Jury versus freien Wettbewerb versus Mehrheitsentscheidungen
Wednesday December 06th 2006, 11:32 am
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Auf http://netznetz.net/wiki/index.php/Voting (PW and USR = netznetz)
findet Ihr den gestern vorgestellten Entwurf für eine “erweiterte Jury”
(=Voting) für die beiden Bereiche “AnnualConvention” und “backbone
projects” (vormals Infrastrukturen).
Thomas Thurner Fre Apr 22 14:32:49 CEST 2005


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Auf der einen Seite ist die Idee eines Community basierenden
Bewertungssystem bestechend und eine absolut verfolgenswerte Idee.
Andererseits weiß ich nicht, ob es wirklich sinnvoll ist zu versuchen
klassische Entscheidungsprozesse in mehr oder weniger statischen und
schwer nachvollziehbaren Formeln und Parametern abzubilden. Ein
Reputationssystem wäre sehr gut geeignet, nachzuvollziehen wer wen in der
Community kennt und wie die einzelnen Gruppen zusammenhängen. Aber mir ist
unklar wie ihr mittels dieses Systemes Geld vergeben wollt? Vor allem
besteht die Gefahr, das Gruppen mehr oder weniger vollautomatisch Geld
bekommen, nur weil sie jeder kennt und nicht, weil jeder der Meinung ist,
sie würden gute Arbeit leisten.

Ich persönlich würde doch eher ein klassischeres repräsentatives System
indem einzelne Gruppen oder Personen Verantwortung für einzelne
Teilbereiche der Netzkultur übernehmen und je nachdem wie gut sie es
machen mit mehr oder weniger Geld dotiert werden bevorzugen. Dadurch würde
ein MicroKurator System entstehen, wo einzelne Personen nachvollziehbare
und begründbare Entscheidungen treffen (z.B. durch die Forderung, jede
Geldvergabe muss in einem Blog dokumentiert werden) und man kann bei
Fehlentscheidungen entsprechende personelle Konsequenzen ziehen. Bei einem
rein auf Parametern basierenden Modell ist dies extrem schwer möglich und
man müsste die Entscheidungen wer für wen gestimmt hat offen legen, damit
die Sache auch nur halbwegs überprüfbar bleibt.

Wenn die Gruppe XY nicht nur das Geld für die eigenen Projekte muss,
sondern Verantwortung für einen kompletten Bereich übernimmt inkl. der
Bereitschaft die verfügbaren Mittel mit anderen zu teilen bzw. sich zu
kümmern das die richtigen Personen das Geld bekommen, entsteht dadurch
eine ganz andere Dynamik, als wenn wir das klassische jeder streitet sich
mit jedem um die zu wenig vorhanden Mittel per Web abbilden wollen.

Vor allem könnte man das gesamte Förderungskonzept auf die Frage: Wer darf
in welcher Form mitmachen? In welcher Form sollen Ideen bzw.
Verantwortungsbereiche präsentiert werden und einen relativ einfachen
Mechanismus, wie die Stimmberechtigeten die Aufteilung des vorhandene Geld
auf die einzelnen Gruppen bestimmen können reduzieren. Das wäre noch immer
schwierig genug, ist aber um einiges weniger komplex als das derzeit im
Raum stehende vollautomatische Reputationssystem.

Andreas.Trawoeger at wgkk.sozvers.at Andreas.Trawoeger at wgkk.sozvers.at
Mon Jul 18 19:32:24 CEST 2005

Comment by kanonmedia 12.06.06 @ 5:02 pm

Eigentlich bin ich gegen ein klassisches Kuratorensystem. Der Sinn bei
SuperTrust ist die Idee 50 Trustees mit wenig Geld, anstatt 5 Kuratoren
mit viel Geld zu haben.

Es ist eine Illusion zu glauben Kuratoren würden frei und unabhängig sein.
Ein klassischer Kurator lebt, genauso wie die Künstler von seiner
Reputation. Dementsprechend wird er nach Möglichkeit Projekte fördern, die
ihm selbst am meisten Publicity bringen (=um so teuer, bunter, größer
desto besser) und wird sich tunlichst hütten langfristige Projekte zu
fördern, weil mit hoher Wahrscheinlichkeit erst einer seiner Nachfolger
den Ruhm dafür ernten würde, was die eigene Reputation untergraben würde.

Dementsprechend hätte bei der aktuellen Vergabepolitik Projekte oder Ideen
wie wikipedia.org oder groklaw.net nicht einmal den Hauch einer Chance
gefördert zu werden. Sehr wohl aber Symposien, welche nachträglich
versuchen zu verstehen, worum es bei der Ganzen Sache eigentlich geht.

Die Grundidee hinter den Trustees bei SuperTrust ist es, den Trustees
genügend Geld in die Hand zu geben, dass sie mit dem Geld etwas machen
können. Gleichzeitig aber so wenig Geld in die Hand zu geben, dass sie
gezungen sind auf die konkrete Verwendung des Geld zu achten, bzw.
gezwungen sind mit anderen Trustees zusammenzuarbeiten.

Wenn wir 5 Kuratoren bestimmen, wir jeder der Kurator versuchen mit 12.500
- 25.000 Euro Projekten die anderen Kuratoren zu übertrumpfen. Bei einem
Trusteevoting, bei dem jeder Trustee mind. 2% aller Stimmen erhalten muss
um Geld verteilen zu dürfen, kämen wir auf ca. 30 – 40 Trustees, die pro
Jahr je nach erhaltenen Trusteespoints, 5000 bis ich schätze max. 25.000
verteilen könnten. Wenn ich selbst als ‘reicher’ Trustee max. 2000 Euro
pro Monat verteilen kann. Schaue ich bei jedem einzelnen Euro nach, was
der Producer mit diesem macht bzw. muss mich für größere Projekte mit 5-10
anderen Trustees zusammen tun. Was aber bedeutet, dass ich als Trustees
erste einmal 4-9 andere Trustees von einer Idee überzeugen muss und nicht
einfach nach Lust & Laune Geld verteilen kann.

Einer meiner persönlichen Ziele beim Förderungssystem ist es nach
Möglichkeit zu verhindern, dass wir in einer 2 Klassengesellschaft landen.
In der einige Personen realativ viel Geld bekommen, dafür aber gezungen
werden dieses irgendwie auf den Cent genau zu verbraten und einer Klasse,
die maximal ein paar hundert Euro über die Microgrants erhält.

Andreas.Trawoeger at wgkk.sozvers.at Andreas.Trawoeger at wgkk.sozvers.at
Fre Aug 5 11:57:07 CEST 2005

Comment by kanonmedia 12.07.06 @ 11:38 am

kuratoren sind in dem zu erarbeitenden modell nicht vorgesehen.

Magnus Wurzer magnus at shifz.org
Fre Aug 5 14:52:11 CEST 2005

Comment by kanonmedia 12.07.06 @ 11:49 am

beirat. ich habe gerade was mir da aufstiess wieder aus der mail
gestrichen. nur soviel: es gemutet seltsam, einer community
zuzutrauen ein qualitatives urteil über die arbeit ihrer mitglieder
zu treffen aber ihr nicht zuzutrauen dass sie ihre mitglieder erkennt.

nachdem m.a. nach z.b. sylvia fassl-vogler durchaus kompetent ist
kann ich mir ja noch viel eher vorstellen dass das eine beamtin macht
als ein beirat. was eigentlich pervers ist, denn die holen sich ja
beiräte wo sie selbst keine kompetenz haben. das mit den beiräten ist
halt wie mit kuratoren: die wollen sich zu oft selbst verwirklichen
und vergessen dabei dass wer anderer die arbeit macht [dabei sind vor
allem jene kuratoren gemeint die dann während ausstellungen sich
selbst weiter in den mittelpunkt rücken als das ausgestellte]. und:
angenommen alle netzkünstler sind in der community. wer sitzt dann im
beirat?

generell denke ich das dass eigentlich das einzige ist wo eine wahre
chance in dem projekt steckt: dass es eben _nicht_ notwendig ist das
jedes projekt und jeder mensch in eine schublade passt. denn
eigentlich sollte sich sowas doch durch die vom system geforderten
punkte, wie nachvollziehbarkeit der stimmen und eigenverwaltung von
vornherein sichergestellt sein.

martin pichlmair pi at attacksyour.net
Mit Aug 24 17:10:20 CEST 2005

Comment by kanonmedia 12.07.06 @ 12:12 pm

-> Bisher hat man bei der MA 7 (?) angesucht und Geld bekommen oder nicht.
->
-> Jetzt bekommt man von der MA 7 (nach einer Pruefung, ob gewisse formale
-> Kritereien (zB Netzkunst/kultur vs Volkstanzgruppe (zB)) erfuellt
-> werden) einen Account fuer Mana. Dann kann man in Mana sich und
-> seine/ihre Projekte praesentieren. Und ueber andere und deren Projekte
-> voten. Die Entscheidung, wer das Geld bekommt, wird der Community
-> ueberlassen. Die Entscheidung, wer die Community (und also
-> “foerderwuerdig”) ist, bleibt bei der MA 7.
->
-> Wenn ich das richtig verstanden habe.

das hast du richtig verstanden. nur da ergibt sich ein problem.
ich will ja der MA7 die fachliche qualitaet nicht absprechen, aber gerade
in diesem neuen bereich tut sich sehr viel, und sehr spezifisch. die MA7
wird dann freuher oder spaeter bei irgendwem nachfragen ob das jetzt gut
ist oder nicht… entweder sie machen es mit einem exertenkremium oder sie
werden bei den _leitern_ oder sagen wir mal bei den initiatoren von
netznetz nachfragen, und dann beginnt die MANschelei….

Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Mit Okt 26 20:46:08 CEST 2005 in Antwort an Thomas Klausner

Comment by kanonmedia 12.07.06 @ 4:45 pm

ich muss mich leider ein wenig von der augenblicklichen situation
distanzieren und werde werde mich, wie machfeld und funkfeuer, ins wiki als
kritischer beobachter eintragen.

das hat mehrere gruende:

netznetz ist mit einer sehr basisdemokratischen idee gestartet, was
ich im moment sehe ist aber eine menge mauschelei.
thomas hat uns damals hoch und heilig versprochen, dass das ganze dezentral
und ohne machtstruktur sein wird – wir haben versucht ihm zu erklaeren dass
es nicht funktionieren kann.

netznetz wollte, dass die freie netzkulturszene sich selber votet. eine
gute idee, aber einige punkte waren immer unklar (ich hab schon
oefters darauf hingewiesen).
wer darf? die MA7 alleine kann keine loesung sein. Die mauschelei, die
dabei rauskommen wird lehne ich ab.

weiters unklar ist, ob projekte oder labels gewertet werden,
wie neue leute ins spiel kommen, welche mechanismen angewendet werden
damit das nicht endet wie fast alle selbstverwalteten initiativen (wie
zb das wuk), usw.

vieles ist einfach zu undeutlich, und ich glaube nicht, dass eine software
das loesen wird. alles was man analog mit zetteln loesen kann, kann man
auch mit einem programm umsetzen, aber programme loesen keine
inhaltlichen probleme.

die oeffentlichkeit blickt sehr genau auf netznetz
und man wird jede schwachstelle sofort als argument gegen netznetz
verwenden.

ich sehe nur eine moeglichkeit das naechste jahr zu bewaeltigen:
ein plenum, das eine jury wählt, die dann das geld
vergibt.

noch ein problem sehe ich in der abgeltung der bisherigen und
zukuenftigen administrativen leistungen: man kann sich nicht selber geld
ausbezahlen, das ist einfach unmoeglich. Leute, die administrativ
arbeiten, muessen aus einem anderen topf bezahlt werden. oder aber es
muss im vorhinein aus diesem topf ein genauer betrag festgesetzt werden,
der ausschliesslich dafür verwendet wird.

das gleiche gilt fuer die jury: wenn jemand in der jury ist, soll er
dafuer ordentlich bezahlt werden, kann dann aber natuerlich nicht selbst
ein projekt einreichen.

Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Die Okt 25 18:19:32 CEST 2005

Comment by kanonmedia 12.07.06 @ 4:46 pm

konsensprinzip. jeder legt seine projekte,
vorhaben auf den tisch und dann wird so lange in
selbseinschätzung das gesamtbudget erstellt, bis
die summe in etwas stimmt. natürlich können auch
projekte zusammengelegt werden bzw. neue
kooperativ entwickelt werden.

voting könnte nur als zusätzliches feedback
gelten, um die “bedeutung” des eigenen projekts
einzuschätzen.

wie auch immer abgestimmt werden soll, es bleibt
eine abstimmung, wo über andere geurteilt wird
und daher ist das dann auch keine selbstbestimmte
kooperation.

ein tool bzw. verfahren zur förderung des
konsenses, das heisst der gegenseitigen
abstimmung, des herrschaftsfreien
diskurses/aushandelns, fände ich längerfristig
viel, viel sinnvoller. für mich sind wahlen immer
eine form gesellschaftlicher gewalt, die sieger
und verlierer produziert.

