistungsschau digitaler Arbeiten
verstehen zu wollen, war aus meiner Sicht ein Missverständnis des Themas
- und auch des Settings „Annual Convention“ einer Plattform von
NetzkünstlerInnen und Netzkultuvierenden, die sich mit dem Gedanken der
Kollaboration, der Vernetzung bei Beibehaltung der jeweils eigenen Ziele
und dem Verhältnis zu den größeren Netzen (siehe fuck usw..) schwer
genug tut. Es war eine Herausforderung, die Arbeiten und die Prozesse,
wie sie zustande gekommen sind, von daher zu lesen. Ich weiß nicht, wie
viele sich die Mühe dazu genommen haben. Das eine oder andere Scheitern
oder manche Unzulänglichkeit im Formalen war hier vielleicht treffender
als so manche perfekte Screenpräsentation.
Es ist immer die Frage, was man will. Dieses Wollen ist in Netznetz sehr
wenig Thema – vom legitimen Bedürfnis nach Geld abgesehen…
„Retroretro“ erinnert mich an ein ebenfalls nicht eingelöstes
Versprechen des im Auslaufen befindlichen PKs, nämlich sich mit dem
Kunstdiskurs und dessen Platz im Netz, in den Netzen zu beschäftigen.
Hier ist nichts von denen geschehen, die das angekündigt haben, und auch
auf der Liste findet ein inhaltlicher Diskurs, der wesentliche Fragen
aus diesem Bereich angehen würde, nicht statt. Arbeiten nach ihrem
formalen Auftritt Jahreszahlen zuzuordnen fällt erstens hinter die
Postmoderne zurück und zweitens: so neu ist digitale Kunst auch nicht….
Helga Köcher helga.koecher at chello.at
Mon Sep 18 20:01:26 CEST 2006
http://de.wikipedia.org/wiki/Netzkunst
“Netzkünstler interessiert die Dekonstruktion ästhetischer, digitaler
und meist auch gesellschaftlicher Codes. Netzwerke benötigen zwar die
positive mentale Teilhabe der Teilnehmer, unter Umständen können
störende und unbequeme Netzwerkstrategien künstlerisch aber auch
konsequent sein.
Netzkunst kann sich auf eher technische und ästhetische Aspekte
beziehen, aber in der internationalen Szene der Netzkünstler
interessiert auch der “kreative Netz-Hack” als Akt des politischen
und ästhetischen Widerstands. Für die Künstler ist es nicht
ungewöhnlich, auch Netzaktivist und Hacktivist zu sein. Die
Präsentation eines Computervirus zur 49. Biennale Venedig war eben
keine einsame kriminelle Tat, sondern eine Werk von
Netzwerkkünstlern. Der Übergang zu Netzaktivisten und Hacktivisten,
die sich nicht mehr als Künstler per se definieren, ist fließend.
Viele gehen gegenüber Kommerz und Macht so kreativ und subversiv mit
Formen und Inhalten um, dass es als Netzkunst verstanden werden kann.
Künstlerische Aktivitäten dieser Art geraten immer wieder in Gefahr,
missinterpretiert und kriminalisiert zu werden.
So wie Widerstandsrechte zur Politik, gehören zu Netzkunst auch der
elektronische zivile Widerstand, die egozentrische Kunst-Propaganda,
die Verunsicherung der Wahrnehmung, die kreative Fehlinformation und
der verantwortliche Einsatz destruktiver ästhetischer, digitaler oder
sozialer Codes im Rahmen des zivilen Ungehorsams.”
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.at
Sam Sep 30 23:32:24 CEST 2006
elektrische kunst != internetz
Christoph Kummerer chris at lo-res.org
Fre Okt 6 13:51:24 CEST 2006
Houston Stewart Chamberlain:
“Die Liebe — und zwar die Liebe, die mit der Mania Mouson (dem
Kunstwahn) eins ist — gilt Plato als die unerlässliche Vorstufe zu
aller höheren Weisheit.”