Martin Mair martin.mair at mediaaustria.at
Die Okt 25 19:04:08 CEST 2005

Comment by kanonmedia 12.07.06 @ 4:47 pm

Es gibt in der Schweiz den “Nationalfonds”, seit jahrzehnten vergibt
dieser Geld das er vom Staat bekommt an die Wissenschaftscommunity.
Der Nationalfonds besteht aus einer “Jury” aus Leuten aus der
Wissenschaft, also vergibt er das Geld an sich selbst. Von Vorteil ist
es man nimmt hoch-etablierte Leute in die Jury und mischt diese mit
neuen und juengeren Leuten, das ist dann ein gutes Korrektiv. Keine
perfekte Loesung aber sie funktioneiert (in der Schweiz werden so
200-300 Mio Euro pro Jahr an die eigenen Leute und Projekte aus-
geschuettet).

Hans Bernhard hans at ubermorgen.com
Don Okt 27 17:30:06 CEST 2005

Comment by kanonmedia 12.07.06 @ 4:50 pm

aber es steht halt viel
am spiel.
nicht nur die kohle es ist auch die die glaubwuerdigkeit die man hier
verlieren kann.

also nochmal der vorschlag -
bis alles strukturell im griff ist. eine uebergangsloesung:

1. es wird von allen listen-subscribern eine 3 koepfige jury aus
der netznetz-community gewaehlt.

2. die jury ist ein jahr oder ein halbes im amt. bekommt fuer die arbeit
60000.- darf aber natuerlich selber keine projekte mit dem geld machen.
darum gehoert das ordentlich entlohnt.

neben bei kann ja das voting aufgebaut werden, dass aber fuer die jury
nicht bindend ist.

Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Mon Nov 14 12:39:03 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.08.06 @ 1:56 pm

ich persönlich glaube, dass der von Dir herbeizitierte „algorithimischen regeln” in jedem Fall Tragen kommen (also AUCH
bei voten/Abstimmen OHNE computer!) d.h. auch bei Jury-System würden wir GENAU auf dieselben Fragestellungen treffen
wie jetzt im Rahmen von MANA:

- Wer darf voten?
- Wieviel gilt welche stimme?
- Nach welchen diskursen – sprich: Vorstellungen von „Netzkultur“’/Netzkunst orientieren sich diese (jury)entscheidungen?

insbesondere auf die letzte frage argumentiert zB machfelds posting für „mehr werke“ und medienkunst („pflege ihres
künstlerischen ausdrucks“). simons sorge um die “medienkunst” scheint wiederum mit machfelds medienkunst wenig zu tun zu
haben, was mich persönlich beruhigt. FX argumentiert in Richtung Netzkultur, „die sich vor allem ueber die
opensource-community ihren namen gemacht hat.“

ich glaube, dass es mit MANA möglich sein MUSS jene unterschiedlichen vorstellungs-cluster abzubilden, zu
berücksichtigen, aber auch zu werten (inkl. jener leute, die spagate machen) und ALLEN die töpfe zugänglicher zu machen.

Ich glaube übrigens, FX, dass diese – von Dir herbeigeschriebenen bzw. weggeschriebenen – „Netzkultur“-Leute sich an die
neuen Töpfe:
- microgrants
- backbone projects
und ja, wie das netznetz-festival gezeigt hat – auch im Rahmen der:
- Annual Convention
durchaus herantrauen werden. Und ja, durchaus auch an MANA!
nicht nur ist ein angenehmer nebeneffekt an mana ist, dass es sichtbarkeit ermöglicht (so wie zB eine
basis-wien-datenbank, nur halt offen.

und: MANA macht seine eigenen regeln sichtbar und diskutierbar.
- so wie wir auch für ein analog-voting regeln aufstellen müssten.

ich glaube auch Deine sorgen punkto “software, die hierarchien und machtkonzentrationen verschleiert” zu verstehen.
was daran “feige und falsch” versteh ich wirklich nicht. (”mühsam” und “eigene pfründe hätt ma uns wenn ma wollen hätten
ganz anders absichern können” trifft für mich eher zu) – aber schau Dirs doch einfach mal an.

worin Dein vorschlag verlocken ist, ist dass er klarheit schafft -das muss geschehen, da geb ich Dir völlig recht.
daher – mal Anschauen:

hier:
http://lefant.reichenau.net

bugs bitte hier:
http://netznetz.net/wiki/index.php/MANA_bugreporting

(derzeit simple direct voting, alternative votingmodelle für den nchsten test-prototypen morgen zur sprache)

**

übrigen: projektanträge an die community vorzuschlagen werden wir sehr wohl bei backbone projects!

aber zB nur drei auserwählte ihre vorstellungen als Jury durchdrücken zu lassen halte ich für unnötig restriktiv,
weil Dein Juryvorschlag eigentlich eine sehr beschränkte Form von „delegated voting“ ist – also Delegieren meiner
stimme, auf dass ein andere diese entscheidung für mich treffen möge. v.a. ermölgicht die software dasss die die
unterschiedlichen n-kunst/kultur-vorstellungen (siehe oben) entsprechend differenziert berücksichtigt aber auch nach
prioritätensetzung der votenden entschieden werden können.
bei Dir ists halt auf 3 entscheidungsträger reduziert. insofern empfehle ich besonders trawögers vortrag über
votingmodelle morgen im depot.

Fr, 18.11. – 19h – Depot – thesenabend

egal wie wir die 250.000 aufteilen (die andere hälfte geht an – siehe oben). Wir werden um die parameterfindung nicht
herumkommen. da nützt auch ein simpleres verfahren nichts. algorithmen für MANA werden im rahmen von symposium,
abstimmung und auch morgen diskutiert und ENTSCHIEDEN werden.

eSeL esel at esel.at
Don Nov 17 18:13:41 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.08.06 @ 2:01 pm

ich kann mich auch nicht mehr zurückhalten, endlich mal
anzumerken, dass die lustigen Kategorisierungen, die in den letzten
Tagen über diese Liste gegangen sind, tiefstes 19. Jhdt.-Denken sind.
Mitsamt den dazugehörigen Motiven…. Daran ändert die Digitalisierung
garnix…

Helga Köcher helga.koecher at chello.at
Sam Nov 26 14:11:55 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.08.06 @ 2:49 pm

mein Name ist Johannes Gees und ich bin einer der Speaker, die ans
Sprintosium eingeladen sind. Ich habe in den vergangenen zwei Wochen
die Diskussion auf der Mailingliste verfolgt und habe mich gewundert.

Ich habe mich gewundert darüber, dass die ganze Diskussion nur um die
Definition des demokratischen Prozesses kreist und sich darin
erschöpft. Dabei ginge es m.E. darum, die Förderziele zu definieren.
Ich bin überzeugt, dass durch eine geschickte Definition der
Förderziele und klare Ausschreibungsrichtlinien die Verteilung der
Gelder sehr viel gerechter gestaltet werden kann als durch ein
basisdemokratisches Jekami. Und als Künstler/Programmierer/Aktivist
erwarte ich, dass meine Arbeit von kompetenten Fachleuten beurteilt
wird. Sind wir das auf jedem Gebiet?

Es liegt meines Erachtens in der Natur eines basisdemokratischen
Fördermodells, dass der Zerstückelung und Kleinteilung der
Fördermittel Vorschub geleistet wird. Am Schluss dieses Prozesses
erhält jedes community-Mitglied 50 Euro. Wollen wir das?

Oder kann sich jemand vorstellen, dass die basisdemokratische
community einem einzelnen Projekt z.b. 20′000 oder 40′000 Euro
zuspricht? Was noch nicht riesig viel ist, möchte man international
und mit anderen städtischen Institutionen in Wettbewerb treten?

Es gibt nichts ätzenderes, als basisdemokratische
Entscheidungsfindung. Und es ist eine Illusion zu glauben, diese
seien demokratischer als Entscheidungen, die von gewählten
Repräsentanten (Jury, Parlament) getroffen werden. Im PALAVER setzen
sich die besten und lautesten Sprecher durch, und Votings, vor allem
wenn deren Verlauf offen nachvollzogen werden kann, sind sowieso
völlig willkürlich.

Letzlich geht es hier auch um die Entscheidung, ob wir einen
community- und Demokratie – Workshop abhalten wollen oder
Medienkunst- und Kultur fördern wollen. Und es geht darum, ob wir
eine vielseitige, nicht immer mehrheitsfähige Kultur oder einen
mehrheitsfähigen Einheitsbrei wollen.

Demokratischer Legitimationszwang bedeutet den Tod der Kunst.

Johannes Gees gees at datacomm.ch
Mon Dez 5 12:53:00 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.08.06 @ 3:31 pm

> …ich hab das eher so gelesen, das die kunst in ihrer ausformung
> unabhängig von
> gesellschaftlicher gefälligkeit (welche durch ein voting-systhem-
> forsiert wird) agieren soll.

Genau. Ich befürchte, dass, wenn jeweils die community über jedes
einzelne Projekt abstimmt, somit jedes Projekt mehrheitsfähig sein
muss, die Vielfalt auf der Strecke bleibt.
Wohingegen ein demokratisch legitimimertes Gremium (also z.B. eine
von der community bestellte Jury) es in der Hand hat, Projekte zu
fördern, die in der direkten Wahl keine Mehrheit finden würden.

Ich finde es auch nicht besonders sinnvoll, wenn Netzkünstler, die
laut Urban Reini sowieso keine Ahnung vom Netz haben, über
Infrastruktur- und Softwareorientierte Projekte abstimmen. Und vice
versa, selbstverständlich.

Johannes Gees gees at datacomm.ch
Mon Dez 5 14:28:15 CET 2005 in Antwort an machfeld/mastro

Comment by kanonmedia 12.08.06 @ 3:35 pm

nur damit die diskussion nicht wieder an einen punkt zurückkehrt,
wo sie schon darüber hinaus war/ist. (es soll und muss jedoch bei den
workshops alles erneut zusammengefasst werden)

_MODULE des FOERDERSYSTEMS
hier noch mal die übersicht über die module des foerdersystems:
http://netznetz.net/wiki/index.php/FoerderSystem

_Stichwort: NETWORK GRANTS via MANA

meine vision ist:
das voting über die “networkgrants” via MANA soll erlauben, dass eben
die vielischichtigkeit der praktiken und qualitätskriterien, die sich
NCIHT von zB 3 kuratorenentscheidung abdecken lässt (diese kreisen um zB
MINDESTENS die begriffe: a) Netzkunst, b) Netzkultur c) Netzaktivismus
- mehr siehe MANA Survey), ausreichend differenziert berücksichtigt werden.

..diese werden von Leuten aus den jeweiligen “Communities”
(umgangsprachlich) bzw. “Diskursgemeinschaften” (Foucault: ordnung des
Diskurses) via voting beurteilt.

ich glaube auch nicht dass bei grösserem EmpfängerInnenkreis von 15-20
Gruppen/Personen der network grants “mehrheitsfähigkeit” das
entscheidende kriterium ist. (mehr: workshop Models of Mana I (A.
Trawöger) u. II (Martin Pichlmair))

übrigens:
meine vision von networkgrants waren urspr. ganz bewusst als
AkteurInnen-Förderung angedacht, und nicht nur als
wer-votet-das-schickste-projekt (ob man personen UND projekte voten kann
ist im MoM II – M. pichlmairs workshop)

__Stichwort: BACKBONE PROJECTS:

die backbone projects hingegen werden als projekte entschieden:

projekte, die gemeinsamen nutzen / infrastruktur ermöglichen, werden von
der netznetz-community gemeinsam – 1. nach bedarfserhebung (”wer hätt
gern was?”) und 2. dann projektvorschlägen (”wir/ich würd das und das so
machen…”) im rahmen einer open space konferenz beschlossen. für 2006
ist eine übergangslösung mit der stadt angedacht. (ist thema bei
workhops MoN II (thomas jelinek) u. III (eSeL) am Dienstag)

**

dieses mail ist jetzt ein beispiel für den versuch den wissenstand VOR
dem symposium zu synchronisieren und dann beim symposium ENDLICH a)
wieder einen gemeinsamen wissenstand zu erarbeiten und zu haben und b)
spielregeln wie in zukunft entscheidungen getroffen und autorisiert /
bzw. wissen und fragten aus projektgruppenwissen ausreichend
zirkuliert/reportet werden kann

(dies ist auch der inhalt bei meinem workshop Models of netznetz III –
meine gliederung bisher dazu hier:
http://netznetz.net/wiki/index.php/NNOrganisation)

eSeL esel at esel.at
Mon Dez 5 15:21:07 CET 2005 in Antwort an Johannes Gees

Comment by kanonmedia 12.08.06 @ 3:36 pm

“Wohingegen ein demokratisch legitimimertes Gremium (also z.B. eine von
der community bestellte Jury) es in der Hand hat, Projekte zu fördern,
die in der direkten Wahl keine Mehrheit finden würden”
frisch behauptet ist halb bewiesen – wie kann eine von der community
bestellte jury feststellen, dass ein projekt bei einer direkten wahl
keine mehrheit finden würde? — doch auch nur nach der methode “pi mal
daumensprung”

im klartext:
es geht um die hälfte der zur verfügung stehenden mittel (in euro:
250.000,–) die andere hälfte wird sowieso über gremien, expertenzirkel,
bestellte jurys etc. entschieden werden.
jetzt seid doch nich immer so ängstlich, ihr netzkunst-aktivisten (!),
und traut euch mal etwas experimenteller mit dem geld umzugehen. die
verzopften konzepte mit jurys etc., da können wir das symposium
abblasen, denn diese konzepte gibt es schon seit hunderten von jahren –
und seit hunderten von jahren führt die nähe der künstler zur macht, und
das damit verbundene aufsammeln herabfallender krümel zu geistigen
hybriden mit doppelt-s-förmig-gebogener wirbelsäule.
netzkultur ist vieles, eine wesentliche hauptrolle spielt die
kommunikation! dass eine jury mit den projekteinreichern kommuniziert,
das ist doch eher die ausnahme, oder hat schon mal jemand auf der liste
erlebt, dass er von einer jury angerufen wurde, und diese noch _vor_
zuspruch oder ablehnung über sein projekt mit ihm diskutierte?

wechselstrom – christoph theiler wechselstrom at machfeld.net
Die Dez 6 09:44:36 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.08.06 @ 3:37 pm

“ich verstehe dieses jury-bashing wirklich nicht.
beispiel aus der schweiz: im bereich architektur gibt es eine
wettbewerbspraxis, definiert durch fachverbände und die öffentliche
verwaltung. die projekte werden anonym eingereicht, was immer wieder
dazu führt, dass junge, unbekannte büros die gesamte internationale
architektenprominenz ausstechen. zuletzt geschehen beim wettbewerb für
den neubau des landesmuseums in zürich, mit einer projektsumme von
mehreren dutzend millionen euro.”

fein für die architektur und gratulation an die jungen, vorher
unbekannten architekten-teams. anonyme einreichung: sehr sympathisch;
interessant wäre noch zu wissen, ob es sich beim beispiel des züricher
landesmuseums um einen offenen oder einen geladenen wettbewerb handelte
aber der vergleich zieht nicht:
in den verschiedenen kunstgattungen gibt es immer einen aspekt, der eine
tragende rolle spielt:
im roman ist es die sprache (ja,ja die grafische gestaltung des
buchdeckels und die auswahl der schrifttypen sind auch wichtig) , im
theater ist es das schauspiel, in der oper ist es die musik, im
kunstradio ist es das konzept und in der architektur ist es der raum und
die schwerkraft; mit einem wort: in der architektur gibt es klare
richtlinien, die verhindern, dass vorbeigehenden passanten ziegelsteine
auf den kopf fallen.
diese richtlinien beispielsweise auf die musik zu übertragen (stichwort:
gravitationsgefälle tonaler musik) hat dazu geführt, dass andere,
nichttonale konzepte (schönberg und co) im musikleben jahrzehntelang ein
schattendasein führten.
in der netzkultur spielt die hauptrolle die kommunikation, und das ist
der springende punkt. anonyme einreichung gut aber nicht ohne
kommunikation; jurys kommunizieren in der regel nur untereinander.

wechselstrom – christoph theiler wechselstrom at machfeld.net
Die Dez 6 10:58:47 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.08.06 @ 3:40 pm

die Hauptfrage ist nicht, wie wir als NetzNetz
Kollektiv Entscheidungen nach außen demokratisch legitimieren. Die
Hauptfrage lautet wie treffen wir innerhalb von NetzNetz Entscheidungen?

Man kann lange diskutieren, ob jetzt basisdemokratische Entscheidungen mit
offene/geschlossenen Votings oder Jury Entscheidungen besser sind. Nur die
Hauptfrage lautet wie wollen wir innerhalb von NetzNetz Entscheidungen
treffen bzw. wie legitimieren wir allfällige Entscheidungen (und zwar
intern zwischen uns selbst und nicht nach außen).

Nichts gegen Jury Entscheidungen, aber wer darf bzw. soll entscheiden wer
in dieser Jury sitzt bzw. nach was für Kriterien diese entscheiden soll?

Entweder schaffen wir es einen kollektiven Entscheidungsprozess zu finden
mit dessen Hilfe wir entweder direkt entscheiden wer die Förderungsgelder
erhalten soll, oder tun dies indirekt anhand von Vergabekritereien oder
durch nominieren von Jury Mitgliedern, oder wir scheitern an diesem
Entscheidungsprozess und lassen weiterhin die MA 7 nach ihren eigenen
Kriterien Vergabeentscheidungen treffen.

Andreas.Trawoeger at wgkk.at Andreas.Trawoeger at wgkk.at
Mon Dez 5 13:29:01 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.08.06 @ 3:41 pm

> “Dabei ginge es m.E. darum, die Förderziele zu definieren.”
> genau darum geht es — aber wer bitte soll definieren?

die community soll sie definieren, und die dafür vorgesehenen gremien
- community-voting, von der community bestellte jurys, die verwaltung
- soll sie umsetzen.

> “Es gibt nichts ätzenderes, als basisdemokratische
> Entscheidungsfindung.”
> da ist sie, die basisdemokratische keule — es gibt natürlich noch
> ätzenderes: die diktatur selbsternannter experten.

wer spricht den von selbsternannten experten? auch die netznetz-
community wird nicht darum herum kommen, gewisse aufgaben zu
delegieren, damit sie handlunsfähig wird. das hat nichts mit
selbsternannten experten zu tun.

Johannes Gees gees at datacomm.ch
Die Dez 6 10:43:53 CET 2005 in Antwort an Christoph Theiler

Comment by kanonmedia 12.08.06 @ 3:43 pm

falls wirklich ein vergabemodus durch einem dynamischen prozess
und nicht ueber eine selbsternannte jury zustanden kommt:

also auch in den ersten runden sofort ohne saftycar losbrausen.

bitte baut wenigstens eine reissleine ein, damit sich das ganze nicht
verselbststaendigen kann und das foerdermodell die naechsten 20 jahre
alles bestimmt.

z.b. alle jahre(3 jahre) eine vertrauensfrage:
==================
netznetz muss jedes jahr(3jahre) in einer _allgemeinen_ oeffentlichen
abstimmung bestaetigt werden, darin muss eine 2/3 mehrheit erreicht
werden.
es muessen mindestens 30 leute mit ihrem namen voten.
von den 30 leuten muss mindestens 10 leuten von einer wechselnden 3
koepfigen jury, die in der vorangegangenen periode bestimmt wurde und
ausserhalb von netznetz steht(also keine kohle kriegt), inhaltliche
unbedenklichkeit bescheinigt werden.
==================

sowas in der art.

bitte, schaut das sowas eingebaut, weil sonst kann das ganz bloed
ausgehen.

Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Sam Dez 10 16:49:19 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 11:12 am

Was genau soll passieren wenn die Reissleine gezogen wird?

Wir br?uchten f?r diesen Fall ein von m?glichst allen akzeptiertes Fallback Modell, welches wir f?r den Fall des Scheitern / Ablehnung von Mana verwenden wollen.

Es wird des ?fteren in diesen Zusammenhang Dinge erw?hnt wie: Die Software wird nie funktionieren, machen wir das ?ber eine Jury.

Mir hat aber noch niemand erkl?ren k?nnen, wer genau in dieser Jury sitzen soll bzw. wie diese bestimmt wird und ob die Jury frei entscheiden darf, oder an gewisse Auflagen / Vorgaben gebunden ist und wenn ja wer f?r die Definition dieser Vorgaben verantwortlich ist?

Derzeit erfolgt die Entwicklung von Mana nach dem System: Mana ist das beste System, solange es durch ein noch besseres abgel?st wird.

Aber diese Abl?se kann nur durch ein System erfolgen, welches wirklich besser ist, weil die reine Abschaffung von Mana kein einziges der anstehenden Fragen und Probleme l?st.

Andreas.Trawoeger at wgkk.at Andreas.Trawoeger at wgkk.at
Sam Dez 10 18:33:57 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 11:14 am

ich hab die einzige loesung die ich fuer netznetz sehe schon
mal gemailt.
und hier nochmal – weis nicht warum man alles zwei mal mailen muss.

1.
die jury soll von allen bei einem plenum gewaehlt werden,
2.
jene leute die in der jury sitzen duerfen natuerlich nicht mehr selber
einreichen. sollen aber soviel geld kriegen dass sie neben ihrer
jurytaetigkeit auch noch eigene arbeiten realisieren koennen
3.
projekte werden ueber die liste eingereicht.
4.
die jury entscheidet ein jahr lang, dann wird wieder gewaehlt.

bei anderen loesungen wo man eventuell di kontrolle verlieren kann, weil
eben dynamisch…. da sollte man auf alle faelle eine reissleine einbauen,
um alles wieder stoppen zu koennen.

Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Sam Dez 10 19:19:47 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 11:15 am

Das System schafft Transaktionen (Vorwahl-Versprechen, Umsetzung,
Wiederwahl/Auswirkungen auf spätere eigene Förderung), und ermöglicht
somit eine tatsächliche Kodierung von Wählermeinung.

Zur Erinnerung: Meine Kritik an den von mir simulierten Direkt-Wahl- und
Reputationssystemen war: Ohne Transaktionscharakter wären nur
Eigeninteresse und “Messfehler” kodiert worden, nicht aber die
tatsächliche kollektive Selbstwahrnehmung.

Ich würde es begrüßen, wenn sich das Netzförderungsdebakel durch ein
einfaches und pragmatisches Konzept wie das vom Franz lösen liesse.

Paul Boehm paul at boehm.org
Sam Dez 10 20:48:10 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 11:16 am

win2day.at- dieses systhem lässt nicht die zeit sich seriös mit den einreichungen
zu beschäftigen (bis dahinn sind alle punkte weg)
dadurch resultiert: freunderlwirtschaft mehr den je, man wählt nur
solche die man kennt, qualität des projekts völlig egal…
wollt ihr das wirklich?

- es ist UNBEZAHLTE kurorentätigkeit (dies trift übrigens alle
voting-systheme)

meine empfehlung: COMMUNITY GAME auf

http://www.win2day.at

hosten

(dort wird auch vorgegaukelt, das jeder reich werden kann und nur ein
geringer bruchteil der mitspielenden wird es dann wirklich…)

weiters ein paar fragen:

sind jetzt die 7 personen die über ein wienweites fördersysthem
abstimmen die wiener COMMUNITY?
oder waren es 7 personen lediglich aus mangel an interesse an
netznetz.net….?

ist es seltsam das christoph für sich sebst wählt und diese stimme dann
auch zählt?

wer von den personen die abgestimmt haben ist eigendlich als
medienkünstler gemeldet und somit experte genug über fördervergaben aus
dem
medinekunsttopf abzustimmen?

—//–machfeld–//— contact at machfeld.net
Die Dez 13 10:37:12 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 11:31 am

> SuperTrust & Annual Convention & Backbone Projekts
>
> SuperTrust lässt sich wie jedes Votingmodell auf sogut wie alle
> Entscheidungsprozesse anwenden. SuperTrust ist aber ein teilweise
> imperatives Modell, wo die Community den Trustees teilweise
> vorgibt, wie sie entscheiden soll.

fein für organisiertere bereiche wie die backbone projects (die ich
persönlich für den viel heisseren hut halte als die network grants,
da ich an geteilte infrastruktur sowas von nicht glaube). schlecht
für network grants.

sei einmal ehrlich: bist du jemals als referee (oder auch juror) in
einem gremium gesessen und musstest projekte unter vorherbestimmten
gesichtspunkten beurteilen? ich hab das im akademischen bereich schon
gemacht. da ging es um locative art. meine erkenntnisse daraus (und
ich bin ein fan der peer review):

- die präsentation der arbeit formt die wahrnehmung bestimmter
aspekte stärker als die eigentliche arbeit. d.h.: wenn jemand das
kriterium auf das ich achte explizit nennt habe ich als beurteiler
das gefühl er hätte dies in der arbeit besonders bedacht – das muss
aber nicht so sein.

- es ist ein elender job zu peer-reviewen und keiner reisst sich
drum. macht man im akademischen sektor aus gewissem selbstverständnis
heraus und weil es eben symbolisches kapital bringt.

martin pichlmair pi at attacksyour.net
Die Dez 13 09:38:38 CET 2005 in Antwort an Andreas Trawöger

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 11:45 am

Ich halte nichts von vorgegebenen Kriterien, bin aber ein großer Fan von
kollektiven Meinungsbildungsmechanismen.

Einer Jury irgendwelche nichtssagende Begriffe unter denen jeder etwas
anderes versteht als Kriterien vorzugeben ist vollkommen sinnlos.