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.at
Die Okt 10 17:09:09 CEST 2006
es gibt auch eine andere variante - bezugnehmend auf eine aktuelle
publikation mit dem titel: Wir nennen es Arbeit. es geht dabei um die seit
zirka zwei jahrzehnten existierende ´digitale Bohemia´, die sich auch in
anderen laendern anschickt, von der politik entsprechende rahmenbedingungen
fuer IHRE arbeit zu fordern; der begriff digitale boheme bezieht sich
freilich nicht bloss auf kuenstler im herkoemmlichen verstaendnis - eher
weniger. es geht also um entsprechende rahmenbedingungen fuer
experimentierfreudige enterpreneure. das wort subvention ist in diesem
zusammenhang sinnlos.
wer hier ueber entsprechenden selbstwert verfuegt, kommt also ohne
arschkriechen und schleimen beim hegemon aus.
FER f.e.r at sil.at
Fre Nov 3 23:33:36 CET 2006
die ursachen, warum traditionelle kunstsparten „am tropf“ hängen und
permanent ums überleben kämpfen müssen, liegt genau daran, nämlich an
ihren traditionen.
während bspw. in technischen ausbildungsgängen das neueste gerade gut
genug ist, krankt die kunstausbildung (und hier befindet sich die musik
seit jahrzehnten in der intensivstation) an ihrem traditionsballast. Da
gibt es an der musik-uni wien professoren(!), für die hört die musik mit
bruckner auf. kein wunder, dass unter solchen bedingungen eine schar
junger künstlerInnen nichts anderes lernt als schleimen, schleimen gepaart
mit bücken, bücken …
kein wunder auch, dass in technischen unis eine erfolgversprechende
entwicklung nach der anderen aufhorchen lässt, während die wesentlichen
impulse im kunstbereich sicher ausserhalb des universitären betriebs
passieren.
ich habe mich bei der entwicklung des community games von diesen alten
diskussionen beeinflussen lassen, und so steht betreffs der subvention in
den spielregeln:
„der/die fördernehmerIn muss damit sein/ihr projekt realisieren.
ein projekt ist definiert als eine unternehmung bzw. eine handlung, bei
der geldflüsse getätigt bzw. verursacht werden.“
christoph at wechsel-strom.net
Sam Nov 4 09:53:26 CET 2006
der unterschied zwischen den beiden bereichen ist schlicht, dass die
einen innovationen vorantreiben und die anderen sie zu verhindern versuchen.
wer ein ganzes studium lang versucht, die klassiker so gut wie möglich
nachzufiedeln, wird halt nicht zum eigenständigen denken angehalten.
bei den technikern ist die lage zu mindest ein wenig anders.
an den förderungen kann es allerding nicht liegen. ich war im frühling
bei einer projektgruppe beteiligt, die für einen
wissenschafts/technik-call eingereicht hat. als budget für das projekt
war ein betrag von 500.000.- angedacht. für ein einziges projekt!
vergleiche dazu das budget für netznetz für 200 leute…
joerg piringer joerg at piringer.net
Sam Nov 4 13:00:04 CET 2006
edge.orgnachdem wir die Frage des ‘Hörensagens’ - und dem korrekten Umgang
damit - geklärt haben, können wir uns nun jenen Themen widmen, die du
- Simon (!) - eingefordert hast.
Bevor ich mich zu den aktuellen Plattitüden über CI äussere, noch ein
Wort zum ‘Beweisstück A’, dem Papier ‘Hybrid Cultures’ von Mela
Mikes, Thomas Thurner, eSeL und Monochrom: Dieses angebliche
‘Geheimpapier’ wurde nicht nur mehrfach den Communities vor- und
ausgestellt (z. B. Künstlerhaus 2004), sondern auch - quasi seit den
mutmasslichen Anfangsgründen von NetzNetz an - längst zerrissen und
hat heute für NetzNetz/MANA vielleicht die Bedeutung eines Windows
3.0 Treibers für Debian-User:
Ich erinnere z. B. an die markerschütternde Flammenrede von F.E.