Die Idee bei SuperTrust ist es, die Gelegenheit zu nutzen, dass es sich bei
Mana um eine relativ simple Geldvergabe handelt.

Dementsprechend ist es möglich eine kollektives Voting zu machen, wo jeder
seine persönlichen Kriterien anwendet um die Frage zu klären wer generell
Geld erhalten soll.

An diese klare mathemtische Entscheidung kann man eine Jury sehr gut zu
einem gewissen Prozentsatz binden.

Sobald es aber von der simplen Frage (im mathematischen Sinne) wieviel Geld
wer bekommen soll weg geht und komplexere Fragen zu beantworten sind, ist
ein auch nur teilweise imperatives Modell nicht mehr durchführbar.

Andreas.Trawoeger at wgkk.at Andreas.Trawoeger at wgkk.at
Die Dez 13 10:25:20 CET 2005

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 11:47 am

Es ist einfach eine Tatsache, dass das KuratorInnen-Modell keine
Mehrheit – zumindest für 2006 – in dieser Community gefunden hat, wie
schmerzlich das auch für einige sein mag.

Andreas Trawögers MikrokuratorInnen-Modell zur Vergabe der Network
Grants, das im Wesentlichen auf denjenigen allgemeinen Prämissen
(nicht bezugsberechtigt, dafür Aufwandsentschädigung) beruht, die du
einforderst, hat nur einen Bruchteil der Stimmen beim Sprintosium im
Dezember erhalten; nimm das als Indikator.

Noch was, ein Spieltheoretiker mit langjährigem beruflichen
Hintergrund in der öffentlichen Fördervergabe, mit dem ich diese
Problem vor Kurzem diskutiert habe, hat mir eine Wette angeboten: er
meinte, er könne behaupten, dass JEDE JURYENTSCHEIDUNG – würde man
das Spitzenfeld ausser Acht lassen – NICHT VON EINER PUREN
ZUFALLSENTSCHEIDUNG ZU UNTERSCHEIDEN IST.

Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.net
Die Feb 14 02:03:59 CET 2006

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 6:01 pm

ich glaube nicht dass man die vielen meinungen hier unter einen hut
bringen kann.
ich glaube nachwievor dass die situation nur mit einer jury aufzuloesen
ist. Ja, eine jury ist subjektiv, aber sie ist auch nur fuer einen
gewissen zeitraum und fuer eine gewisse sache da. ich glaub auch nicht
dass kunst objektiv zu beurteilen ist. das hat einen vorteil, den wir auch
jetzt alle nutzen.
weiters ist geld boese, es verhindert kreativitaet. es war mal hier
mein vorschlag das geld in gold anzulegen, und dadurch einen wert zu kreieren.
aber egal.

bitte kein replay auf diese mail — ich kann schon keines mehr lesen.

noch einkurzes beispiel:
ich steige nicht in ein gefaehrt mit 2000 ps und fahr ohne
training in einem rennen mit – tut mir leid da muss ich passen.

Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Mit Feb 15 17:25:56 CET 2006

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 6:20 pm

Wenn dann von “interpenetrations-verhältnissen” geredet,
und dabei der gefährdete “stachel der netzkunst” beschworen
wird, dann ist die Versuchung einfach zu gross, nicht mal
schnell dem heutigen Konflikt mit dem “grossen Anderen” ein
Narrativ ödipaler Taschengeldverweigerung zu verpassen.
Dieses würde etwa auch heroische Komponenten
(Systemschliessung) umfassen, sodass man sich als
Game-Teilnehmer zwangsweise auch schon bald als
fremdgelenkter vermachteter Konformist fühlen müsste. Und
passend zum Programm: der aktuelle
Mana-mag-man-eben-nicht-Ruck.

Eigenartig allerdings – und hier muss ich zugeben, dass
mein heutiges küchenpsychoanayltisches Fabulieren an seine
Grenzen stösst – der so geläufige Gegenvorschlag
tatsächlich eine JURY einsetzen zu wollen! (Dann also doch
wieder den Belzebub mit dem Teufel austreiben, oder wie?)
Das edelste Motiv dahinter kann vielleicht noch eine
restaurativ-orientierte Sorge um die Netzkunst als solche
sein. Die Sorge um den Steuerzahler nehme ich aber mal
nicht für ganz voll.

Armin Wagner armin at medien.akbild.ac.at
Fre Feb 17 20:48:21 CET 2006

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 6:35 pm

Ein einfacher Vorschlag:

Es gibt eine Jury gewählt durch die Community und nicht von PolitikerInnen eingesetzt.
Diese Jury berät nicht PolitikerInnen welche Projekte förderungswürdig wären, sondern verfügt über ein allgemein bekanntes Budget und ist Entscheidungsfähig.
Jeder kann sich als Jurorin oder Juror zur Wahl stellen.
Die Jury ist für ein Jahr eingesetzt und ist angemessen bezahlt.

syl eckermann syl_eckermann at yahoo.de
Mon Feb 20 16:20:09 CET 2006

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 6:36 pm

dieser vorschlag – eine durch die community bestellte jury –
existierte bereits in sehr weit ausgearbeiteter form (andreas
trawögers modell ’super trustee’ – findest du im listenarchiv
dezember 05), fand aber nur ganz wenige stimmen bei der abstimmung im
dezember.

prinzipiell ist festzuhalten, dass das mana community game definitiv
den vergabemodus für 2006 regeln wird, auch wenn es nun vereinzelte
gegenstimmen gibt.

das ist nunmal das wesen demokratischer entscheidungen, der jetzt
implementierte modus wurde im realraum – 13. dezember 05 – doch
immerhin einstimmig (!) angenommen.

beim symposium/festival 2006 im herbst wird über den neuen
vergabemodus 2007 abgestimmt, da werden die karten wieder völlig neu
gemischt.

Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.net
Mon Feb 20 17:17:07 CET 2006

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 6:36 pm

oje. jury. oje.

das ende der nahrungskette (johannes grenzfurthner) jg at monochrom.at
Mon Feb 20 18:21:03 CET 2006

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 6:36 pm

Ich habe immer gesagt das netznetz ohne selbst gewaehlter jury nicht
funktionioeren kann.

aber das schlimmste was passieren kann das es keine frei gewaehlte jury
ist, sondern dass eine selbstbestimmte personenkreis urteilt und bewertet.

————–
ich halte ein personenkomitee notwenig – sonst geht nix weiter, aber
ich halte dieses personenkomitee fuer nicht geeignet halbwegs objektive
entscheidungen zu treffen wer bei mana mitmachen darf und wer nicht.

Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Son Mar 5 16:03:45 CET 2006

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 7:31 pm

Wie genau sieht es dann mit Aaron & Funkfeuer aus? Gilt Funkfeuer als ein
Projekt, ist jeder Knoten ein eigenes? Gilt Funkfeuer als Kunstprojekt, usw

Die Hauptschwierigkeit lautet aber vor allem: Woher wollt ihr auf die
schnelle eine halbwegs objektive und von allen Beteiligten aktzeptierte
Jury hervorzaubern? Wenn, dann soll die Jury auch gleich die Gelder
vergeben und nicht nur mit dem Finger rumzeigen und sagen, du bist
teilnahmebrechtigt und du nicht.

Andreas.Trawoeger at wgkk.at
Mon Mar 6 17:28:10 CET 2006

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 7:39 pm

Habe mich gestern mit FX getroffen, um einen zu trinken. Gesprochen haben
wir inhaltlich vor allem über die zusätzliche Option einer Fachjury für
den technischen Bereich im Feld ‘Netzkultur’ – hier gibt’s offenbar in den
letzten Tagen auf der Liste die grössten Missverständisse untereinander
(nicht zwischen uns).

Klaro, dass die OpenSource Leute mitmachen können müssen. Wenn’s hier
Personen gibt, die keine 3 Projekte vorweisen können, wäre ein positiver
Entscheid einer Fachjury die andere, alternative Option: war mein
ursprünglicher Vorschlag, und ist auch der, der gilt.

Stefan Lutschinger a9306158 at unet.univie.ac.at
Mit Mar 8 02:45:01 CET 2006

Comment by kanonmedia 12.10.06 @ 8:01 pm

++++++++ich kann vorbehalte gegen ein jury nachvollziehen, und ich halte es
für kontraproduktiv fixe kriterien dafür auszuarbeiten, was ein
netznetz-backbone projekt ist. eine art zulassungshürde erachte ich dennoch
für unabdingbar, um echte bandbus-attacken zu verhindern. (gegen die
organisationskraft der jungen övp oder der „ottakringer x-box freunde“ wären
wohl alle chancenlos.)

im „konklave“-modell könnte eine derartige hürde durch das abfragen von
negativstimmen, direkt anschliessend an die jeweilige projektpräsentation
erfolgen. die entscheidung würde so direkt bei der community liegen. auf die
große mehrzahl der projekte würden wohl keine oder sehr wenige ablehnende
stimmen entfallen, sie wären zugelassen. die einzelnen umstrittenen
projekte, die eine größere zahl von gegenstimmen erhalten, sollten kurz mit
erhöhter aufmerksamkeit diskutiert werden, und dann mit einfacher mehrheit
zugelassen oder abgelehnt werden.

ich würde in diesem zusammenhang  auch vor einer frontstellung kunst v.
technik warnen. ein projekt wie das „wikiGIS Wien“ bietet, wenn es
realisiert werden kann, ungeahnte möglichkeiten für künstlerische
interventionen. der begriff infrastruktur geht hier weit über das
bereitstellen von kommunikations- und repräsentations-plattformen für die
künstlerische praxis hinaus.

++++++++ für mana würde ich folgendes ableiten:

es sollten zwar netzwerke abgebildet werden, gröbere bandbus effekte wären
hier aber wohl sehr schädlich. das modell „validierungskremium“ sollte eine
chance bekommen. man sollte dabei das konfliktvermeidungsverhalten aber
nicht übertreiben. ich denke die community der manas sollte auch hier, so
nötig, resepktvoll über die zulassung umstrittener personen diskutieren
(eigene liste!) und dann halt das letzte wort des validierungskremiums
akzeptieren. für die zukunft wäre die möglichkeit wünschenswert, bei
umstrittenen juryentscheidungen, ein direktes communityvoting erzwingen zu
können.

es geht bei mana ( wie gesagt reality check) um theoretisch maximal 17
geförderte personen. praktisch wohl eher 12-15! partizipieren werden viel,
viel mehr.
einzelkäpfer stehen auch hier auf verloren posten.

wenn bandbus wirkungsvoll vermieden werden kann, wird das wahre spiel als
hochkomplexe koalitionsverhandlungssituation zwischen fixen gruppen und
individuen ablaufen.
das frühzeitige transparente bilden von allianzen, erscheint mir im
manasetting fast erfolgversprechender, als klandestines mauscheln.
leitpersonen aber auch konkrete projekte werden es erleichtern
kommuinikation zu kanalisieren. klare partizipationsmodelle in einer
konkreten gruppe werden helfen unentschlossene zu gewinnen.
der wahlverein „wir teilen cent für cent“ wird wohl großen zulauf bekommen.
was sonst noch entsteht, wird mana zu dem machen was es ist. ein experiment
von historischer tragweite, das weit über diese kleine stadt hinausstrahlt.

Die Apr 4 14:17:26 CEST 2006  

es wurde mehrfach der double blind jury ansatz vorgeschlagen:
die jury kennt nicht den teilnehmer (wird anonymisiert)
und der teilnehmer weiss nciht von wem er beurteilt wurde.
zusaetzlich gibt es einen genuegend grossen pool an jury personen und
das los entscheidet, wer die naechsten 6 monate jury ist.

(ok, man _kann_ auch dieses system brechen, aber es waere schon ein
massiver fortschritt – credits fuer dieses system an Chris Kummerer)

Aaron Kaplan aaron at lo-res.org
Fri Apr 21 10:15:29 CEST 2006 mond-discuss

Comment by kanonmedia 12.11.06 @ 11:31 am

was die probleme dieses systems bestrifft, die ihr angesprochen habt,
stimme ich völlig zu – und das nicht nur, weil ich zur bedrohten
Künstlergruppe (weiblich, einzel, usw) gehöre. ;-)

mein vorschlag – falls die zweifel zu gross werden und um diese wahl
nicht im desaster enden zu lassen und trotz alldem
eigenverantwortlichkeit zu demonstrieren, wäre folgender:

die ca. 130 einreichenden (minus denen die noch rausfliegen) wählen aus
ihren kreisen eine 7-köpfige jury, die die network-grants vergibt. mind.
3 frauen müssen in der jury sein.
man kann sich als aufstellen lassen oder so…
jedes jurymitglied bekommt eine entschädigung von zwischen 1000 -2000
euro und darf selbst natürlich in diesem wahlprozess nicht teilnehmen.

die herabsetzung der grants finde ich zudem eine sehr gute entscheidung.

wir könnten am 24. die jury wählen, die dann 3-5 tage lang in klausur
geht und die vergabe ausarbeitet.

bei der nächsten wahl im herbst wird wieder eine neue jury gewählt oder
ganz was neues.

durch das berufen einzelner personen in eine jury wird der bandbus effekt
eliminiert und man kann auch über entscheidungen und meinungen diskutiern
und wissen austauschen innerhalb der jury, was ich sehr wichtig finde.

+ bitte mich nicht auffressen wegen diesem posting! die stimmung ist eh
schon schlecht genug.

Judith email at jdth.net
Thu Apr 20 14:13:19 CEST 2006 mond-discuss

Comment by kanonmedia 12.12.06 @ 9:31 pm

ich bin unbedingt dafür diesen wahnsinn nach dieser runde zu stoppen,
geld per gießkanne verteilen, wilde lobbyspielchen inklusive übler
nachrede und was noch alles dazu gehört sollten wirklich beendet
werden. ich bin für eine gewählte jury, die geld dann auch nach
projektbedarf vergibt. für die die ohne konkretes projekt ein hier
sogenanntes personenstipendium wollen, einen fixbetrag einrichten der
dann an x personen vergeben wird. dieses und ähnliche jurymodelle
tauchen ja immer öfter auf, zuletzt glaub ich von judith. das kann man
ausformulieren und ein wirklich gutes öffentliches und transparentes
modell machen.

ich hab auf jeden fall keinen bock mich abzusprechen und
gießkannenpeanuts zu verteilen, ich hab auch keinen bock das ich dann
über andere herzieh und die wieder über mich, sinnlose
energieverschwendung die nichts bringt außer ärger, und mit diskussion
und produktion von kunst und ähnlichem nichts zu tun hat.

susanne.schuda susanne.schuda at chello.at
Fri Apr 21 10:31:29 CEST 2006 mond-discuss

Comment by kanonmedia 12.12.06 @ 9:33 pm

>hier scheint ein
>voting besser als eine jury zu funktionieren

woher willst du das bitte wissen, wenn eine intra-community jury noch nie
ausprobiert wurde?
sie ist halt schwerer zu bescheissen, vielleicht kommt der vorschlag
deshalb nicht so gut an…..!

Judith jdth at jdth.net
Don Apr 27 17:35:52 CEST 2006 in Antwort an Paul Böhm

Comment by kanonmedia 12.14.06 @ 3:11 pm

zengestrom.comwissen tu ich gar nichts. ich hab im q1 2005 ne menge verschiedener
systeme durchsimuliert, und versucht erkenntnisse aus
http://del.icio.us/enki/reputation
http://del.icio.us/enki/socialsoftware
und insbesondere
http://www.zengestrom.com/blog/2005/04/why_some_social.html
einfliessen zu lassen

bei meinen eigenen überlegungen und simulationen, wie gut die fassbare
repräsentation von wählerpräferenzen bei verschiedenen graden und
geschmacksrichtungen von egoismus, für verschiedene kriterien von ‘gut’
funktioniert, hat sich bei einer klasse von kriterien die ich eher der
netzkultur zurechne, gezeigt das ein markt besser funktioniert (da
transaktionen vorhanden sind (siehe zengestrom paper)), und bei
kriterien die ich eher der netzkunst zurechne, ein jury-voting modell,
da dadurch transaktionen (die reputation der jury) die sonst fehlen
würden, eingeführt werden können.

Paul Boehm paul at boehm.org
Don Apr 27 19:14:53 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.14.06 @ 3:12 pm

für backbone mag das system sinn machen, auch wenn die
hackebeilchen tief fliegen….. für den network-bereich bin ich immer
noch, und erst recht für ein gewähltes jury-system. wie schon von
mehreren seiten eingebracht, da gibt es verschiedene systeme die
transparent sind, kann man auch öffentlich (wie podiumsdiskussion)
machen. auf jeden fall setzt sich eine jury dann mit den einreichungen
auseinander, diskutiert die und hat entscheidungen zu argumentieren.
dann kann man im fall auf die jury sauer sein, muß aber nicht diese
miteinreicherzersetzung betreiben.

susanne.schuda susanne.schuda at chello.at
Mon May 1 07:42:05 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 11:50 am

nachdem die wahl ja 2x im jahr stattfindet, kann man den ersten durchgang
ähnlich einem direktwahlsystem machen, wie jetzt

und den zweiten durchgang mit einer software-gestützten selektion von zB
5-7 “geschworenen” aus der community, die dann als jury die 2.
geldvergabe erledigen.

Judith email at jdth.net
Mon May 1 11:55:19 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 11:51 am

 innerhalb des validationsgremiums hat kaum die überzeugung
durchgegriffen, dass das, was wir hier veranstalten eine einmalige
gelegenheit ist, die entscheidungsgewalt gleichberechtigt zu verteilen.
es scheinen im validationsgremium die nostalgischen vorstellungen von
einem kunstkabinett-theater mit honoratioren (fachjury), hofnarren
(künstlerinnen), erzählern (spoe) etc. wirksam zu sein.
wechselstrom
Don Mai 4 11:14:51 CEST 2006 

Zur ‘Intelligenz’ des Spielmechanismus vs. TeilnehmerInnen
existiert bereits ein eigener Thread, ob eine Fachjury anders
entschieden hätte werden wir nie erfahren. Hätte eine Fachjury nach
fachlichen Kriterien bewertet (existieren diese denn bereits bei
irgendeiner Fachjury weltweit, ich denke nein), dann sicher. Wäre sie
vor die Aufgabe gestellt gewesen, das Geld ‘gerecht’ zu verteilen,
wäre sie – meine Vermutung – zu einem sehr ähnlichen Ergebnis
gekommen wie die TeilnehmerInnen des CG.

Zum Streitpunkt ’spieltheoretischer’ Ansatz – seine Vision(en), sein
(e) Versprechen, sein(e) Ergebnis(se) – empfehle ich nochmals die
vollständige Lektüre des Threads

1-EURO-SPIEL (http://listen.esel.at/pipermail/liste/2005-August/
001771.html)

und ggf. die umliegenden Texte und Threads im August 2005 – um die
damaligen Utopien an der heutigen Realität zu messen. (Gerade diese
inhaltlichen Beiträge sind heute von höchstem Interesse.)

Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.at
Fre Mai 5 17:29:00 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 12:34 pm

Ich finde es schade, dass die Diskussion hier schon wieder darauf zielt,
wie die Regeln, wie das software-modell aussehen soll.

Es ist völlig egal, welches “Community-Modell” man implementiert. Am
Ende wird es immer welche geben, die mit den Regeln gut leben können und
davon profitieren (ob sie nun noname oder metalab oder ganz anders
heissen) und andere, die das nicht können und kein Geld bekommen. Ich
muss nochmal meinen Vergleich bemühen : wenn sich 100 ausgehungerte
Löwen über Regeln für die Vergabe von 10 Essenportionen streiten, dann
ist das einfach absurd und das Gegenteil von Partizipation/Demokratie
und Mitbestimmung.

Das Motto ist Kunst- und Kulturförderung im Bereich “neue Medien”.
Kunstförderung ist immer auch Selektion, legen und verschieben von
Fokussen, Sichtbarmachen von Prozessen usw.

Das kann kein Modell, keine Software leisten. Eine Jury (mit
wechselnden JurorInnen) und eine transparente Informationspolitik sind
aus meiner Sicht hier die einzige Möglichkeit für autonome Kulturförderung.

Ein fixes Modell, eine Software wird immer nach Kriterien wählen, die
nix mit dem eigentlichen Förderungsanspruch zu tun haben. Es wird sich
dann eine Gruppe bilden, die hier weiter mitspielen wird und das Geld
untereinander aufteilen, während andere spannende Künstlerinnen da
einfach nicht mitkönnen.

Ihr lügt euch massiv in die Tasche, wenn ihr an den Begriffen
“partizipation” und “demokratie” in diesem Kontext festhaltet, wo sie
einfach fehl am Platz sind. Durch die Wahl des Modells, durch die
eingeschränkte Transparenz greift ihr genauso massiv in die
Förderungsvergabe ein wie es eine jury machen würde. Ihr grenzt Gruppen
aus, bevorzugt andere technischere Gruppen usw .
nur ist es bei einer Jury klarer und bei einer guten jury transparenter,
vor allem wenn sie interne Diskurse auch veröffentlicht.

Das Scheitern von backbone und netgrant ist ein prinzipielles und
keines, das am softwaremodell liegt.

peter pilsl pilsl at goldfisch.at
Fre Mai 5 15:51:23 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 1:27 pm

meiner ansicht nach ist “modell” ein synonym für “fördervergabemodell”.
eine jury, die ich vorerst auch als die beste lösung ansehen, ist für
mich genauso ein modell.

joerg piringer joerg at piringer.net
Fre Mai 5 16:01:26 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 1:27 pm

wir haben die wahl nun hinter uns gebracht.
keiner von uns war mit dem spiel so richtig gluecklich.
was wir vermeiden muessen – dass wir wieder in einen zeitlichen
schlamassel kommen. den das thema ist mit dieser durchgefuehrten wahl
noch nicht vom tisch.

viele, viele leute sind sehr, sehr ungluecklich mit der pressemeldung.
was verkaufen wollen was noch nicht vorhanden ist, ist einfach nicht
weitsichtig. und bei so einer menge von leuten unmoeglich. es ist wieder
mal oel ins feuer gegossen worden. ich versteh nicht ganz was das bringen soll.

vor dem 2. durchgang moecht ich, um die zukunft zu sichern, aber noch
eines machen. eine fallbackloesung installieren. sonst kommt wieder ein riesen
chaos raus.

mein vorschlag:
wir einigen uns auf eine backup-loesung. was immer bis zur
naechste vergabe passiert, wir stimmen 3 wochen vor dem naechsten
vergabemechanismus ab, ob wir das so machen wollen – oder ob wir nicht
doch eine jury waehlen, die das geld vergibt.
denkbar waere vielleicht auch noch eine dritte moeglichkeit: einen teil
der summe ueber einen expirimentellen mechanismus zu vergeben, den rest
ueber eine bewaehrte jury.

Franz XAVER fx at kunstlabor.at
Don Mai 11 10:30:52 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 1:33 pm

armin medosch: (3.5.06:
abschussstatement validierungsgremium)

“In diesem Sinn stellt sich die Frage der Grenz-Definition des Feldes der
Netzkultur/kunst, eine Frage, die sich gerade dem VG immer wieder stellte.
Ist ein Projekt, bei dem es eigentlich um ganz andere Themen geht, das aber
hauptsaechlich ein Wiki benutzt, Netzkultur? Ist ein Online-Magazin, das
eigentlich konventionellen aber guten Journalismus betreibt, Netzkultur?
Ein Sendefenster auf Okto oder Radio Orange, das von Netzkultur handelt?
Was sind die Werte oder Distinktionskriterien der Netzkultur? Handelt es
sich um ein, wenn auch inheterogenes, aber doch irgendwie definierbares
Feld? ”

man muss sich diese sätze mehrmals auf der zunge zergehen lassen.
wenn also ein gremium aus hervorragenden leuten (das sind im medien- und
netzkulturbereich ja keine anfänger, sondern leute mit jahrelanger, oft
jahrzehntelanger erfahrung!)
wenn also diese leute bereits bei der einfachen frage, “wer ist im
netzkulturenbereich tätig und wer nicht?” derart ins schwimmen geraten,
dann fragt man sich, wie will eine jury über die frage entscheiden wer
im netzkulturbereich förderwürdig ist und wer hinausgekickt wird.

die schlussfolgerungen, die du franz hier zieht sind ein fallback ins
19.jahrhundert, da bin ich eher für eine fast forward vorgehensweise.

wechselstrom christoph at wechsel-strom.net
Don Mai 11 11:30:44 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 1:34 pm

eine netzkultur hat keine andere option als dort weiter zu machen, was
unsere aktuellen umwelten hervorgebracht hat – und das in aller konsequenz
´kritischer werkzeuge´, ohne rueckfall in naivitaeten.

aber auch deswegen gilt die auflage, die dummen pr-aussendungen sowohl
seitens netznet als auch ´der partei´ in die schranken zu weisen. wer
obiger selbstpositionierung eine adaequate praxis folgen lassen will,
unternimmt alles, um sich von den ´tranigen´
logiken politischer parteien frei zu machen – um tatsaechlich politisch zu
sein.