Rakuschan mit dem Titel: ‘Hybridkultur - Phantasmagorie für
Betatester’ (in bester Tradition der Antikunst-Bewegung des 20.
Jahrhunderts) bereits im Künstlerhaus 2004, sowie an den ‘dritten’
Weg (freiwirtschaftliche Orientierung), der von sonance.network ab
März 2005 eingebracht wurde.
Position 1 (Hybrid Cultures) und Postion 2 (FER) verhalten sich hier
gewissermassen wie These und Antithese zueinander, zur Verdeutlichung
von P2 ein Zitat von Brener/Schurz:
“The time of artistic creativity is lost. The time for textual
criticism is over. The time for irony is gone. The time for committed
reportage has passed. The time for cultural activism is behind. Maybe
all this was always out of place? We think that NOW an immediate
destructive ATTACK directed against state, capital and its culture is
nessecary. Such an attack is the biggest luxury an the biggest need.
It is the only ART that is valuable.”
Alexander Brener/Barbara Schurz, The Art of Destruction: Cukgraf,
Postojna 2005
Du, Simon, hast dagegen doch längst den ‘dritten Weg’ der
freiwirtschaftlichen Orientierung eingebracht, der (vereinfach
ausgedrückt) besagt, dass die Vergesellschaftung von
Produktionsmitteln - gegen Marx (!) - erlaubt sein darf, da sich das
kapitalistische System vor allem auf ‘unproduktives Kapital’ (Grund,
Boden, Geldwirtschaft) stützt.
Startschuss Position 3 mit der sonance.network Veranstaltung ‘The
flavour of money’ im Künstlerhaus 2005 im Rahmen der Ausstellung
‘Update.kunstruklturenschaffen&nutzen’.
http://de.wikipedia.org/wiki/Freiwirtschaft
> Hauptziel der Freiwirtschaft ist eine von Monopolen, Bodenrente und
> Zinsen (Geldzins) befreite Marktwirtschaft. Bodenrente und Geldzins
> werden von der Freiwirtschaft als „arbeitslose Einkommen“
> angesehen, für welche die empfangsberechtigten Boden- und
> Kapitaleigentümer keine Arbeitsleistung aufwenden müssen. Diese
> Tatsache wird als ungerechte Bereicherung auf Kosten von
> Arbeitenden verstanden. Nach freiwirtschaftlichen
> Beispielrechnungen müssen heute rund 30 % der Preise, Mieten und
> Steuern von den Verbrauchern zur Deckung von Renten- und
> Zinsforderungen aufgewendet werden. Dementsprechend strebt die
> Freiwirtschaft in erster Linie eine Bodenreform und eine Geldreform
> an, um Bodenrente und Geldzins der Allgemeinheit zuzuführen.
> Dadurch sollen vor allem eine Absenkung des allgemeinen
> Zinsniveaus, aber auch eine größere Stabilität der Wirtschaft
> erreicht werden. Neuere freiwirtschaftliche Strömungen lehnen auch
> Konzepte des geistigen Eigentums zu weiten Teilen ab, besonders das
> Patentrecht, da es wie beim Landbesitz zu einem arbeitslosen
> Einkommen auf Kosten der Schaffenden komme, und solcherartiges
> geistiges Eigentum kein beliebig vermehrbares Gut sei.
Hieraus resultierte die gesamte Debatte ab März 2005, deren
Wortführer (auch) du warst, auch wenn du das bisher nicht realisiert
hast
Faktum ist, dass jene 3 Postionen die Schwerkraftzentren des
Diskurses innerhalb und über NetzNetz bilden, wobei die CI-Postion in
meiner Wahrnehmung seit 2004 keine Rolle mehr gespielt hat, ausser
als eine Art Schreckgespenst, dass - wie der Bi-Ba-Butzemann -
vereinzelt heraufbeschworen wurde, um Postion 2 zu bekräftigen.