FER f.e.r at sil.at
Don Mai 11 14:39:09 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 1:34 pm

es ist mit einem einfachen verfahren möglich, minderheiten- (und damit
auch bandbus-) problematik und validierungsgremiums-problematik zu
lösen, ohne eine institution gründen zu müssen (die geld kostet und
irgendwie erhalten werden muss) und ohne ein oder mehrere zusätzliche
votings durchzuführen (die ja auf die dauer auch ermüdend wirken)
lösungsvorschlag:

wir nehmen aus den bereits ermittelten voting (das kann auch erst beim
nächsten mal so eingeführt werden) eine gremium, das sich aus dem voting
selbst ergibt.
dieses gremium setzt sich zusammen aus insgesamt 10 personen und zwar:
die beiden erstgereihten
die beiden “letztgereihten”, die aber mehr als null punkte haben müssen
drei genau aus der mitte
und drei, die durch das los bestimmt werden.

dieses gremium ist verpflichtet
1. die neuen bewerberInnen für das nächste voting zu validieren und
2. (vorausgesetzt, dass nicht die volle summe “ausgespielt” wurde,
sondern z.b. nur 100.000,– so dass 25.000,– übrig bleiben) wählt das
gremium aus allen, die den minderheitenstatus haben (siehe obige
definition) 5 personen aus, die jede/r 5.000,– euro zugesprochen
bekommt. wichtig: das gremium kann sich selbst keine förderung über
diesem weg zusprechen.

das gremium ist dann beschlussfähig, wenn mindestens 5 personen aus den
10 ermittelten dazu bereit sind diese entscheidungen zu treffen.
wenn keine 5 personen-gruppe zustandekommt, werden aus dem mittelfeld
des voting-ergebnisses die nächsten 5 personen angefragt, das so lange,
bis sich ein beschlussfähiges gremium ergibt.

bei der entscheidung über die validierung weiterer bewerberInnen in den
nächsten wahldurchlauf ist vom gremium einzig und dallein die frage zu
beantworten: ist der/die bewerber/in im netzkulturembereich tätig oder
nicht.
bei der entscheidung, wer von den minderheits-personen einen
förderzuspruch erhält, sind die mitglieder des gremiums sowohl in bezug
auf das interne abstimmungsverfahren, als auch in angelegenheiten der
förderentscheidung selbst allein ihrem gewissen verpflichtet.
zur raschen erzielung eines ergebnises wird das gremium in die
räumlichkeiten von public netbase eingeschlossen, und wenn dann rosa
rauch unter der türe hervorquillt, ist das für die aussenstehenden das
untrügliche zeichen: HABEMUS DATAM!

ausblick in die zukunft:
es ist durchaus möglich , dass auf grund von förderungen personen in den
wirtschaftsbereich abwandern und dort “dicke kohle” machen.
es sollte auch hier ein rücklauf in den fördertopf erfolgen und zwar 20%
vom reingewinn nach abzug von steuern.

wechselstrom christoph at wechsel-strom.net
Sam Mai 13 12:15:47 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 1:50 pm

> Man kann ein System nat?rlich
> mit einem chaotischen schwingungsverhalten ausstatten und es dadurch
> unberechenbar machen und auf diese weise gegen optimierung sch?tzen :) *1)

Ich vermute (aber das ist eben nicht mehr als eine Vermutung und
deswegen keine gute Basis fuer eine Entscheidung ueber 125.000 Euro)
dass 120 TeilnehmerInnen einiges an chaotisches Schwigungsverhalten in
das System bringen koennten.

Wenn allerdings zB ein Bandbus sich voellig von ‘aussen’ (i.e. anderen
Moms) abschottet, wuerde der vom Bandbus geschaffene Bereich /nicht/
schwingen. Und wir haben ein Problem.

Ich persoenlich bin ja immer davon ausgegangen, das die MitspielerInnen
halbwegs ‘ehrlich’ spielen (wobei ein Bandbus fuer mich nicht mehr
unter ‘ehrlich’ faellt). Leider hab ich wohl die korrumpierende Macht
von Geld massiv unterschaetzt. Bzw die Kombination aus Geldgier und
falsch verstandender Hackerethik, die (nach meinem Eindruck) manche
Bandbusse motiviert hat.

IMO laeufts darauf hinaus: Die Mitspielenden sind erwachsen und
Geld-resistent genug, sich an gewisse Regeln zu halten. Oder wir machen
eine Jury, womit fuer mich Mana/Netznetz gescheitert waere.

> Demokratie und Verantwortung aus meiner Sicht sehen zB so aus:

Mit verantwortlichen statt egoistischen Akteuren koennte auch Mana
funktionieren. Wohingegen verantwortungslose Leute auch ein Jury-System
“hacken” koennten. (siehe Bundesregierung…)

Thomas Klausner domm at zsi.at
Don Mai 18 15:42:07 CEST 2006 in Antwort an Peter Pilsl

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 2:03 pm

community vs. jury:
diesen gegensatz gibts nicht; die community ist bereits die ganze zeit
eine jury und zwar eine, die wir uns von keiner öffentlichen stelle mehr
gefallen lassen würden, weil sie sich nämlich jahrelang aus so gut wie
denselben leuten zusammensetzt und damit bestehende macht- und
interessenverhältnisse langfristig betoniert. da wir hier nicht teil
einer rtl-quotenumfrage sind, ist ein reines mehrheitssystem schlicht
ein absolut abzulehnendes weil diktatorisches: die zur zeit vielleicht
noch fiktiven vertreter der wirtshauskultur mit 70% quote werden trotz
aller gemeinsamkeiten den vetretern der fußballkultur mit 30% anteil
[die zuvor sinnloserweise die 1% rollerblader niedergetögelt haben]
niemals irgendwas zuteilen und sind daher zu 100% subventionsberechtigt.
ein solches system fördert nicht kulturelle kreativität, sondern
ausschließlich ellbogen-geschäftstüchtigkeit und schlitzohrigkeit und
sollte sich in richtung subventionstopf der wirtschaftskammer
verabschieden.

daher:
1. jemand, und sei es die stadt wien, muss klar und deutlich definieren,
für welchen kunst/kulturbereich der topf, von dem wir hier reden,
gedacht ist, denn es geht hier nicht um irgendwelche privatmeinungen,
sondern um die situation de jure.

TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Don Mai 18 18:42:31 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 2:33 pm

die jury:
die jedes mal ermittelten sparten sind ungeachtet der anzahl ihrer
mitglieder gleichrangig, daher entsendet jede sparte 3 vertreter in die
jury. 2 davon sind stimmberechtigt, einer schaut mit einspruchsrecht
allen anderen auf die finger.
die mitglieder der jury und die gruppen, deren mitglied sie sind, sind
für die aktuelle subventionsperiode gesperrt und werden daher
sinnvollerweise aus leuten bestehen, die wegen bereits erhaltener
subventionen ohnehin eine noch zu bestimmende anzahl von jahren gesperrt
sind, denn es ist völlig klar, dass es bei den knappen kulturbudgets
nicht sein kann, dass ein und dieselben personen(gruppen), egal ob mit
oder ohne tricks, mehrmals hintereinander geld bekommen.
die mitglieder der jury verpflichten sich zu absoluter verschwiegenheit
über die eingereichten projekte, denn die bedenken mancher hier
bezüglich eigentumsrecht an konzepten sind mehr als berechtigt.

wäre dieses system eine unzulässige bevorzugung der minderheit, die fast
immer die innovativere gruppe ist?
wenn jemand zun sehr mit dem strom schwimmt und sich in einer gruppe mit
hoher mitgliederanzahl und daher verminderten persönlichen aussichten
wiederfindet, tröstet ihn der potenziell kreativitätsfördernde umstand,
dass er sich jederzeit fürs nächste mal was eigenständigeres einfallen
lassen kann, bzw. dass es einer sparte mit kleiner mitgliederanzahl ja
geschehen kann, dass die ganze sparte nach subventionserhalt für längere
zeit gesperrt ist, wenn keine neuen personen dazustoßen.

aufteilung:
da wir kein belohnungs- bestrafungs- oder benotungssystem haben wollen,
ist die höhe der subvention für alle gleich.

TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Don Mai 18 18:42:31 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 2:36 pm

Die Jury
=========

hmm… also die kuenstlerisch wertvolle frage etc… da bin ich – wie
auch xav – eher fuer ein jury modell. Auch das Super Trustee Modell war
schon recht gut, schade, dass es im Dez abgelehnt wurde. Evtl. ist man
jetzt gescheiter. Eine jury kann man ja durchaus waehlen oder per
wuerfel bestimmen lassen. Damit ist man weniger den aktuellen problemen
von aktuellen jurymodellen (”wer die jury kennt gewinnt” etc)
ausgeliefert und hat TROTZDEM eine inhaltliche beurteilung (im gegensatz
zu jetzt). Die jury sollte natuerlich rotieren! Der vorschlag von x,
eine double blind jury (die die community _nicht_kennt!) zu machen ist
nicht ganz so schlecht finde ich. Gibts da kritikpunkte daran?

Ich finde es uebrigens gar nicht abwegig oder schlimm, wenn die p.t.
“community” sich dazu entschliessen wuerde, ihre eigene jury im direkten
voting oder per zufallssystem zu bestimmen. jury heisst nicht immer
schlecht. Und wenn man wirklich umbedingt will, kann man dazu auch SW
verwenden (ist aber wahrscheinlich unnoetig).

Evtl. laesst sich der vorschlag von xav, ein reputationsystem fuer die
jury weiterdenken. D.h. die jury hat einen ruf zu verlieren. Insoferne
muss sie gute projekte auswaehlen. Weiters kennt die jury die
ansuchenden nicht und kann nicht aufgrund des eingereichten projekts auf
die person schliessen. Hmm… da ergeben sich viele ideen… Muesste man
laenger diskutieren.

Aaron Kaplan aaron at lo-res.org
Die Mai 23 02:32:09 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 3:07 pm

abseits der von dir und paul böhm sehr gut dokumentierten
wahlsystem-problematik darf auf das politische argument nicht ganz
vergessen weden.
“eine jury kann man ja durchaus wählen … ” – bedeutet aber in jedem
fall eine machtkonzentration.
die frage die sich mir stellt ist: wenn es um geld geht – und das ist ja
der eigentliche grund unserer diskussionen, denn ohne fördermittel
(ressourcen) würde wir uns hier kaum so stark und lange engagieren, und
wenn man davon ausgeht, dass das für viele eine enorm wichtige sache ist
(die wenigsten haben einen reichen papi) – dann gibt es für mich keinen
politischen grund die gewalt über die verteilung der mittel an eine jury
zu delegieren.
wenn eine jury – dass diese gewählt werden muss, darüber bestehen kaum
differenzen in der community – denke ich.

was jetzt die frage der künstlerischen qualität anbelangt, die viele
durch eine allgemeine wahl (egal ob jury oder direktbestimmt) gefährdet
sehen – da sehe ich eher die künstlerische freiheit gefährdet, wenn man
die leute zwingt ihre entscheidungsgewalt zu übertragen – aber auch das
ist ein politisches thema, und es behandelt die frage: was sehe ich als
höherwertiges gut an -
im vorliegenden fall: zugewinn an handlungs- und entscheidungsfreiheit
oder qualitätssicherung der künstlerischen produktion (die dann meiner
meinung nach sehr schnell in einem akademismus landet – ist ja per se
nichts verwerfliches, aber langweilig).

wechselstrom christoph at wechsel-strom.net
Die Mai 23 09:25:47 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 3:11 pm

oja, genau den, dass die jury (oder eine mischform wie das recht gute
SuperTrustee modell) IMHO der einzige weg ist, eine qualitative
beurteilung reinzubringen. Die ueblichen schemen aus der wissenschaft
(impact ranking etc) werden hier – glaube ich – sehr schwer realisierbar
sein.