Zum ‘Schreckgespenst CI’ wäre noch abschliessend anzumerken, dass es
beileibe noch viel Schlimmeres gibt, als über CI-Postionen zu
diskutieren:
Ja dass gerade unter den jungen Leuten rund um’s Metalab die grösste
ideologische Verwirrung zu bestehen scheint, da vielen dieser Leute
die Community vorsätzlich bestehlen, indem sie ihre Arbeitskraft an
Lohnarbeit (!) für das kapitalistische System verschwenden.
Siehe dazu auch folgende Neuerscheinung:
Fred Turner, From Counterculture to Cyberculture’
> Am 13.10.2006 um 01:38 schrieb Bruce Sterling:
> http://www.edge.org/documents/archive/edge193.html#turner
>
> Go ahead, read that. Really.
Bevor ich mich aber in weitläufigen ideologischen Debatten verliere,
breche ich hier ab - fordere aber gerade von dir, Simon, mehr
Sorgfalt in der Interpretation von Postionen. Nimm das als mein
Eingangsstatement für eine hoffentlich fruchtbare Diskussion um die
Zukunft von NetzNetz.
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.at
Die Dez 5 15:31:00 CET 2006
gerne moechte ich dich daran erinnern, dass die quelle dieser von dir
beschrieben 3. position nicht ich selbst bin.
die seit 2004 bei sonance.network gehosteten personen ian grigg und
vor allem david bovill haben diese position (nebst vielen anderen) in
netznetz mit eingebracht. (nur um hier korrektheit bei quellangaben
walten zu lassen). zugegebener massen habe ich die von bovill
eingebrachten ideen in form eines diskurses, (dirket nach “hybrid
cultures” von esel/teichenberg) bei der “coded cultures” konfrenz,
gemeinsam mit meinen gedanken zu weitern entwicklungs-moeglichkeiten
von sonance.art.network, unterstuetzt.
ohne hier auf naehere details und hintergruende und
entstehungsgeschichte aus meiner sicht weiter eingehen zu wollen,
kann ich noch heute mit bestimmtheit sagen, dass die von bovill
eingebrachten optionen und ideen, fuer mich damals komplett neu waren
und ich sie, zur erweiterung des uns vorliegenen spektrums, bis heute
interessant finde. jedenfalls sind sie, aus meiner sicht, ein
kuenstlerisches experiment wert.
sollte nicht im ausstellungsdesign einer guten ausstellung wenn
moeeglich alle positionen zumindest aufgezeigt werden, um es dem
betrachter zu ermoeglichen, sich eine eigene meinung zur vorgegeben
thematik bilden zu koennen? ich denke schon. nebenbei gesagt habe ich
auch einige (nicht nur infrastrukturelle) fragen im umgang mit dem
laufenen hosting-betrieb zu loesen und bin auch dazu angehalten,
optionen auszuloten, um die struktur und skulpur auf einen stand zu
bringen und halten der als einigermassen stabil bezeichnet werden
kann. dazu bin ich immer wieder auf den guten willen anderer, hilfen
und freiwilligkeiten angewiesen, die ich (auch in hinsicht auf
nachhaltigkeit) nur all zu gerne rueckvergueten wuerde.(1)
Humanized Being binsh at sonance.net
Mit Dez 6 11:13:15 CET 2006
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“How can we know the stone from the message, the machine from the culture?
Or for that matter: How can we know merging skills from oil spills, new
communities from new vacuums, the bridging of cultures from highspeed
bypassing of the past and present? How can this technology of electronic
information become like a Wheel of Culture, turning and turning like a
widening gyre? The Wheel of Culture that the new multimedia technology
creates is constantly spinning, constantly drawing new information and
cultural associations intoit because it is a global wheel, dependent on
global economy, responsive to market pressures. Knowledge is product, speed
is of the essence, and SPEED KILLS the competitor.”
Ben Davis, Wheel of Culture, in: Edward Barrett and Marie Redmont [Ed.],
Contextual Media. Multimedia and Interpretation, Cambridge, Mass.: MIT Press
1995
Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.net
Comment by kanonmedia 12.06.06 @ 3:17 pmSam Mai 28 10:35:52 CEST 2005