Aaron Kaplan aaron at lo-res.org
Die Mai 23 10:39:57 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 3:13 pm

das validierungsgremium war ja auch eine jury
fx, armin medosch und andrea mayr .

wechselstrom christoph at wechsel-strom.net
Die Mai 23 12:18:06 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 3:14 pm

immer wird hier der gedanke an eine lösung durch eine jury verteufelt.
die anschuldigungen lauten im wesentlichen:
a) sie sei intransparent
b) sie fördere freunderlwirtschaft

ein communitybasiertes game- oder abstimmungssystem sei da überlegen,
wird postuliert.

zu a)
ich denke, dass mit den richtigen auflagen eine jury weitaus
transparenter agiert als ein regelsystem.
wieso?
wenn von einer jury verlangt würde, dass sie zu jeder förderungszusage
(bei den absagen kann man das aus aufwandsgründen nicht wirklich
verlangen) einen kommentar veröffentlicht also ein begründung abgibt,
dann wäre das doch sehr transparent, oder?
ein komplexes system (noch dazu in einer geheimen abstimmung) kann diese
transparenz niemals erreichen. die werkzeuge um ein ergebnis einer
solchen abstimmung zu analysieren heissen doch:
statistik, annahmen, abschätzungen, oder? sonst wären wir schnell bei
der überwachung der spielerInnen.
nicht umsonst gibt es theoretiker der gesellschaftlichen
selbstorganisation, die es für möglich halten, dass in
gesellschaftlichen prozessen phänomene wie emergenz ein gewisse rolle
spielen. was soll also daran tranparent sein, frage ich mich.
etwas intransparenteres als das vergangene mana-community-ungame gibts
doch nicht oder?

zu b)
muss denn das so sein?
erstens gibt es möglichkeiten, die wahrscheinlichkeit des erfolgs der
korruption zu minmieren (siehe zufalls-jury-vorschläge).
zweitens wurde hier immer wieder von verschiedenen personen (unter
anderem von den game-befürwortern) an die “ehrlichkeit” der spielenden
im game appeliert. man müsse doch das spiel auch ehrlich spielen können.
wie berechnungen von andreas und anderen ziemlich anschaulich bewiesen
haben, war es in der tat so, dass wenn auch nur wenige “unehrlich”
spielen würden, die sogenannten “ehrlichen” keine chance auf gewinn
haben würden. also war es notwendig, sich mit anderen zusammen zu tun,
sich zu carsharingvereinen zusammenzuschliessen. freunderlwirtschaft halt.
ich habe selbst schon öfters bei verschiedenen stellen eingereicht und
auch immer wieder etwas bekommen. unter anderem auch ein
jahresstipendium, was kein kleiner brocken war (leider “war”, seufz).
bei allen meinen einreichungen kannte ich nur ein einziges mal ein
jurymitglied persönlich. und das hab ich auch erst im nachhinein
erfahren. ich habe also analog zu den kriterien der
“ehrlichkeitsbefürwortern” fair gespielt und trotzdem etwas bekommen.
während ich also im CG keine chance habe, wenn ich ehrlich spiele, hab
ich hingegen in einem jury-modell sehr wohl eine.

joerg piringer joerg at piringer.net
Don Mai 25 13:36:09 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 3:17 pm

> Ob’s sich nun Supertrustee, Jury oder Validierungsgremium nennt -
> immer
> arbeitet es über die Mechanismen der Repräsentation. Wer also zur
> Entscheidungsfindung über qualitative Kriterein auf solche Gremien aus
> MandatarInnen setzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn da demnächst
> die
> diversen Friendships jeweils ihr Chefs und Chefinnen reinsetze

nein, nicht umbedingt! Es gibt ja den vorschlag von x, dass die jury
erwuerfelt wird, aus einem genuegend grossen pool an international
angesehen leuten. die jury sollte (und das ist der IMHO schwierigste
punkte dabei) double blind sein. also nicht die ansuchenden kennen und
die ansuchenden sollten nicht wissen, weil welchem jurymitglied ihr
ansuchen landen wird.

wie will man bei sowas (es wird gewuerfelt!) seine freunde als jury
reinsetzen koennen?

Weiters sollte man einen mechanismus ueberlegen, dass die jury ihren ruf
zu verlieren hat.

Aaron Kaplan aaron at lo-res.org
Die Mai 23 15:43:51 CEST 2006 in Antwort an Thomas Thurner

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 3:27 pm

warum soll abhängigkeit von der gunst einer über jahre stabilen mehrheit
in der community besser sein als die von der gunst z.b. irgendeiner die
zusammensetzung wechselnden, womöglich kompetenten jury?

TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Die Mai 30 12:09:51 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 4:26 pm

akbild.ac.atakbild.ac.atmein ganzer ärger mit dem Wort “kurator” erinnert mich VEHEMENT an die
alljährliche auweh mit den “jahresausstellungen” an der Bildenden.
(meist im semperdepot)

da wurde jährlich ein promikurator herangekarrt, der – zumindest
anfangs – in maximal drei tagen aus X-hundert student/innen eine
best-of-ausstellung zusammenzuzimmern hatte.

der punkt auf den ich hinauswill ist nicht, dass ein GUTER
aussenblickwinkel nicht durchaus vorzüge (und v.a. erkenntniseffekte)
hätte. (dahingehend habe ich mich ja deutlich geäussert) – sondern:
dass nach einigen jahrn aktiven widerstand von seiten der
studierenden, zwar weiterhin promikuratoren an die akademie robben,
aber diese inzwischen keineswegs mehr wagen würden eine
best-of-only-my-perspective zu zimmern.

d.h. längst nicht IHRE qualitätsparameter verallgemeinern (stichwort:
einreichen – auswählen)
sondern im rahmen von workshops oder spezifischen framings, einen
blickwinkel wechsel ermöglichen, der mitunter trotzdem
qualitäts-lesearten unterstützt.

in erinnerung ist mir diesbezueglich:

- 2002: Zdenka Badovinac: die parasitäre klasse
http://www.akbild.ac.at/?l=de&a=73

(workshops und laborsituation, glaub ich, der deutsche
übersetzungs(!)-titel “schmarotzer” hat jedoch für einiges an kritik
gesorgt – und auch workshop wurden mitunter nicht als soo rosig
empfunden – müsst man gffls. vielleicht recherchieren)

- die 2003er von daniel richter hab ich nicht gesehen
http://www.akbild.ac.at/?l=de&a=578

mehr find ich grad nicht im netz -
ein wenig ist das (jahresausstellen? bzw. alternative
herangehensweisen) glaub ich wieder verebbt,
das müsste aber in der akademie sehr leicht erfahrbar sein.

und ja, alle von mir kuratierten ausstellungen (insbes. schau schau,
erste wahl, und letztlich auch update) hatten stets diesen
meta-blickwinkel inkludiert – weil er die kuratorenposition zugleich
relativiert, und trotzdem dem kurator einen handlungsspielraum und ja,
auch qualitätsselektion erlaubt.

eSeL esel at esel.at
Mon Mai 29 00:11:32 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 4:45 pm

> >> Per Definition ist jedes Vergabesystem außer einer Lotterie oder
> einer
> >> 1-Personen Jury ein Gebiet, auf das sich Spieltheorie anwenden lässt.
> >> >> Insofern
> >> sind denke ich alle hier Verfechter eines Systems auf
> “spieltheoretischer
> >> Basis”.
>
> Das denke ich überhaupt nicht und ich bin sicher kein Verfechter eines
> Systems auf spieltheoretischer Basis.

Was muss ich tun, um zu erreichen, dass hier verstanden wird, dass der
Spielcharakter eines Vergabesystems (mit Ausnahme einer Lotterie oder eines
Diktators) nichts ist, was man ablehnen oder befürworten kann. Egal, wie das
Fördersystem aussieht, wenn es eine Entscheidung auf Basis der Inputs mehrere
Individuen herbeiführt (und diese sich strategisch verhalten, was Menschen so
gut wie immer tun), dann ist man in der Welt der Spiele angelangt und da macht
es denke ich Sinn sich zu überlegen ob es in diesem Bereich gewisse
Regelmässigkeiten gibt bzw. was geht/was nicht…

Ein Vergleich: du kannst von der Physik, ihren Methoden etc. halten was du
willst, wenn du vom 10m Turm springst fällst du dennoch ins Wasser. Und wenn du
wissen möchtest warum du fällst und wie du den Fall zB verzögern kannst, dann
musst du dir was überlegen (anfangen Theorie und auch Empirie zu betreiben)

Der Begriff Spiel impliziert NICHT, dass das System irgendwelche ähnlichkeiten
zu Roulette, Poker, Monopoly, Schnapsen, Fussball oder so hat – mit Ausnahme
der ganz grundlegenden Eigenschaften, die alle Spiele gemein haben (Ergebnis
für einen Beteiligten hängt nicht nur davon ab, was er selbst tut, sondern auch
davon was die anderen tun)

Und nochmal: wenn ihr euch drauf einigt ein Jury System zu machen oder zu so
einem zurückzukehren, bitte.
Ich kann nicht sagen, ob ein dezentrales System besser oder schlechter ist. Klar
ist, dass ein dezentrales System vor und nachteile hat aber welche davon
überwiegen ist ganz stark von den Regeln abhängig und wenn man so was macht
gibt es Zugänge die (theoretisch) besser sind als andere – der Rest ist eine
Frage der Empirie.

Wolfgang Hoechtl Wolfgang.Hoechtl at uibk.ac.at
Sam Jun 3 16:58:55 CEST 2006 in Antwort an kanonmedia

Comment by kanonmedia 12.16.06 @ 6:54 pm

Wenn man die beiden Extreme des Spektrums der möglichen Vergabeverfahren
(Jury und dezentrales System) ansieht, so haben beide Vor- und Nachteile und
das Optimum ist zumeist nicht an den Rändern, sondern ein inneres, das etwas
schwerer zu finden ist – die mathematische Erklärung warum das Leben so
kompliziert ist ;-)

In einer Jury konzentriert sich die Entscheidungsmacht auf wenige Personen,
weshalb es möglich sein kann welche zu finden, die keine strategischen
Interessen mit irgendwelchen Antragstellern verknüpfen und deshalb gemeinsam
leicht die Rolle eines “wohlwollenden” (und gut informierten) Diktators
erfüllen können. Sollten diese Vorraussetzungen nicht erfüllt sein, ist der
mögliche Vorteil weg und hat sich in einen großen Nachteil verwandelt.

Bei einem dezentralen System verteilt sich die Entscheidungsmacht auf viele
Leute, was einerseits die Aggregation von Information nutzbar macht (die
Masse weiß vielleicht besser was wirklich gut ist – oder auch nicht?) und
andererseits (bei guten Verfahrensregeln) Freunderlwirtschaft erschwert. Bei
weniger guten Regeln öffnet man dadurch, dass die sich um die Kohle
streitenden Personen/Gruppen direkt in die Entscheidung miteinbezogen sind
aber strategischem Verhalten (individuell und/oder in der Gruppe) Tür und
Tor und (ein andererseits fehlt noch) kann’s sein, dass nun Leute mit
entscheiden, die nicht gut genug informiert sind um “objektiv” gute
Entscheidungen zu treffen (falls es das in der Kunst überhaupt gibt).

All diese Dinge spielen eine wichtige Rolle denke ich und die Spielregeln,
auf die sich die nicht-community (mMn der beste Ausdruck…) letzendlich
einigt werden das Ergebnis maßgeblich mitbestimmen. Daher sollte man sich
diese Dinge wirklich gut überlegen und nicht als Themaverfehlung von
“nerdigen Mathefreaks” (thanx Leo) abtun. Diese Überlegungen alleine sind
nicht ausreichend, um zu einem zufrieden stellenden Ergebnis zu kommen, da
gebe ich allen Kritikern der leider missverstandenen “technischen
Detaildiskussion” Recht. Aber ohne sich solche Dinge gut zu überlegen ist
mMn garantiert, dass nix gscheites dabei rauskommt. Auf den richtigen
Abstraktionsgrad kommt’s an.

Wolfgang Höchtl wolfgang.hoechtl at uibk.ac.at
Die Jun 6 17:40:37 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.17.06 @ 9:00 pm

Das konsequent praktizierte und nie wirklich in Frage gestellte einfache
Mehrheitsprinzip hat schon etliche Entscheidungen hervorgebracht,
entspricht aber weder bei Abstimmungen über Vorgehen, Personen und
Funktionen noch bei der Beurteilung von Personen und Projekten den
Anforderungen.
Wir brauchen hier ein System, das Chancengleichheit und gleichen
Einfluss für alle in der Community vertretenen Gruppen unabhängig von
ihrer Größe garantiert. Die Mehrheit – wer sonst – hat bei der Wahl
einer Regierung für die nächste Legislaturperiode immer recht, bei
Entscheidungen oder Beurteilungen im kulturellen oder künstlerischen
Bereich liegt sie in den meisten Fällen völlig daneben.

Netzkunst und -kultur ist ein sich ständig inhaltlich und formal
wandelndes amorphes Gebilde. Was heute für viele scheinbar universelle
kulturelle Gültigkeit besitzt, wird durch avantgardistische
Unterströmungen oder die Einführung neuer Technologien bereits morgen ad
absurdum geführt.
In netznetz samt mana befinden wir uns in einem noch unterentwickelten
sozialen System und ein solches entwickelt sich nicht notwendigerweise
durch beharrliches Abwarten selbständig zum erwünschten, alternativen
Fördermodell für alle, wenn nicht fundamentale Basisarbeit im Vorfeld
durchgeführt wird. Dieses gesellschaftliche Microsystem benötigt für
seine positive Entwicklung die intellektuelle Mitarbeit aller.
Wenn der theoretische Denkansatz überhaupt je ein demokratischer und
nicht nur ein konkurrenzkämpferisch/manipulativer war, wäre vor der
Einführung eines solch neuen Systems mit dem Anspruch auf
Allgemeingültigkeit eine grundlegende Analyse des Status quo und eine
Projektdurchführbarkeitsstudie durch Wissenschaftler und/oder Künstler
nötig gewesen.

TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Don Jun 8 22:11:52 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.30.06 @ 3:03 pm

Wir betonen ausdrücklich, dass wir ein System, das alle diese
Forderungen erfüllt, für zur Zeit nicht realisierbar und – zumindest
jetzt – für wahrscheinlich gar nicht wünschenswert halten: Ein
Beurteilungssystem mit einer über Jahre bezüglich Interessenverteilung
so gut wie gleich zusammengesetzten, potenziell inzüchtlerischen
Gesamtjury, die noch dazu aus denselben, im selben Prozess
konkurrierenden Förderungswerbenden besteht, ist für uns gerade im
Kunst/Kulturbereich per se noch immer keine wirklich gute Idee. Wir
wissen aus jahrzehntelanger Erfahrung mit dem Kunstbetrieb und uns
selbst, dass die meisten Künstler nicht besser oder schlechter, aber
völlig anders ticken, als sich das z.B. Ökonomen, Kunstkritiker und
Theoretiker vorstellen können. Auch die Erfahrung des zweiten und
Schilderungen des ersten Durchgangs sprechen gegen diesen Versuch.

Damit aber soll nichts Grundsätzliches gegen Selbstverwaltung gesagt
sein und wir schließen selbstverständlich nicht aus, dass es
irgendjemandem irgendwann gelingen könnte, auf welcher Grundlage auch
immer ein basisdemokratisches, selbstverwaltetes System zu entwickeln,
das monopolistisch und trotzdem chancengleich für alle, denen
Fördermittel zustehen, angewendet werden kann.
Wenn man in der Hoffnung darauf den heutigen Rahmen für diese
Entwicklungsversuche – netznetz – bei gleichzeitiger Anwendung
weiterlaufen lassen will, sind allerdings die oben geforderten [und
sicher noch mehr] Grundvoraussetzungen unverzichtbar. Unverzichtbar
deshalb, weil eine radikal offene, transparente Vorgangsweise den
zumindest vorerst wesentlichen Unterschied zur bisher üblichen machen
würde. Undurchschaubare Abläufe hatten wir schon, aber u.U. mit
vergleichsweise sogar größeren Chancen auf Förderung [besonders von
nicht spektakulären, sensiblen Projekten ohne Eventcharakter] und ohne
aufwändige, Zeit und Substanz fressende und letztlich völlig
einflusslose Mitarbeit.

Wir halten die doppelgleisige Version [besser innerhalb von netznetz
oder außerhalb mit einer zusätzlichen anderen Gruppe als mit der MA7
direkt] mit freier Wahlmöglichkeit bei jeder Einreichung für die zur
Zeit einzige eventuell vertretbare. Die ‘Community-Verfechter’ wären von
den vielen bereits erwähnten Unerträglichkeiten, die allein durch den
monopolistischen Zwangscharakter des jetzigen Systems entstanden sind,
befreit und könnten – zwar mit reduzierten Mitteln, aber dafür locker
mit Freiwilligen – weiterarbeiten. Bei Gelingen und transparenter
Vorgangsweise könnte nach einiger Zeit ganz automatisch und ohne Zwang
das Monopol zurückgewonnen werden.
Wenn nicht Größenwahn und kurzsichtige totalitäre Ansprüche im
Personenkomitee und bei einigen Lobbyisten die einzigen Beweggründe für
eine un- oder nur mäßig modifizierte Fortführung des Projekts sind,
müsste diese Version eigentlich Zustimmung finden.

TRANSMITTER-X.ORG office at transmitter-x.org
Don Jun 8 22:11:52 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.30.06 @ 3:16 pm

Bei den Webby Awards (ich weiss, natürlich eine konservativ-etablierte
Plattform) gibt’s übrigens eine Jury und parallel dazu ein Public Voting
(allerdings zur Beurteilung von fertiggestellten Werken und nicht von
Einreichungen, das muss man natürlich auch wieder dazu sagen) – man
könnte u.a. also auch davon ausgehen, dass sich eine wie immer bestellte
und eine wie immer sich von EntscheidungsträgerInnen hinsichtlich
Budgetvergabe und politischen Interessen abhängig fühlende Jury
gleichzeitig auch mit einer öffentlichen Mehrheitsmeinung in Vergleich
zu stellen und sich auch an dieser zu messen hat).

kanonmedia office at kanonmedia.com
Sam Jun 10 18:30:54 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.30.06 @ 3:38 pm

offensichtlich geht es immer noch bloss um ein ‘Wahlmodell’, wo
sich doch gezeigt hat, dass dies nur ein Aspekt ist, der viele andere
wichtige Fragen _sicher nicht_ loesen wird. Fragen wie z.B.:

- wer stimmt worueber ab?
- wer darf abstimmen?
- was muss eingereicht werden?
- definition netzkunst/netzkultur
- wie werden einreichungen validiert?
- welche zeitraeume stehen zur disposition (in england kann man
z.B. das ganze jahr ueber einreichen und nicht bloss zu zwei
stichtagen; ein reputationssystem koennte z.B. auch laengerfristig
laufen und nicht bloss als ‘abstimmung’)
- etc.

ein wie auch immer spieltheoretisch ausgetueftelter
abstimmungsmodus wird diese fragen nicht loesen, die _vorher_ zu
stellen sind. und diese fragen hier oben sind noch relativ eng gestellt
und beinhalten nicht komplexere themen wie z.B. ‘was will netznetz?’
oder die legitimen fragen die von graf+zyx aufgeworfen wurden.

bei allen juries bei denen ich bislang dabeigewesen bin wurde
komplex und inhaltlich diskutiert. ein wie auch immer geartetes
community game mit ‘punktevergabe’ oder dergleichen wird diese
inhaltliche diskussion nicht zu leisten vermoegen. ich sage das
nicht, um ein jury-modell vorzuschlagen, aber langsam naehrt sich
der verdacht, dass netznetz bestehende standards unterschreitet.

nicht zuletzt moechte ich darauf hinweisen, dass eine verwechslung
vorliegt wenn ‘abstimmen duerfen’ mit demokratie verwechselt wird.

bitte kommt doch runter von diesem software-game-trip.

Armin Medosch armin at easynet.co.uk
Mon Jun 12 12:59:24 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.30.06 @ 3:55 pm

Auch ich halte das konzept einer kuratierten community für sehr absurd bis
widersinnig.

heidi hu heidihu at gmx.at
Fre Jun 30 08:52:05 CEST 2006

Comment by kanonmedia 12.30.06 @ 6:30 pm

Den Jury-Alltag kenne ich gut durch jahrelange Beiratstätigkeit beim Bund, Bildende Kunst,
dann Video, dann Fotografie, dann Kunst am Bau, in NÖ Kunst im öffentlichen Raum
und beim Regierungsviertel….in aller Regel wird kompetent diskutiert und entschieden,
Versuche, die eigenen Studenten, ein Nahverhältnis zu Galerien oder Bundesländern
zu zementieren wird durch die anderen Jurymitglieder entschärft.
Auch eure Vorstellungen von Honorar sind vermutlich überzogen, denn es geht um
Zeitabgeltung (sieht bei Architektur etwas besser aus, weil der Stundensatz höher ist)
kommt bei Anfahrt aus den Bundesländern noch die Bahnfahrt dazu…wir sind nie
vergoldet worden!

Jana Wisniewski e-motion at utanet.at
Mon Aug 14 19:02:14 CEST 2006

Comment by kanonmedia 01.06.07 @ 10:18 pm

Wenn es um Spitzenförderung gehen soll, dann bitte eine erfahrene Jury!
Deine Habilitation oder einen renommierten Preis beurteilen auch erfahrene Kollegen,
nicht Anfänger, der Portier und die Putzfrau. Bei einer Wahl von Parteien können und sollen
aber alle wählen und wenn das hier dauernd durcheinder gebracht wird,
dann zweifle ich am Verstand der Leute hier auf Netznetz.

Jana Wisniewski e-motion at utanet.at
Mit Aug 23 18:59:35 CEST 2006

Comment by kanonmedia 01.07.07 @ 1:16 pm

Immer mehr zeigt sich eine Partie, die sich gegenseitig vor jedweder Kritik schützt, andere aber
mit mutwilligen Unterstellungen in ein schiefes Licht bringt.
Wenn diese Haltung von der nächsten Koordination nicht etwas gezügelt werden kann, muss man
das Projekt als gescheitert betrachten – denn auch die Einreichungen backbone, networks, sind
durch nur “formale Kriterien” durcheinander geraten, von Firmen unterwandert, von Künstlern gemieden,
ein Ausdruck für Konzeptlosigkeit.

Ich habe die Kritikfähigkeit und die Fähigkeit zur Selbstkritik der Community stark überschätzt,
ebenso den Willen zur Transparenz und bedaure das gehässige Klima gegen Künstler,
die können ohne Wertmaßstäbe, nur mit Wahltaktik nur auf der Strecke bleiben. Die aus der eigenen
Gruppe gewählte Jury (Trusties) kann nur finanzielle grobe Unebenheiten vielleicht beheben,
wenn sie fair ist. EINE JURY (auch wenn das nicht den Vorgaben der MA7 entspricht) scheint mir
nach der anhaltenden Ignoranz aller inhaltlicher, wertender Vorschläge dringend nötig.

Jana Wisniewski e-motion at utanet.at
Die Okt 3 10:38:45 CEST 2006

Comment by kanonmedia 01.08.07 @ 8:40 am

“3-köpfige” jury. das war /der/ flaschenhals bei der validierung bei
unter dem titel “community-game” durchgeführten 1. wahl der
förderempfängerInnen im frühjahr. meiner meinung nach wäre es die
*einzige aufgabe* eines sogenannten validierungskomitees
/doppelanmeldungen herauszufiltern/. die beurteilung der zugehörigkeit
zur netzkultur bzw. “künstlerische würdigkeit” oder wie immer man das
nennen würde sollten meiner meinung nach nicht dazugehören.

viel sinnvoller fände ich z.b. folgende vorgangsweise: jede(r)
teinahme-interessierte(r) kann sich 1) auf http://vote.netznetz.net
registrieren und /muss/ seinen/ihren namen (kann auch ein
identifizierbares pseudonym sein) auf einer eigens in diesem wiki
eingerichteten seite eintragen. die namen sollten dort über einen
gewissen zeitraum offen, für jede(n) einsehbar stehen bleiben. gibt es
während dieser zeit keine einwände aus irgendeiner richtung der
gesamtheit der registrierten und validierten teilnehmerInnen geben, kann
der/die teilnehmerIn zur teilnahme an votings freigeschaltet werden.

Stefan Nussbaumer stefan at basislager.org
Fre Okt 20 21:45:21 CEST 2006

Comment by kanonmedia 01.08.07 @ 5:12 pm

dass das jury-system ein bewaehrtes instrument sei, wollen wir in den
bereich der mythen verorten.

ganz abgesehen von dem umstand, dass eine intellektuelle avantgarde im
21.jahrhundert nicht allen ernstes auf so etwas setzen kann.

FER f.e.r at sil.at
Don Nov 2 00:52:17 CET 2006

Comment by kanonmedia 01.08.07 @ 6:24 pm

Es standen Ende 2005 im Prinzip 2 Systeme zur Auswahl,

- Community Game
- Super Trust

Ich habe Anfang 2006 dafuer Sorge getragen, dass wir in EINEM Jahr
BEIDE Systeme ausprobieren koennen, was jetzt auch passiert. Erst
danach koennen wir sagen, dies waren die Vorteile von System X, die
Vorteile von System Y, die Nachteile von System X, die Nachteile von
System Y.

Community Game ist gekennzeichnet durch paradigmatische
Deregulierung, Super Trust durch regulierte Mitbestimmung.

Ich weiss, die Nerven liegen – knapp vor der Wahl – wieder mal blank.

Arbeiten wir dran, dass wir diese Wahl wieder gut hinbekommen, das
ist keine einfache Aufgabe. Dann setzten wir uns zu einer
Manoeverkritik zusammen und ziehen einen direkten Vergleich. Und,
fuer naechstes Jahr koennte das alte juedische Sprichwort gelten:
wenn du zwei Moeglichkeiten hast, waehle die Dritte. Franz Xavers
sehr fundierter Vorschlag einer Art selbstgewaehter Jury gefaellt mir
sehr gut, also warum kein Mut zum Experiment – placet experiri!

Stefan Lutschinger s.lutschinger at digitaldrafts.at
Son Nov 12 16:42:36 CET 2006

Comment by kanonmedia 01.08.07 @ 7:21 pm

eine anmerkung zu den trustees bei den
networks-grants: im prinzip handelt es sich dabei
um unbezahlte juroren und da wirklich genaue
arbeit zu verlangen, das halte ich schon für
etwas naiv. ausserdem werden auf die schnelle zu
den derzeitigen bedingungen vermutlich kaum
fachlich geeignete und weitestgehend unabhängige
trusties finden lassen. da hätte die gezielte
suche schon spätestens mit der wahl von
supertrustie beginnen müssen. schade. wäre dann
ein passables modell geworden.

ich verspreche, wenn ich trustie werde, sicher
nicht alles genauestens anzuschauen und auch
keine allzu hohen ansprüche zu erheben ;-)

@ graf zyx: rate auch an, doch zu kandidieren,
wenngleich ich bei der derzeitigen
zusammensetzung der community wenig chancen für
den prokunst-standpunkt (insbes.
einzelkünstlerInnen) sehe

Martin Mair martin.mair at mediaaustria.at
Fre Nov 24 18:58:39 CET 2006

Comment by kanonmedia 01.11.07 @ 3:10 pm



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